Die Medienmitteilung des FMV vom 21. September umfasst nur wenige Zeilen. Die beiden Abgänge seien die Folge unterschiedlicher Ansichten über die strategische Ausrichtung des Verbands, heisst es darin.
Sabine Guex war im November 2025 beim Verband eingestiegen und hatte die Direktion am 1. Januar 2026 von André Brodard übernommen.
Mireille Hirt-Sturny gehörte dem Vorstand seit September 2020 an und ist auch national eine bekannte Stimme der Milchproduzenten. Weitere Angaben machte der Verband nicht, auch zur Nachfolge nicht.
«Nur noch im Kreis gedreht»
Was hinter der knappen Begründung steckt, schildert Mireille Hirt-Sturny deutlich offener. «Wir sind der Auffassung, dass Handlungsbedarf besteht. Da sind sich alle einig. Meinungsverschiedenheiten gab es aber dazu, mit welcher Geschwindigkeit wir vorgehen.»
Es sei um die Struktur des Verbands gegangen, um Möglichkeiten, Kosten zu senken und sich effizienter zu organisieren. «Wir haben Lösungen vorgeschlagen, sind damit aber nicht vorangekommen. Am Ende haben wir uns nur noch im Kreis gedreht.»
Sie spricht dabei durchgehend in der Wir-Form, sie und Guex standen offensichtlich auf derselben Seite. Über die neue Direktorin sagt sie: «Sie hatte viele neue Ideen, gute Ideen.» Andere Organisationen zeigten, dass Veränderungen möglich seien. Mit der aktuellen Milchpreiskrise hätten die Differenzen nichts zu tun. Auch dass beide Frauen seien, habe keine Rolle gespielt. Aber: «Wir haben vielleicht etwas andere Sichtweisen eingebracht.»
Sabine Guex äussert sich zurückhaltender. «Wie alle Verbände soll sich auch der FMV hinterfragen und modernisieren», sagt sie. «Ich habe viele Vorschläge vorgebracht. Leider konnte der Vorstand keinen davon eingehend erörtern.» Weshalb das so war, dazu will sie sich nicht äussern.
Vorstand schweigt zu Vorschlägen
FMV-Präsident Yves Nicolet stellt die Differenzen breiter dar. Sie hätten die Art der anzugehenden Veränderungen betroffen, aber auch den Zeitplan und den Weg dorthin. Welche Vorschläge der Vorstand nicht aufgenommen hat und weshalb, sagt er nicht: «Die Art dieser Vorschläge bleibt vorstandsintern.»
Damit bleibt offen, ob und wie der Vorstand die Vorschläge der Direktorin behandelt hat. Auch welche Strukturen und Kosten konkret zur Debatte standen, bleibt Verschlusssache.
Unklar ist zudem, wer die Reformen, über deren Notwendigkeit sich offenbar alle einig sind, nun vorantreiben soll. Eine Interimslösung gibt es noch nicht. Der Vorstand treffe sich noch diese Woche, kurzfristig würden die Aufgaben intern und unter den Vorstandsmitgliedern aufgeteilt.

Cremo hält sich raus
Der FMV vertritt 139 Käsereigenossenschaften mit rund 1120 Milchproduzenten und ist mit gut 45 Prozent Hauptaktionär der Cremo, des zweitgrössten Milchverarbeiters der Schweiz. Das Unternehmen steckt mitten in einem schwierigen Umbau. Ende November 2025 wurde der CEO abgesetzt, und die Ziele für das Geschäftsjahr 2025 hat das Unternehmen verfehlt. Nach einer Rücktrittswelle im März wurde der Verwaltungsrat verkleinert; seither hat der Verband dort nur noch einen Sitz. Öffentlich hinter die Cremo gestellt hatte sich der FMV bereits im Februar. Daran ändere sich nichts, betont Yves Nicolet: «Wir haben dem Transformationsplan der Cremo unsere volle Unterstützung signalisiert und bestätigen dies.»
Soll der Kanton Freiburg die Cremo unterstützen? Der Staatsrat lehnt ab
Rund 1800 Milchproduzenten wären von einer möglichen Schliessung des Cremo-Standorts Villars-sur-Glâne betroffen. Der Freiburger Staatsrat nimmt die Krise ernst, lehnt die geforderte Expertenkommission aber ab und verweist auf die Verantwortung des Unternehmens.Die Cremo ihrerseits hält fest, sie habe keine Erwartungen an die Organisation des FMV gestellt. Diese Fragen seien «ausschliesslich Sache seiner eigenen Gremien». An den Reformdiskussionen im Verband sei man nicht beteiligt gewesen. Man bedaure die beiden Rücktritte, auf die Zusammenarbeit mit dem Hauptaktionär hätten sie aber keine Auswirkungen.
Nationale Mandate bleiben vorerst
Mireille Hirt-Sturnys Rücktritt betrifft vorerst nur den FMV. Sie sitzt auf Vorschlag des FMV im Vorstand der Schweizer Milchproduzenten (SMP), wo sie seit April 2025 2. Vizepräsidentin ist. Im Vorstand der Branchenorganisation Milch vertritt sie seit 2017 die Direktlieferanten der Cremo. Auf die Frage, ob ihr Rücktritt auch diese Mandate betreffe, sagt sie: «Bis im Frühling nicht.» Formell läuft das SMP-Mandat nicht mit dem Rücktritt aus. Der FMV kann seine Vertretung in Bern aber neu bestimmen, über das Vizepräsidium entscheiden die Gremien der SMP.
Als Flucht will Hirt-Sturny den Schritt nicht verstanden wissen. «Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass wir vor den Herausforderungen davonlaufen. Wir wollten vorwärtskommen und etwas machen.» Und: «Der Rücktritt war abrupt, aber es war kein Kurzschlussentscheid.»

