Trotz Preisdruck: PRE Bio-Gemüse Seeland sucht neue Absatzkanäle

Mit Kantinen, Heimen und neuen Verwertungen für nicht normgerechtes Gemüse will das Projekt «Regionale Entwicklung» die Wertschöpfung sichern.

Wer geschlossen und als Einheit auftritt, der erreicht mehr als ein Einzelner. Dieser Meinung ist Michael Brönnimann, Geschäftsführer des Trägervereins des Projekts Regionale Entwicklung (PRE) Bio-Gemüse Seeland. Das PRE (siehe Kasten), das Ende des nächsten Jahres ausläuft, sei auf gutem Wege.

Gemeinsam ein breiteres Sortiment anbieten

Bei einem Rundgang durch die Verpackungshalle der Bio-Produzentenorganisation Terraviva in Kerzers FR macht Brönnimann deutlich, dass die Sicherstellung von Lieferungen ein Vorteil der Einheit sei. «Durch die Bündelung mehrerer Produzenten können grössere Mengen und ein breiteres Sortiment angeboten und die Lieferfähigkeit deutlich erhöht werden. Wenn ein Lieferant ein vom Abnehmer angefragtes Produkt nicht liefern kann, besteht die grosse Chance, dass es ein anderer liefern kann», erklärt der Geschäftsführer.

Für Michael Brönnimann ist klar, dass ein Zusammenschluss von Gemüseproduzenten bei der Vermarktung mehr erreichen kann als ein Einzelner. (Bild: Andrea Wyss)

Seit seinem Amtsantritt Ende des letzten Jahres hat Michael Brönnimann unter anderem daran gearbeitet, den Nutzen des PRE für die Biogemüseproduzenten zu erhöhen. Das scheint bislang zu gelingen. So habe er etwa erreicht, dass Beschlüsse zeitgerechter gefasst werden können und die Kommunikation regelmässiger stattfindet.

Eine Frage des Preises

Die Biogemüseproduzenten bewegen sich in einem wirtschaftlich schwierigen Marktumfeld. «Das Einkaufsverhalten hat sich seit Projektstart verändert. Nachdem während der Corona-Zeit starkes Interesse an regionalen und direkten Absatzkanälen bestand, ist heute wieder eine stärkere Preissensibilität spürbar», erklärt er.

Zudem wird öfter in Grossverteilern eingekauft und weniger in Hofläden. Und nicht zuletzt spüren die Biogemüseproduzenten den Preisdruck aus dem Ausland. «Die Dachmarke ‹Passion Seeland bio:logique› soll zeigen, was das Seeland an Bioprodukten zu bieten hat, und deren Absatz stärken», sagt Brönnimann.

Das ist das PRE Bio-Gemüse Seeland

Das Projekt «Regionale Entwicklung (PRE) Bio-Gemüse Seeland» verfolgt das Ziel, Biogemüse im Seeland entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Anbau bis zur Vermarktung zu stärken. Die Bekanntheit des Biogemüses aus dem Seeland soll über die Grenzen der Region hinaus gefördert, die Biogemüseproduktion und der Tourismus im Seeland gestärkt werden, heisst es auf der Website. Im Kanton Freiburg ist das PRE Bio-Gemüse das erste derartige Projekt. Nach mehrjähriger Vorbereitung startete es im November 2021 in die sechsjährige Umsetzungsphase. Im Rahmen des Projekts wurde die Dachmarke «Passion Seeland bio:logique» geschaffen. Sie vereint verschiedene Akteure der Biogemüsebranche und Winzer im Seeland sowie Produzentinnen von weiteren Bioprodukten.

Dazu trägt der Anlass «Gmüestag», der heuer zu den «Bio-Days» umfunktioniert wurde, wesentlich bei. Dabei konnten der Betrieb Terraviva und der ganze Verarbeitungsprozess, bis der Salat und das Gemüse zu den Läden transportiert werden können, besichtigt werden – etwas, das sehr gefragt war. Michael Brönnimann berichtet von Besucherinnen, die sich beeindruckt zeigten und betonten, dass sie einiges gelernt hätten. Und er erklärt: «Sie sahen hier Verpackungen, die sie auch schon im Laden gekauft hatten. Dieser Wiedererkennungswert kann dazu beitragen, dass beim nächsten Einkauf bewusster auf die Herkunft der Produkte geachtet wird.»

«Potenzial sehen wir unter anderem in der Gemeinschaftsgastronomie, etwa bei Kantinen oder Heimen.»

Michael Brönnimann vom PRE Bio-Gemüse Seeland sucht nach neuen Absatzkanälen.

Neben den bestehenden Absatzkanälen will das PRE weitere Vermarktungsmöglichkeiten erschliessen. «Wir arbeiten intensiv an neuen Absatzkanälen. Potenzial sehen wir unter anderem in der Gemeinschaftsgastronomie, etwa bei Kantinen oder Heimen», erklärt Michael Brönnimann. Gerade bei Bio sei dort der Preis allerdings eine Herausforderung. Parallel dazu sucht das PRE nach zusätzlichen Verwertungsmöglichkeiten für Biogemüse, das aufgrund von Form, Grösse oder saisonalen Überschüssen über die klassischen Absatzkanäle nur eingeschränkt vermarktet werden kann.

Forschung und Beratung einbeziehen

Zum PRE gehört auch die Inno-Plattform Bio GmbH. Sie unterstützt die Bioproduzenten bei Herausforderungen im Anbau und agiert als Schnittstelle zwischen Produzenten, Forschung und Beratung. Sie sucht nach alltagstauglichen Lösungen und hat etwa Material erstellt, mit dem anderssprachige Mitarbeiter(innen) im Bereich Hygiene und Sicherheit geschult werden können. Die Plattform arbeitet gemeinsam mit den Produzenten daran, Anbaumethoden und Kulturen an veränderte klimatische Bedingungen anzupassen und gleichzeitig neue Marktbedürfnisse frühzeitig zu erkennen.

Zeit nach dem Projektende

Nun kommt das Ende der Projektdauer langsam in Sicht. «Wir haben im PRE bereits einiges aufgebaut. In der verbleibenden Projektzeit geht es jetzt primär darum, daraus möglichst viel nachhaltige Wirkung und zusätzliche Wertschöpfung für die Produzenten zu erzielen», betont Michael Brönnimann. Das bedeutet, dass ein Modell definiert werden muss, wie die Zusammenarbeit künftig aussehen soll. «Klar ist, dass die mit dem PRE aufgebauten Strukturen und Leistungen nicht einfach mit Projektende verschwinden sollen. Welche Aufgaben künftig zentral koordiniert werden müssen und welche Organisationsform dafür die richtige ist, klären wir derzeit gemeinsam», verrät er. Eines ist klar: Die Arbeit geht dem Geschäftsführer so schnell nicht aus.

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