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Braune Buchen im Juli: Warum Waldbesitzende jetzt drei Jahre genau hinschauen sollten

Braune Kronen im Sommer sind mehr als ein Schönheitsfehler: Warum geschädigte Buchen die Waldbewirtschaftung vor neue Entscheide stellen und genaues Hinschauen erfordern.

Kurz & bündig

  • Blattverlust im Juni/Juli deutet auf starken Trockenstress und mögliche Langzeitschäden hin.
  • Geschädigte Bäume können bei fehlender Sicherheitsgefahr zunächst stehen bleiben und beobachtet werden.
  • Wiederholte Trockenschäden stellen die langfristige Eignung der Buche am Standort infrage.

Es ist Juli 2026, doch im Buchenwald fühlt es sich schon nach Herbst an. Braune Blätter lösen sich aus den Kronen und fallen zu Boden. Für einen Moment könnte man meinen, die Buche ziehe angesichts der Hitze einfach die Notbremse und verabschiede sich vorzeitig vom Sommer. Doch genau das ist bei der Buche nicht der Fall. Früher Blattfall im Juni oder Juli ist kein Schutzmechanismus, sondern ein Warnsignal: Der Wassermangel hat den Baum bereits stark belastet.

Doch was bedeutet das für den Waldbesitzer? Sofort fällen oder abwarten?

Die Antwort hängt von mehr ab als vom Zustand der Krone. Entscheidend sind der Zustand des einzelnen Baumes, die Sicherheit, die weitere Entwicklung und vor allem der Standort.

Wenn es die Umstände erlauben, kann es sinnvoll sein, eine geschädigte Buche zunächst stehen zu lassen und ihre Entwicklung über mehrere Jahre zu beobachten. Gleichzeitig lohnt sich der Blick auf den Standort: Ist die Buche hier auch unter häufigerem Trockenstress noch zukunftsfähig? Denn aus der Frage, was mit der Buche in diesem Sommer passiert ist, wird eine zweite, langfristige Frage: Soll hier auch die nächste Baumgeneration wieder aus Buchen bestehen?

Die Buche ist seit jeher ein wichtiger «Brotbaum» des Schweizer Waldes. Mit rund 19 Prozent der Stammzahl ist sie heute die zweithäufigste Baumart des Landes, auch beim Holzvorrat macht sie rund 18 Prozent aus. Ihre Bedeutung reicht damit weit über den einzelnen Bestand hinaus.

Wenn möglich abwarten und beobachten

«Wenn es die Umstände erlauben, die Buche stehen lassen und abwarten, was im Folgejahr damit passiert», sagt Frank Krumm, Forstwissenschaftler bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).

Das kann Zeit schaffen. Manche Bäume erholen sich und treiben zumindest teilweise wieder aus. Eine solche Beobachtungsphase verhindert, dass ein Bestand vorschnell umgebaut werden muss. «Eine Strategie wäre, Zeit zu gewinnen, um den Wald nicht allzu schnell neu gestalten zu müssen», sagt Krumm.

Allerdings gibt es dafür keine allgemeingültige Regel. Wer das Holz wirtschaftlich nutzen möchte, kann über eine Ernte nachdenken, solange der Baum noch Holz liefert, das sich zu einem vernünftigen Preis verkaufen lässt. Ob sich die Ernte tatsächlich lohnt, hängt auch von Holzpreis, Erntekosten und Erschliessung ab.

Sind wirtschaftliche Interessen weniger wichtig und besteht keine Gefahr für Menschen oder Infrastruktur, spricht hingegen vieles dafür, den Baum zunächst stehen zu lassen und seine Entwicklung zu beobachten.

Anders sieht es bei trockenen oder abgestorbenen Ästen aus. Sie können an Wegen, Strassen oder Aufenthaltsorten ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Eine feste Grenze nach dem Motto «Ab fünf Zentimetern Aststärke muss gefällt werden» gibt es laut Krumm nicht. Entscheidend sind unter anderem Baumstatik, Baumart, Standort und die Lage des Baumes. Wo möglich, kann auch die vorübergehende Sperrung eines Weges eine Option sein.

Die Buche jetzt beobachten

Nicht jede geschädigte Buche muss sofort gefällt werden. Aber einfach abwarten reicht ebenfalls nicht.

  1. Baum markieren: Früh geschädigte Buchen kennzeichnen, damit sie wiedergefunden werden.
  2. Krone beurteilen: Blattverlust, Kronenverlichtung und abgestorbene Kronenteile dokumentieren.
  3. Sicherheit prüfen: Trockene Äste und die Lage zu Wegen, Strassen und Gebäuden beachten.
  4. Standort beurteilen: Bodentiefe, Wasserverfügbarkeit, Exposition und weitere Standortfaktoren berücksichtigen.
  5. Entwicklung beobachten: Wenn möglich mindestens drei Jahre verfolgen, wie sich der Baum erholt oder weiter abbaut.
  6. Bewirtschaftung prüfen: Bei wiederholter oder starker Schädigung die weitere Bewirtschaftung neu beurteilen.
  7. Zukunft planen: Auf kritischen Standorten frühzeitig mit einem Förster oder einer Försterin über Verjüngung und passende Baumarten nachdenken.

Wann wird aus Beobachten ein Handeln?

Entscheidend ist nicht allein, wie die Buche in diesem Sommer aussieht, sondern wie sie sich weiterentwickelt. Ein einmaliger Blattverlust muss noch nicht das Ende des Baumes bedeuten. Kritischer wird es, wenn sich die Kronenverlichtung verstärkt, weitere Kronenteile absterben oder der Baum auch im Folgejahr nur schwach austreibt.

Bei der Buche können zudem Schleimfluss und später Borkenkäferbefall (Buchenprachtkäfer) auf eine anhaltende Schwächung hinweisen. Untersuchungen der WSL zeigen, dass sich die Folgen eines frühen Laubfalls über mehrere Jahre entwickeln können: Von den Buchen, die 2018 vorzeitig Laub verloren, waren drei Jahre später 7,2 Prozent abgestorben. Bei Bäumen ohne frühen Laubfall waren es 1,3 Prozent.

Deshalb empfiehlt Krumm, wenn es die Umstände erlauben, eine geschädigte Buche mindestens drei Jahre zu beobachten. Dabei lohnt sich besonders der Vergleich von Jahr zu Jahr: Treibt die Krone wieder aus? Stabilisiert sich ihr Zustand? Oder nimmt die Schädigung weiter zu?

Verschlechtert sich der Zustand deutlich, sollte die weitere Bewirtschaftung neu beurteilt werden. Auch ein Sicherheitsrisiko durch abgestorbene Äste kann dabei ausschlaggebend sein.

Anfang Juli 2026 hat diese Buche ihr Laub bereits weitgehend abgeworfen. Ein sichtbares Zeichen von Trockenstress. Daneben: vitale Spitzahorne und Eschen. (Bild: WSL / Frank Krumm)

Warum ist die Buche überhaupt so empfindlich?

Dass die Buche auf Trockenheit mit frühem Blattverlust reagiert, hat mit ihrer besonderen Strategie zu tun. Die Baumart ist an Konkurrenz um Licht angepasst und kann im geschlossenen Wald lange mit wenig Licht auskommen. Dafür investiert sie stark in die Bildung und Erhaltung ihrer Krone.

Was ihr fehlt, ist eine ausgeprägte hydraulische Sicherheitsreserve. Andere Baumarten können bei Trockenheit gewissermassen zuerst ihre Blätter oder Blattstiele opfern und damit das empfindlichere Wasserleitsystem schützen.

Bei der Buche liegen die kritischen Wasserpotenziale von Blattstielen und Stamm dagegen relativ nahe beieinander. Wenn eine Buche im Juli bereits Laub verliert, ist deshalb nicht einfach nur die Krone betroffen. Auch das Wasserleitsystem kann bereits geschädigt sein.

Der frühe Blattfall ist damit weniger eine Notbremse als ein sichtbares Zeichen dafür, dass der Baum bereits stark unter Trockenstress steht.

Das Problem endet nicht nach einem Sommer

Was im Juli sichtbar wird, ist nur die Spitze des Problems. Entscheidend ist, was die Trockenheit im Inneren des Baumes ausgelöst hat und welche Folgen daraus für die kommenden Jahre entstehen.

Weniger Kohlenstoff: Fällt das Laub bereits im Juli, stehen für acht bis zwölf Wochen weniger Blätter für die Photosynthese zur Verfügung. Das kann die Bildung von Reservestoffen beeinträchtigen, die der Baum für den Austrieb im nächsten Frühjahr und für den Aufbau von Feinwurzeln benötigt.

Verlust von Nährstoffen: Bei einer kontrollierten Alterung der Blätter kann der Baum Stickstoff und Phosphor teilweise zurückholen, bevor das Laub abgeworfen wird. Werden Blätter dagegen durch Hitze und Trockenheit geschädigt, funktioniert diese Rückgewinnung schlechter. Mit dem Laub können mehr Nährstoffe verloren gehen.

Geschädigte Wasserleitung: Starker Wassermangel kann Luft in die Wasserleitungsbahnen bringen und deren Funktion dauerhaft beeinträchtigen. Nicht alle geschädigten Leitungsbahnen stehen in der nächsten Vegetationsperiode wieder zur Verfügung. Der Baum startet dann mit einer kleineren Krone und einer geringeren hydraulischen Reserve in die nächste Trockenperiode.

Sekundärschäden: Ein geschwächter Baum kann Schäden schlechter abwehren. Borkenkäfer, andere Holz- und Rindeninsekten oder Pilze können diese Schwäche ausnutzen. Solche Folgeschäden müssen nicht im selben Sommer sichtbar werden, sondern können sich auch erst ein bis drei Jahre später zeigen.

Der braune Baum im Juli ist deshalb nicht automatisch ein Fällgrund. Er ist ein Anlass, genauer hinzuschauen.

Querschnitt eines Buchenastes. Die blau eingefärbten Gefässe sind noch intakt, andere Wasserleitgefässe des Astes sind bereits geschädigt. (Bild: WSL / Lorenz Walthert)

Der zweite Blick: Den Standort einbeziehen

Ob eine Buche mit zunehmender Trockenheit zurechtkommt, hängt nicht nur vom einzelnen Baum, sondern auch vom Standort ab. Entscheidend ist vor allem, wie viel nutzbares Wasser der Boden speichern kann.

Günstig für die Buche sind tiefgründige, gut wasserversorgte Böden, in denen auch nach längeren Trockenperioden noch Wasser verfügbar ist.

Kritischer sind flachgründige oder trockene Böden, exponierte Hänge und Standorte mit geringer Wasserspeicherung. Hier trocknet der Boden schneller aus und die Buche erreicht bei Hitze eher ihre Belastungsgrenze.

Zeigen Buchen auf einem solchen Standort wiederholt Kronenschäden und frühen Laubfall, sollte deshalb nicht nur die Erholung der einzelnen Bäume beobachtet werden. Es stellt sich auch die Frage, ob die Buche hier langfristig noch die richtige Baumart ist.

Für die Beurteilung helfen neben Bodeneigenschaften und Wasserverfügbarkeit auch Kenntnisse über die künftige Klimaentwicklung. Klimamodelle können Hinweise darauf geben, wie sich die Bedingungen eines Standorts in den kommenden Jahrzehnten verändern könnten.

Praktischer Tipp: Wer über Verjüngung oder einen Waldumbau nachdenkt, sollte den Standort gemeinsam mit der zuständigen Försterin oder dem zuständigen Förster beurteilen. Dabei können Boden, Wasserverfügbarkeit, bestehender Baumbestand und die erwartete Klimaentwicklung berücksichtigt werden.

Welche Baumarten passen zum Standort?

Wenn die Buche an einem Standort zunehmend an ihre Grenzen kommt, stellt sich die nächste Frage: Welche Baumarten können mit den künftigen Bedingungen besser zurechtkommen?

(Bild: privat)

«Diversität im Wald ist das Gebot der Stunde.»

Dr. Frank Krumm, Co-Leiter Forschungsgruppe Ökosystem-Ökologie, WSL

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Entscheidend sind unter anderem Wasserverfügbarkeit, Bodentiefe, Nährstoffversorgung, Exposition und Höhenlage. Auch die bereits vorhandene Naturverjüngung kann Hinweise darauf geben, welche Baumarten mit den örtlichen Bedingungen gut zurechtkommen.

An trockeneren Standorten können beispielsweise Eichenarten, Waldföhre oder Elsbeere interessant sein. Bei frischeren und nährstoffreicheren Standorten kommen je nach Region auch Spitzahorn, Bergahorn oder andere Laubbaumarten infrage. Welche Arten tatsächlich geeignet sind, muss jedoch für den konkreten Standort beurteilt werden.

Dabei müssen geeignete Baumarten nicht unbedingt neu gepflanzt werden. Sind sie bereits im Bestand oder in der Naturverjüngung vorhanden, können sie gezielt anstelle der häufig dominanten Buchenverjüngung gefördert werden.

Gerade bei Standorten, an denen die Buche wiederholt unter Trockenstress leidet, kann es sinnvoll sein, diese Entwicklung frühzeitig zu berücksichtigen. So muss der Waldumbau nicht erst beginnen, wenn die Buchen bereits stark geschädigt sind.

Praktischer Tipp: Bei einer geplanten Verjüngung lohnt es sich, frühzeitig die Försterin oder den Förster einzubeziehen. Gemeinsam lässt sich prüfen, welche Baumarten zum Standort passen, mit Trockenheit besser zurechtkommen und eine vielfältige Mischung bilden. Unterstützung bietet dabei die Tree-App der WSL: Sie beurteilt Waldstandorte und empfiehlt passende Baumarten für heutige und zukünftige Klimabedingungen. Denn Waldumbau bedeutet nicht einfach, die Buche zu ersetzen, sondern einen vielfältigen und standortgerechten Bestand für die Zukunft zu schaffen.

Die Zukunft der Buche entscheidet sich am Standort

Die Buche wird nicht plötzlich zum Sorgenkind. Doch ihr bisheriger Platz im Wald steht zur Diskussion. Entscheidend ist künftig, wo die Buche noch gute Bedingungen findet und wo andere Baumarten besser zum Standort passen. Was mit braunen Blättern im Juli beginnt, führt damit zu einer grösseren Frage des Waldbaus: Welcher Wald passt zu den Bedingungen von morgen?

Frank Krumm betont die Bedeutung der Baumartenvielfalt beim Waldumbau: «Diversität ist das Gebot der Stunde.» Eine möglichst grosse Vielfalt erhöhe die Chance, dass künftig geeignete Baumarten vorhanden sind. Dabei gehe es nicht nur um Hitze- und Trockentoleranz, sondern auch um die Ungewissheit hinsichtlich künftiger Schädlinge und Krankheiten. Vielfalt könne für Waldbesitzende deshalb auch als eine Art Versicherung dienen.

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