Gaden (alte Ställe) prägen das Landschaftsbild im Kanton Glarus seit Jahrhunderten. Heute gibt es noch rund 2230 dieser Gebäude. Davon werden ungefähr 1300 landwirtschaftlich genutzt, 80 sind bewohnt und 850 stehen leer. «Vor allem die unbenutzten Gaden verfallen zunehmend», sagte Reto Fuchs kürzlich an einer Tagung der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete (SAB) in Schwanden GL.
Der Glarner Architekt will dies ändern: Er ist Mitinitiant des Projekts «Gadenlandschaften im Glarnerland», welches der Bund als eines von 32 Modellvorhaben «Nachhaltige Raumentwicklung 2025–2030»usgewählt hat. «Ziel ist es, Gadenlandschaften durch tragfähige, neue Nutzungen zu bewahren – für einen sanften Tourismus, für die Landwirtschaft und für die Region», so Fuchs.
Ideen für alternative Nutzungen gesammelt
Eine Gadenlandschaft ist eine Ansammlung von mindestens fünf Gaden, die wahrnehmbar räumlich zusammenhängen und sich von anderen Gebäuden abgrenzen. In einem ersten Schritt identifizierten die Initianten des Projekts alle Gaden im Kanton Glarus mithilfe des Geoinformationssystems (GIS). Dabei kamen sie auf 88 Ansammlungen von Gebäuden.
Als Resultat der Erhebung blieben 13 potenzielle Gadenlandschaften übrig, die im Hinblick auf verschiedene Kriterien (z. B. baulicher Zustand, Schutzstatus, Erschliessungsgrad) ausgewertet wurden.
Daraufhin erfolgte eine Auswahl von drei «Living Labs» (Betriebsmodelle), die genauer überprüft werden sollen: Ännetrösligen in Ennenda GL, Bachghaltigen/Hengstboden in Elm GL sowie Hüttenberg in Obstalden GL. Während der letzten zwei Monate konnten interessierte Personen Ideen für alternative Nutzungen der drei möglichen Gadenlandschaften einreichen.
Diese werden nun gemeinsam mit Eigentümern und Pächtern ausgewertet. Priorisierte Ideen sollen anschliessend genauer auf eine Umsetzung hin überprüft werden. Als Beispiel für ein umgesetztes Projekt dieser Art nannte Fuchs den Gadäwäg in Klosters GR, für den mehrere Ställe als erlebnisorientierte Themenstationen und Rastplätze für Wanderer genutzt werden.

Auch Rückbauten sind herausfordernd
Das Modellvorhaben hat einen aktuellen Hintergrund: Das bisherige Raumplanungsgesetz erlaubte kaum Umnutzungen ausserhalb der Bauzone. Mit dem revidierten Raumplanungsgesetz (siehe Kasten), das seit diesem Jahr in Kraft ist, könnte sich dies ändern.
Beim RPG2 handelt es sich um die zweite Etappe der «Nachhaltigen Raumentwicklung 2025 – 2030». Die Überarbeitung zielt hauptsächlich darauf ab, die Anzahl Gebäude und die versiegelten Flächen zu stabilisieren.
Was die Stabilisierungsstrategie betrifft, sieht der Kanton keinen dringenden Handlungsbedarf, sagte Fabienne Egloff, Abteilungsleiterin der Glarner Raumentwicklung und Geoinformation. Zudem überprüfe man, ob der Ansatz des Gebietsansatzes für wenige, bestimmte Orte angewendet werden soll. Fabienne Egloff sieht die Rückbauten ausserhalb der Bauzonen als eine der grössten Herausforderungen. «Noch ist nicht klar, wer die Abbruchprämien übernimmt.»
Die Mehrwertabgabe, die der Bund grundsätzlich dafür vorsieht, werde bereits vollständig an die Gemeinden überwälzt. Daher frage sich, ob die Mehrwertabgabe beispielsweise erhöht oder eine Lenkungsabgabe für Umnutzungen eingeführt werden solle.
Auch Markus Richner, Abteilungsleiter Landwirtschaft des Kantons Glarus, äusserte sich zum «Projekt Gadenlandschaften». Dabei bezog er sich unter anderem auf die Regionale Landwirtschaftliche Strategie (RLS). Diese beschreibt verschiedene Massnahmen, darunter auch den Erhalt und die Nutzung von Gaden. «Damit berührt das Projekt die zentralen RLS-Ziele», stellte Richner würdigend fest.

«Gaden nur erhalten, wenn sie einen Nutzen haben»
Martin Luchsinger, der im Weiler Thon oberhalb von Schwanden einen Biobetrieb bewirtschaftet, besitzt insgesamt 28 Gaden. Genutzt werden sie hauptsächlich von seinen Mutterkühen: Sind diese auf den umliegenden Weiden, haben sie freien Zugang zu den Ställen. Ihm würden die Gaden, von denen der älteste rund 600 Jahre alt ist, gefallen, meinte der Landwirt. Entsprechend pflege er sie.
«Der Aufwand dafür ist allerdings gross.» Dazu gehöre auch der Erhalt der Trockensteinmauern um die Ställe herum. Was eine Umnutzung von solchen Gebäuden betrifft, sieht Luchsinger sowohl Vorteile als auch Nachteile: Er ist überzeugt, dass die Landwirte einen gewissen Handlungsspielraum für eine leichte Umnutzung haben sollten. Was er sich dagegen nicht vorstellen könne, seien etwa Ferienhäuser mit Planschbecken davor und Satellitenschüsseln auf dem Dach.
Auch Fritz Waldvogel, ehemaliger Präsident des Glarner Bauernverbandes, sagte, man dürfe nicht unterschätzen, dass die Gaden im Falle einer Umnutzung ganz anders wirken würden. Zudem meinte er, man sollte die Gaden nur erhalten, wenn sie einen Nutzen haben.
Verschiedene Akteure sollen zusammenarbeiten
Laut Rahel Marti, Co-Geschäftsleiterin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, sind die Gadenlandschaften Zeugen der historischen Bewirtschaftung und somit von kulturellem Wert. Es soll sorgfältig und individuell abgeklärt werden, wie mit einem Stall umzugehen sei.
«Entscheidend ist, dass dabei eine Verbesserung resultiert», sagte Marti. Und wichtig sei auch, dass die verschiedenen Akteure bei der Suche nach Lösungen zusammenarbeiten.
Das revidierte Raumplanungsgesetz
Die wichtigsten Neuerungen des RPG2 sind:
Stabilisierungsziel: Stabilisierung der Gebäudezahl und versiegelten Flächen ausserhalb der Bauzonen:
Abbruchprämie: Rückbauten ausserhalb der Bauzone sollen entschädigt werden
Gebietsansatz: Bezeichnung von Gebieten ausserhalb der Bauzone für Nichtbauzonen mit zu kompensierenden Nutzungen. Kantone können im Richtplan Gebiete ausscheiden, in welchen Nutzungen erlaubt werden, welche nach den Artikeln 16a und 24 ff. RPG nicht bewilligungsfähig wären. Die Richtplananpassung startet im Herbst 2026 und muss binnen fünf Jahren erfolgen. Der Gebietsansatz ist freiwillig: Die Kantone können selbst entscheiden, ob sie ihn anwenden wollen.
Neue Bestimmungen: Bauen ausserhalb der Bauzone (u. a. Vorrang der Landwirtschaft in der Landwirtschaftszone).

