Lohnt sich ein Harvester auch im kleinparzellierten Privatwald? «Ja», sagt Holger Griess. Forstunternehmen böten die Holzernte mit dem Harvester als Dienstleistung an und könnten auch bei der Planung helfen. Entscheidend sei, dass Waldeigentümer sich mit ihren Nachbarn zusammenschliessen und die Arbeiten gemeinsam in Auftrag geben. «So lassen sich die Maschineneinsätze über Parzellengrenzen hinweg organisieren und die Kosten für Antransport und Vorbereitung auf eine grössere Holzmenge verteilen», sagt der Dozent für forstliche Verfahrenstechnik im Fachbereich Waldwissenschaften der HAFL in Zollikofen BE. Damit könne der Harvester auch auf kleinen Parzellen wirtschaftlich werden. Erste Anlaufstelle sei der örtlich zuständige Forstdienst. Er berate zur gemeinsamen Holzernte und vermittle geeignete Kontakte.
Etabliert, aber nicht gezählt
Wie viele Harvester in der Schweiz im Einsatz sind, lässt sich nicht beziffern. Eine belastbare aktuelle Gesamtzahl lasse sich mit den verfügbaren Daten nicht angeben, sagt Griess. Fest steht für ihn: «Harvester sind heute ein etabliertes Arbeitsmittel der Schweizer Waldwirtschaft, besonders in gut erschlossenen und befahrbaren Wäldern.» Eingesetzt würden sie sowohl in der Waldpflege als auch bei der Holzernte.
Die Hangneigung entscheidet nicht allein
Harvester könnten in unterschiedlichen Wäldern und Geländelagen wirtschaftlich arbeiten, sagt Griess. Technische Weiterentwicklungen erweiterten ihre Einsatzmöglichkeiten auch in steileren Lagen. Welche Maschine geeignet ist und wann sie fahren kann, hänge vom Gelände ab, von den Bäumen, vom Boden und von der Witterung. Dabei würden die Sicherheitsvorgaben und die Einsatzgrenzen der Maschine berücksichtigt. «Die Hangneigung allein entscheidet deshalb nicht über das geeignete Verfahren», sagt Holger Griess. Auch Laubholz lasse sich maschinell aufarbeiten. Maschine und Arbeitsweise würden dafür auf die Grösse und die Wuchsform der Bäume abgestimmt.
Im steilen Gelände ist der Seilkran das Standardverfahren. Er könne aber auch im Flachland die bessere Wahl sein, nämlich wenn der Boden wenig trägt. «Das Holz wird am Seil transportiert, ohne dass Maschinen den Bestand befahren müssen.» Wo es die Situation verlange, ergänze die Motorsäge die maschinellen Verfahren. «Entscheidend ist eine auf den jeweiligen Holzschlag abgestimmte Kombination», ergänzt Holger Griess.
Gewicht verteilen, Gassen planen
Der Bodenschutz beginnt laut Griess schon bei der Konstruktion. Moderne Harvester hätten Fahrwerke, die das Maschinengewicht auf eine möglichst grosse Aufstandsfläche verteilen. Für den konkreten Einsatz werde die Maschine passend zu Boden und Gelände ausgewählt. Ebenso wichtig seien fachgerecht geplante und angelegte Rückegassen. Gefahren werde erst, wenn der Boden genug trage. Waldeigentümer schaffen gute Voraussetzungen, wenn sie die Holzernte frühzeitig mit dem Forstdienst und dem Forstunternehmen absprechen.
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Mit welchen Kosten pro Kubikmeter Waldbesitzer rechnen müssen, lässt sich nicht pauschal sagen. Unter geeigneten Bedingungen habe der Harvester wirtschaftliche Vorteile, sagt Griess. Er fälle den Baum, entferne die Äste und schneide den Stamm zu, alles in einem abgestimmten Arbeitsablauf. Für eine verlässliche Kostenangabe müsse aber der konkrete Holzschlag bekannt sein. Den Aufwand bestimmten die Grösse der Bäume, die Holzmenge, das Gelände und die Transportdistanz. Aussagekräftig werde ein Vergleich erst mit einem konkreten Angebot. «Dabei müssen dieselben Leistungen enthalten sein, beispielsweise alle Arbeiten vom Fällen bis zum Bereitstellen des Holzes an der Waldstrasse.»
Neben der Wirtschaftlichkeit nennt Griess die Arbeitssicherheit als entscheidenden Vorteil. Wer den Harvester bedient, fällt und verarbeitet die Bäume aus einer geschützten Kabine heraus. «Dieser besonders sichere Arbeitsplatz bietet zugleich eine deutliche körperliche Entlastung gegenüber den entsprechenden Arbeiten mit der Motorsäge», erklärt Holger Griess.
Was der Diesel ausmacht
Hersteller werben zunehmend mit Motoren, die weniger Treibstoff verbrauchen. Welchen Anteil der Diesel an den Gesamtkosten einer Holzernte hat, hängt laut Griess vom Verfahren und von den Einsatzbedingungen ab. Ein tieferer Verbrauch senke die laufenden Kosten. Daneben fielen aber vor allem das Personal, die Anschaffung und der Unterhalt der Maschinen ins Gewicht. Wie viel sich sparen lasse, hänge auch vom Dieselpreis ab. Besonders hilfreich sei der Verbrauch pro geerntetem Kubikmeter Holz, weil er den Verbrauch ins Verhältnis zur erbrachten Leistung setze. «Ein sparsamer Antrieb und eine gute Einsatzorganisation ergänzen sich dabei.»
Hybrid, Assistenz, Automatisierung
In der Forschung an der HAFL würden bestehende Technologien laufend weiterentwickelt und neue Konzepte untersucht, sagt der Dozent für forstliche Verfahrenstechnik. Dazu gehörten Hybridantriebe, Systeme, die die Bedienpersonen unterstützen, und die Automatisierung einzelner Arbeitsschritte. Ziel sei, den Energieverbrauch zu senken, die Mitarbeitenden zu entlasten und sicheres, präzises Arbeiten zu fördern. Mit Blick auf den Fachkräftemangel seien das wichtige Entwicklungen. Welche Neuerungen sich am Markt durchsetzen, hänge davon ab, wie sich Anforderungen und Rahmenbedingungen verändern und was sich in der Praxis bewähre. «Ich bin zuversichtlich, dass wir in der forstlichen Verfahrenstechnik passende technologische Lösungen für die unterschiedlichen Herausforderungen der Waldwirtschaft entwickeln können», schliesst er.

