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Beim Verband Bernischer Landfrauenvereine treten gleich fünf Vorstandsmitglieder zurück, doch Knatsch gibt es keinen

Gründe sind Amtszeitbeschränkung und berufliche Verpflichtungen. Wie fährt der Verband nun weiter?

Beim Verband Bernischer Landfrauenvereine (VBL) sind gleich fünf Vorstandsmitglieder zurückgetreten. Die Präsidentin Barbara Kunz, eine der Zurücktretenden, machte an ihrer letzten Delegiertenversammlung, die in Zweisimmen im Berner Oberland stattfand, aber deutlich: «Nein, wir haben uns nicht aufs Dach gegeben!» Drei der Austritte erfolgten aufgrund Amtszeitbeschränkung. Betroffen davon sind die Präsidentin Barbara Kunz, Vizepräsidentin Barbara Lüthi-Kohler und Beisitzerin Heidi Glatthard. Kathrine Balsiger und Regina Moser haben ihre Rücktritte aus beruflichen und familiären Gründen gegeben.

Die Statuten müssen angepasst werden

Die Führungsebene habe die Situation genau überdacht. Neben den Rücktritten ist auch Tatsache, dass der VBL an Mitgliederschwund leidet. Die Austritte erfolgen oftmals wegen Vereinsauflösungen. Der Vorstand beschloss daher, den Verband künftig schlanker, mit weniger Vorstandsmitgliedern zu führen, führte Barbara Kunz aus. Zudem können vermehrt Frauen aus der Basis in den verschiedenen Fachkommissionen mitarbeiten, ohne dass sie Einsitz im Vorstand nehmen. Das komme den veränderten zeitlichen Ressourcen vieler Frauen entgegen, erklärte die Präsidentin. Die angestrebten Veränderungen wurden bei der geplanten Statutenanpassung miteingefügt.

Künftig müssen nicht mehr sieben bis neun Mitglieder dem Vorstand angehören. Sondern: «Der Vorstand besteht aus maximal sieben Mitgliedern.» Auch dass der Verband mittels Präsidiums und Vizepräsidium oder durch ein Co-Präsidium geführt werden kann, wurde in die Statuten aufgenommen. Die Delegierten nahmen die Statutenänderung diskussionslos an. Darüber zeigte sich Barbara Kunz sehr erleichtert. Denn das Ergebnis war für den weiteren Verlauf der Versammlung von zentraler Bedeutung, zeigte sich später bei den Wahlen.

Eine neue Beisitzerin und eine Doppelführung

Als neue Beisitzerin stellte sich mit Carol Stephanie Hofer nur eine Person zur Neuwahl. Sie ist Bäuerin FA, Sozialarbeiterin und Mutter von zwei Mädchen. Mit ihrer Familie bewirtschaftet sie in Aefligen einen Landwirtschaftsbetrieb mit Milchwirtschaft sowie Futter- und Ackerbau. Ihre Wahl erfreute die Präsidentin Barbara Kunz sichtlich. Die Freude wurde kurz darauf noch grösser. Als neue Verbandsspitze stellten sich Christa Krähenbühl und Ursula Brönnimann als Co-Präsidentinnen der Wahl, was von den Delegierten einstimmig gutgeheissen wurde. «Ich bin schampar froh! Das ist eine gute Lösung, denn die beiden matchen perfekt zusammen», schwärmte Barbara Kunz, und ihre Freude übertrug sich in den ganzen Saal.

Beim Verband Bernischer Landfrauenvereine treten gleich fünf Vorstandsmitglieder zurück, doch Knatsch gibt es keinen
Die beiden Barbaras haben den VBL viele Jahre lang geprägt. Kunz (links) und Lüthi-Kohler (rechts).

Misstrauen gegen den SBLV

Dass Versammlungen auch Überraschungen bieten können, zeigte sich wenig später. Ein vom Vorstand des Landfrauenvereins Wynigen-Rumendingen eingereichter Antrag liess die fröhliche Stimmung kippen, es wurde mucksmäuschenstill im Saal. Dieser «beantragt die Prüfung der Konsequenzen für die Berner Landfrauenvereine im Falle eines geschlossenen Austritts des VBL aus dem Schweizerischen Bäuerinnen und Landfrauenverband (SBLV)». Ein entsprechender Bericht wird an der nächsten Präsidentinnenkonferenz, die jeweils im Herbst stattfindet, erwartet. Barbara Matter erklärte im Namen des antragstellenden Vereins, dass ihnen «ein Gegenwert für den Jahresbeitrag von 10 Franken pro Mitglied fehlt», den der VBL an den SBLV weiterleiten müsse. Alle Beiträge zusammen würden nicht einmal die Personalkosten des SBLV decken, war eines ihrer Argumente.

Beim Verband Bernischer Landfrauenvereine treten gleich fünf Vorstandsmitglieder zurück, doch Knatsch gibt es keinen
Für ihren Ausbildungserfolg als Bäuerin FA wurden Stefanie Schori, Madiswil (v. l.), Isabelle Klauser, Reutigen, Flavia Rüegsegger, Boltigen, Daniela Tanner, Bärau und Diana Baumann, Hindelbank, geehrt.

Anne Challandes will Geschlossenheit

Die SBLV-Präsidentin Anne Challandes wies diese Kritik «als Falschbehauptung» entschieden zurück und zeigte auf, was der Verband mit den 10 Franken alles leiste. «Wir müssen die Geschlossenheit unbedingt behalten», machte sie deutlich. Auch weitere Votantinnen machten sich emotional für den SBLV stark. «Wir sind nur als Ganzes stark und dürfen uns nicht gegenseitig zerfleischen», betonte Eva Schäfer. Es sei wichtig, dass die Bäuerinnen des Kantons Bern auf nationaler Stufe mitreden könnten, wie aktuell bei der laufenden Revision der höheren Berufsbildung.

Und Christine Gerber machte klar: «Wenn Leute aus dem SBLV nicht überall in nationalen Gremien vertreten sind, sind wir Bäuerinnen nirgends.» Sie erinnerte daran, was die Vorgängerinnen alles getan hätten, um die Position der Frauen und Bäuerinnen zu stärken. Von den knapp 100 Stimmberechtigten kam der Antrag wohl zu überraschend, um sich in kurzer Zeit eine Meinung zu bilden. Denn 29 Frauen enthielten sich ihrer Stimme. Der Antrag wurde dennoch mit 41 Ja zu 25 Nein-Stimmen angenommen. Der neue Vorstand ist also gleich gefordert, um im Herbst Antworten liefern zu können.

Beim Verband Bernischer Landfrauenvereine treten gleich fünf Vorstandsmitglieder zurück, doch Knatsch gibt es keinen
Die SBLV-Präsidentin Anne Challandes (vorne) äusserte sich zu einem Antrag aus dem Vorstand des Landfrauenvereins Wynigen-Rumendingen, den Barbara Matter erläuterte.

Barbara Kunz verschlägt es die Sprache

Fröhlicher und wertschätzender konnten die restlichen Traktanden abgehandelt werden. Fünf Bäuerinnen aus dem Kanton, die den Fachausweis erhalten hatten, wurden vom VBL für ihren Ausbildungserfolg geehrt. Darunter auch Stefanie Schori, die mit der Note 6 abschloss (wir berichteten). Und auch die Arbeit der scheidenden Vorstandsmitglieder wurde in den höchsten Tönen gelobt und verdankt. So sehr, dass es etwa Barbara Kunz bei ihrer Verabschiedung kurzzeitig die Sprache verschlug. Und das passiert doch eher selten. «Dieses Amt war für mich eine Lebensschule», betonte sie, als sie ihre Sprache wiedergefunden hatte.

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