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E. coli im Legehennenstall: Eine häufig unterschätzte Herausforderung

E.-coli-Infektionen zählen zu den häufigsten bakteriellen Erkrankungen in der Geflügelhaltung. Im Herbst steigt das Risiko. Entscheidend sind ein konsequentes Stall- und Gesundheitsmanagement sowie eine frühzeitige Diagnostik.

Kurz & bündig

  • E.-coli-Infektionen treten bei Legehennen meist als Sekundärinfektionen auf, wenn Stress, andere Krankheitserreger oder ungünstige Umweltbedingungen die Tiere schwächen.
  • Die Symptome können von Eileiterentzündungen bis hin zu lebensbedrohlichen systemischen Infektionen reichen.
  • Wichtig für die Vorbeugung sind unter anderem eine konsequente Stallhygiene, ein stabiles Stallklima sowie die Vermeidung von Stresssituationen.

Infektionen mit Escherichia coli (E. coli) gehören zu den häufigsten bakteriellen Erkrankungen in der Geflügelhaltung und verursachen erhebliche wirtschaftliche Schäden. Besonders in Legehennenbeständen treten E.-coli-Infektionen regelmässig auf und führen zu Leistungseinbussen, erhöhter Sterblichkeit sowie zusätzlichen Behandlungskosten.

Dabei handelt es sich nur selten um eine primäre Erkrankung. In den meisten Fällen nutzt das Bakterium bereits bestehende Schwächen des Organismus aus und tritt als sogenannte Sekundärinfektion auf. Stress, andere Krankheitserreger oder ungünstige Umweltbedingungen bereiten dabei ideale Bedingungen für eine Erkrankung.

Warum E. coli besonders im Herbst zum Problem wird

Mit dem Übergang vom Sommer zum Herbst verändern sich die Bedingungen im Stall deutlich. Sinkende Aussentemperaturen, höhere Luftfeuchtigkeit, Anstieg von Staub und Ammoniak in der Stallluft, feuchte Einstreu und verschmutzte Bereiche erhöhen den Keimdruck und belasten die Tiere und ihre Atemwegsschleimhäute. Dadurch steigt das Risiko für bakterielle Sekundärinfektionen.

E. coli kommt natürlicherweise im Darm von Geflügel vor und ist in der Umwelt weitverbreitet. Allerdings existieren spezielle, das Geflügel krank machende Stämme dieses Bakteriums, die als aviär pathogene Escherichia coli (APEC) bezeichnet werden. Diese Erreger verfügen über besondere Virulenzfaktoren und Toxine, die ihnen ermöglichen, Krankheiten auszulösen. Während sie bei Embryonen und Küken teilweise hohe Verluste verursachen können, führen sie bei Legehennen vor allem zu sekundären Erkrankungen verschiedener Organsysteme. Alle Nutzgeflügelarten können betroffen sein.

Da die Erreger nahezu überall vorkommen, können sowohl Tiere als auch Menschen, Geräte, Einstreu oder Wildvögel zur Verbreitung beitragen. Besonders Freilandhaltungen sind aufgrund des stärkeren Kontakts zur Umwelt einem erhöhten Infektionsdruck ausgesetzt.

Sehr unterschiedliche Symptome und Krankheitsbilder

Die durch APEC verursachten Erkrankungen können sehr unterschiedliche Krankheitsbilder zeigen. Grundsätzlich wird zwischen lokalen Infektionen und systemischen Erkrankungen unterschieden.

Zu den häufigsten lokalen Erkrankungen zählt die Eileiterentzündung bei Legehennen. Diese gilt als eine typische Folgeschädigung einer E.-coli-Infektion und kann die Legeleistung erheblich beeinträchtigen. Darüber hinaus können Entzündungen der Haut, des Unterhautgewebes oder der Fussballen auftreten. Bei Küken stehen vor allem Dottersackinfektionen im Vordergrund. Schafft es das Bakterium, in die Blutbahn zu gelangen, entsteht eine sogenannte Septikämie, die zu einer systemischen Infektion führt.

Systemische Infektionen sind gefährlicher, weil die Bakterien über die Blutbahn in andere Organe gelangen. Die betroffenen Tiere zeigen häufig Mattigkeit, Leistungseinbrüche, Atembeschwerden und erhöhte Mortalitätsraten. Diese sogenannte Coliseptikämie kann innert kürzester Zeit zum Tod führen.

Fibrinöse Oophoritis (Eierstockentzündung) durch E. coli: Der infizierte Eierstock ist von einer Schicht aus Fibrin (Faserstoff) bedeckt. (Bild: Gallivet)

Rasche Bestimmung der Erreger

Die Diagnose erfolgt meist durch die Untersuchung verendeter Tiere. Bereits bei der Sektion lassen sich oft typische Veränderungen erkennen. Aus den betroffenen Organen können die Bakterien im Labor angezüchtet und eindeutig identifiziert werden.

Moderne Diagnoseverfahren ermöglichen eine rasche Bestimmung der Erreger. Zusätzlich kann eine weiterführende Typisierung der nachgewiesenen E.-coli-Stämme sinnvoll sein. Diese liefert wichtige Informationen für betriebsindividuelle Präventionsstrategien und kann als Grundlage für die Herstellung stallspezifischer Impfstoffe dienen.

Eine antibiotische Behandlung ist nur nach vorliegendem Resistenztest (Antibiogramm) sinnvoll. Bei Coliseptikämien oder Eileiterentzündungen kann der Therapieerfolg eingeschränkt sein. Antibiotika können helfen, die akute Infektion zu kontrollieren, lösen aber das Grundproblem im Bestand nicht.

Prävention steht im Mittelpunkt

Da E.-coli-Erkrankungen häufig als Folge anderer Belastungen auftreten, kommt der Vorbeugung eine zentrale Bedeutung zu. Ein gutes Hygiene- und Gesundheitsmanagement bildet die wichtigste Grundlage für die Krankheitskontrolle.

Entscheidend sind:

  • Eine konsequente Stallhygiene: saubere Legenester, bei hohem Druck Legenester desinfizieren, Kotansammlung möglichst reduzieren.
  • Die frühzeitige Behandlung anderer Erkrankungen.
  • Die Kontrolle des Milbenbefalls: Milben bei hohem Druck bekämpfen.
  • Die Vermeidung von Stresssituationen: Zehen-/Federpicken frühzeitig erkennen und Massnahmen ergreifen, ruhiger Umgang mit den Tieren.
  • Ein stabiles Stallklima mit guter Luftqualität: ausreichend Belüftung, hohe Staub- und Ammoniakbelastung vermeiden, Zugluft und kalte Fallwinde verhindern, Temperatur möglichst konstant halten.
  • Trinkwasserqualität sichern: Leitungen regelmässig spülen, Verunreinigung durch Kot vermeiden.
  • Darmgesundheit fördern: ausgewogene Fütterung, Darmflora stabilisieren mittels Ansäuerung des Tränkewassers und Verabreichung von Probiotika.

Zusätzlich können nach genauer Erregerbestimmung stallspezifische Impfstoffe eingesetzt werden. Da sich die vorkommenden E.-coli-Stämme im Laufe der Zeit verändern können, ist eine regelmässige Kontrolle der Bestände notwendig, um Impfstrategien bei Bedarf anzupassen.

Komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren

E.-coli-Infektionen im Legehennenstall sind meist kein isoliertes Gesundheitsproblem, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Risikofaktoren. Besonders im Herbst führen Klimawechsel, erhöhte Feuchtigkeit, Stress und andere Krankheitserreger zu einer erhöhten Anfälligkeit der Tiere.

Erfolgreiche Präventionsstrategien basieren daher auf einer Kombination aus konsequenter Biosicherheit, optimalem Stallmanagement, guter Tiergesundheit und regelmässigem Monitoring. Betriebe, die diese Faktoren im Blick behalten, können die Gesundheit ihrer Herden nachhaltig verbessern und gleichzeitig ihre Wirtschaftlichkeit sichern.

Viviane Geiser arbeitet als Geflügeltierärztin bei Gallivet.

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