Migros-Chef Irminger geht: «Für den weiteren Weg braucht es andere Persönlichkeiten»

Die zehn regionalen Migros-Genossenschaften und der Migros-Genossenschafts-Bund sollen zu einer Gruppengenossenschaft verschmelzen. Nach der Urabstimmung im Sommer 2027 geben Mario Irminger und Supermarkt-Chef Peter Diethelm ihre Funktionen ab.

«Wir haben eine neue Migros erschaffen, ohne ihren Charakter und ihre Tradition zu zerstören.» Mit diesem Satz begründete Mario Irminger, Präsident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB), am Montag in Bern BE seinen Rücktritt. Für den weiteren Weg brauche es andere Persönlichkeiten. Irminger und Peter Diethelm, CEO der Migros Supermarkt AG, geben ihre Funktionen auf den Zeitpunkt der Urabstimmung im Sommer 2027 ab. Der Prozess zur Besetzung der beiden Positionen ist bereits angelaufen.

Der Abgang der beiden Manager ist die personelle Seite eines Umbaus, den die Migros selbst als historisch bezeichnet: Aus elf Genossenschaften soll eine werden.

Elf Präsidenten vor der Kamera

Die Medienkonferenz in der Welle7 beim Bahnhof Bern war kurzfristig angekündigt worden, die Inszenierung sorgfältig: Elf Migros-Körbe standen im Bild, dahinter erstmals alle elf Präsidentinnen und Präsidenten der Genossenschaften gemeinsam vor der Kamera.

«Heute ist ein historischer Tag», eröffnete Ursula Nold, Präsidentin der MGB-Verwaltung. «Es geht um die Migros der Zukunft.» Letztes Jahr habe man 100 Jahre Migros gefeiert, ein Jahrhundert im Dienst der Bevölkerung mit fairen Preisen und gesellschaftlichem Engagement. Nun stelle man die Weichen neu. «Wir brauchen die besten Menschen, wir brauchen eine Organisation, die Kräfte bündelt.» Die Migros handle aus einer Position der Stärke heraus.

Die künftige Struktur ist schlank: Unter den rund 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschaftern steht die Migros-Gruppengenossenschaft, darunter sieben strategische Geschäftseinheiten: Migros Supermarkt AG, Denner, Migrolino und Migrol, die Migros Industrie, Digitec Galaxus, Medbase sowie die Migros Bank. «Einfacher als je zuvor», heisst es auf der Präsentationsfolie.

Nähe statt Strukturen

Eine Abkehr von den genossenschaftlichen Werten sei das nicht, betonte Nold, im Gegenteil: Der genossenschaftliche Gedanke werde gestärkt. Parallelstrukturen sollen abgebaut und Investitionen dort ermöglicht werden, wo sie für die Kundschaft den grössten Nutzen schaffen. Die Regionalität bleibe erhalten, allerdings nicht durch Strukturen, sondern durch die Nähe zu den Menschen. Einmal sprach Nold dabei von den «Religionen», gemeint waren die Regionen.

Solche Veränderungen könnten verunsichern, räumte die Präsidentin ein. Für die meisten Mitarbeitenden werde sich aber nichts ändern, betroffen seien vor allem die Verwaltungen und das Management. Laut Mitteilung soll es in den Regionalgenossenschaften bis mindestens Mitte 2028 keine organisationsbedingten Entlassungen geben.

Das letzte Wort haben die Genossenschafterinnen und Genossenschafter. Erst nach der Urabstimmung in allen Genossenschaften tritt die neue Gruppengenossenschaft in Kraft. Man werde ihnen die nötigen Grundlagen für den Entscheid liefern, versprach Nold. Sie müssten verstehen, dass ihre Rolle gestärkt werde: «Ihnen gehört künftig ein Teil der Migros-Gruppe.»

Einstimmigkeit als Leitmotiv

Danach kamen die Präsidentinnen und Präsidenten der Genossenschaften zu Wort, einer nach dem anderen. Die Voten glichen sich bis in die Wortwahl: Doppelspurigkeiten abbauen, sich auf die Kundinnen und Kunden konzentrieren, der Migros Kraft und Flexibilität geben und dabei ihre Identität bewahren. Das meistgenannte Wort war «einstimmig». Die neue Struktur respektiere die regionale Identität, man stehe mit Überzeugung hinter dem Projekt. Der Begriff Landwirtschaft fiel erstmals und schliesslich einzig beim Ostschweizer Präsidenten Nicolò Paganini.

Guido Rast, Verwaltungsratspräsident der Migros Supermarkt AG, zeigte sich stolz, dass der Entscheid einstimmig gefallen sei. Das sei ein starkes Zeichen.

Stabübergabe nach der Urabstimmung

Dann trat Mario Irminger vor die Medien. «Ich bin überzeugt, dass es der richtige Entscheid ist, Mitte Jahr den Stab weiterzugeben», sagte er. Er und Peter Diethelm würden nächstes Jahr beide 62. Für die nächste Phase brauche es jüngere Leute. Bis zur Urabstimmung würden sich beide mit ganzer Überzeugungskraft für den Umbau einsetzen. Irminger sprach von einem «epochalen Entscheid».

Die Strukturen seien für die Herausforderungen der Zukunft zu komplex geworden, sagte Irminger. Die Migros brauche eine Organisation, die schneller agieren und dadurch innovativer handeln könne, mit kürzeren Entscheidungswegen und einer stärkeren gemeinsamen Ausrichtung. Künftig soll es sechs Regionalräte geben. «Eine stärkere Migros für die Schweiz», fasste er zusammen.

Konkrete Zahlen blieb Irminger schuldig. Auf die Fragen nach Stellenabbau, finanziellen Vorteilen und dem Nutzen für die Kundschaft konnte er noch keine präzise Antwort geben. Zuerst brauche es die Urabstimmung in allen Genossenschaften, danach müsse die neue Struktur mit Leben gefüllt werden. Stellenabbau wolle man nicht, wurde aber mehrfach betont.

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