«Unser Mut wurde belohnt» – Fleischrinderauktion Brunegg fast ausverkauft

Es sprach viel gegen eine Auktion: Sommerhitze, Futterknappheit, Flaute auf dem Markt. Trotzdem wurde viel gekauft, oft im Duell mit Onlinebietern. Zuvor präsentierte der Rasseclub Simmental Suisse eine Rinderschau.

Ein heisser Sommer, knappes Futter, dazu die übliche Flaute auf dem Herbstmarkt: Das OK hatte im Vorfeld lange darüber diskutiert, ob die Fleischrinderauktion in der Arena Brunegg AG in diesem Jahr überhaupt stattfinden soll. Am Ende fand Auktionator Urs Jaquemet für fast alle Tiere einen Käufer. Die Verkaufsquote lag bei 97 Prozent, im Schnitt wurden pro Los 4835 Franken bezahlt. Zahlreiche Onlinegebote sorgten für einen regen Bieterwettkampf zwischen dem Publikum in der Halle und den Interessenten zu Hause.

«Unser Mut wurde belohnt», bilanzierte OK-Präsident Fritz Jacob. Aussergewöhnlich hoch seien die Preise zwar nicht gewesen, für Käufer und Verkäufer aber fair. Viele hätten zu einem vernünftigen Preis ein gutes Tier ersteigern können. Für Jacob ist der Verlauf zudem Werbung für weitere Verkaufsaktionen.

Ein Limousin-Züchter richtet die Simmentaler

Vor der Auktion feierte der Rassenklub Simmental Suisse sein 25-Jahr-Jubiläum mit einer Rinderschau. Als Zeichen der guten Zusammenarbeit unter den Rassen richtete Limousin-Züchter Franz Burri die Tiere. Der erfahrene Schaurichter begründete seine Entscheide mit treffenden Kommentaren und gab dem Publikum dabei viel züchterisches Wissen mit.

Zur Championne kürte er Des 4 Bornes Axonne von Eric und Valérie Gerber aus Vendlincourt JU. Das grossrahmige Rind mit viel deutscher Genetik, eine Tochter des Stiers Aron, überzeugte ihn mit einem ausgewogenen Körperbau und einem bereits guten Euteransatz. Vizechampionne wurde die erst elf Monate alte La Croisee Pepita. Mütterlicherseits vereint sie schweizerische und irische Genetik, väterlicherseits deutsche und kanadische. Ihr Vater ist der in Kanada geborene Stier Worldwide. Züchter und Besitzer ist Matthias Gerber aus Mont-Tramelan BE, Präsident von Mutterkuh Schweiz.

Die Züchter der Rindergruppe 4 warten auf das Urteil von Schaurichter Franz Burri. (Bild: Mutterkuh Schweiz)

Die Rangliste der Rinder

Kategorie 1, Jungrinder bis 12 Monate: 1. Pepita, Matthias Gerber, Mont-Tramelan BE; 2. Thesi, Yvonne und Benjamin Reichen, Emdthal BE; 3. Nectarine, Fanny und Joël Habegger-Wenger, Vermes JU; 4. Nala, Fanny und Joël Habegger-Wenger, Vermes JU; 5. Kenja, Nicolas Grünenwald, Matten i. S. BE; 6. Lovely, Daniela und Patrik Birrer, Duggingen BL.

Kategorie 2, bis 22 Monate: 1. Gabriela, Beat Dietrich, Gals BE; 2. Lili, Daniela und Patrik Birrer, Duggingen BL; 3. Donau, Yvonne und Benjamin Reichen, Emdthal BE; 4. Louise, Daniela und Patrik Birrer, Duggingen BL.

Kategorie 3, bis 24 Monate: 1. Bolivie, Eric und Valérie Gerber, Vendlincourt JU; 2. Korona, Matthias Gerber, Mont-Tramelan BE; 3. Canaba, Flavio Ferrari, Strickhof Wülflingen ZH; 4. Burrata, Peter Küng, Diemtigen BE.

Kategorie 4, über 24 Monate: 1. Axonne, Eric und Valérie Gerber, Vendlincourt JU; 2. Jessica, Ueli Röthlisberger, JVA Witzwil BE; 3. Ramona, Marcel Perren, Lenk BE; 4. Erle, Matthias Gerber, Mont-Tramelan BE.

Stolze Züchter anlässlich der Fleischrinderauktion in Brunegg AG. Es gab einiges zu feiern. (Bild: Mutterkuh Schweiz)

25 Jahre Simmental Suisse: Über Umwege zur eigenen Genetik

Weltweit hat die Simmentalerin seit Langem einen hervorragenden Ruf. In der Schweiz aber stand sie für die Doppelnutzung von Milch und Fleisch, in der Fleischrinderzucht spielte sie kaum eine Rolle. Das änderte sich erst 2001, als Züchter Simmental Suisse gründeten. Die Pioniere hätten einen breiten Rücken und einen langen Atem gebraucht, sagt Florian Wenger, der den Rassenklub bis heute präsidiert. Einen Markt für Natura-Beef gab es Ende der Neunzigerjahre nicht, und die Zweinutzungskühe hatten zu wenig Fleisch und den hartnäckigen Ruf, schwer abzukalben.

Also holten die wenigen Zuchtbetriebe die Genetik über die künstliche Besamung aus dem Ausland, zusammen mit Swissgenetics und anderen KB-Organisationen. Die ersten Fleischstiere kamen aus Amerika: gross, hochbeinig und von einem Temperament, das Wenger diplomatisch als «sportlich» umschreibt. Rasch schwenkten die Züchter nach Bayern, wo man schon in den Siebzigerjahren auf natürliche Hornlosigkeit setzte.

Nach dem Mauerfall wuchsen die Mutterkuhherden auf den ehemaligen Kollektivbetrieben Ostdeutschlands rasant. Enthornen und schwere Geburten kosteten dort viel Zeit und Geld, entsprechend wurde auf Hornlosigkeit und leichte Abkalbungen gezüchtet. Davon profitierten die Schweizer, die früh auf deutsche Fleckviehgenetik setzten. Innerhalb weniger Generationen entwickelte sich die milchbetonte Original-Simmentalerin sichtbar zum Fleischrind.

Später kamen Stiere aus Dänemark, England, Irland und Südafrika dazu. Heute ist kanadische Genetik gefragt, denn Nordamerika hat sein Zuchtziel grundlegend geändert: Die Simmentalerin ist dort inzwischen mittelgross, wächst gut und hat solide Beine und Euter.

Die Mischung trägt Früchte. Die fünf meistgenutzten Simmentaler Fleischstiere der Schweiz stammen aus Schweizer Zucht. Das Zuchtziel wurde in 25 Jahren nur ein einziges Mal leicht angepasst: eine mittelgrosse, gesunde und langlebige Kuh mit hervorragenden Muttereigenschaften. Neben den Fortschritten bei der Bemuskelung punktet die Rasse heute vor allem mit hohen Tageszunahmen.

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