Die letzten Wochen haben es wieder gezeigt, wie schon die Vorjahre: Die Hitzetage nehmen zu, die Trockenheit über längere Zeit ebenfalls, und wenn es regnet, dann heftig. Für viele Landwirtschaftsbetriebe wird die Wasserversorgung für Pflanzen und Tiere zunehmend zu einer Herausforderung. Nicht nur auf Alpen, sondern auch in vielen Gemeinden im Talgebiet wird die Wasserversorgung während der Sommermonate eng, sodass Bewässerungsverbote ausgesprochen werden müssen.

Mehr Schäden wegen Starkregen
Das Regenwasser vermehrt in den Böden zu speichern und das Abfliessen zu verlangsamen, das ist das Ziel des Projekts «Slow Water – Wasserretention im Kulturland». Dies auch wegen der zunehmenden Starkregenereignisse, mit Erosion fruchtbarer Böden oder Schäden an Infrastrukturen aufgrund der hohen Wasserabflüsse. Das Ressourcenprojekt der beiden Kantone Baselland und Luzern startete 2024 und dauert bis 2029, danach folgt noch ein Wirkungsmonitoring bis 2031.
Die Projektkosten liegen bei rund 4,5 Mio. Franken, daran beteiligt sich der Kanton Luzern über die acht Jahre mit 0,5 Mio. Franken.
In zwei Pilotregionen im Baselbiet und im Kanton Luzern werden mit interessierten Landwirten betriebsindividuelle, einzugsgebietsbezogene Retentionsstrategien in Zusammenarbeit mit den Gemeinden entwickelt, wie es im Projektbeschrieb heisst.
Es brauche künftig Lösungen, um das Regenwasser besser zu nutzen, die Ertragsfähigkeit in der Landwirtschaft zu sichern und die Trinkwasserversorgung in den Gemeinden sicherzustellen. Im Kanton Luzern sind es die Gemeinden Luthern, Willisau, Hergiswil, Menznau, Romoos und Reiden.
Dort werden Massnahmen gefördert wie Retentionsteiche, Versickerungsgräben oder ‑mulden sowie die Regenwassersammlung von Gebäuden. Unterstützung gibt es auch für sogenannte Keylines, das sind Versickerungsgräben entlang der Geländekonturen, oder für den Humusaufbau, die Anlage von Hecken, Agroforst, Obstgärten oder schonende Bodenbearbeitung.

Die Beteiligung der Landwirtschaftsbetriebe im Luzerner Perimeter sei sehr hoch, sagt Thomas Meyer von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald. In den ersten zweieinhalb Jahren hätten 110 Landwirtinnen und Landwirte Interesse an einer Beratung angemeldet. «Das sind 20 Prozent aller Betriebe im Perimeter und doppelt so viele, wie wir erwartet haben», freut sich Meyer.
80 Retentionsstrategien seien bereits erarbeitet worden und 57 Betriebe hätten eine Vereinbarung zur Umsetzung unterzeichnet. Auf 27 Betrieben wurde mit der Umsetzung schon begonnen, und auf vier Betrieben sind die Massnahmen bereits abgeschlossen.
Gefragte Versickerungsgräben
Am häufigsten gefragt seien Keylines und Retentionssteiche, aber auch Hecken und Agroforst. Und auf Interesse stossen auch die Fördermassnahmen für schonende Bodenbearbeitung und Humusaufbau.
Die Wirkung der bisher realisierten Massnahmen werde sich aber erst in einigen Jahren zeigen, relativiert Thomas Meyer allzu grosse Erwartungen. Das Projekt werde wissenschaftlich begleitet, um zu erfahren, welche Massnahmen welche Wirkung zeigen.
Generelle Tipps kann Meyer nicht geben, es brauche eine einzelbetriebliche Beratung mit individuellen Massnahmen, je nach Exposition, Böden, Topografie, Flächen, Quellen auf dem Betrieb usw.
Mehr Informationen gibt es hier.

Pionier-Betrieb Katzhof
Ein Pionier, der sich schon lange vor dem Projektstart von Slow Water mit Wasserkultur befasst hat, ist Markus Schwegler vom Katzhof in Richenthal LU.
Die Bauernzeitung berichtete schon 2023 darüber.
Die Planung eines ganzheitlichen Wassermanagementsystems auf Basis von Keylines startete er 2021. Die Umsetzung der Massnahmen erfolgte in Etappen von 2023 bis 2025. Neben Keylines wurden auch Wassergräben, Speicherbecken und ein Biotop-Weiher gebaut, viele Bäume und Agroforst gepflanzt und bei Gemüse wird auf den Streifenanbau gesetzt. Die Umsetzung habe sich gelohnt, zieht Schwegler in seinem aktuellen Newsletter Bilanz. «Es zeigt sich das Potenzial, in solchen Situationen wie gegenwärtig resilienter zu werden.»
Allerdings seien auch die Grenzen des Systems sichtbar, da alles noch sehr jung sei. Entscheidend sei die Kombination verschiedener Massnahmen. Ein einzelnes Element könne nie dieselbe Wirkung entfalten wie mehrere aufeinander abgestimmte Massnahmen.
In Zukunft will Schwegler auf dem Katzhof die Wasserspeicherkapazität weiter erhöhen, indem weitere Speicher integriert werden. Das Wasserangebot soll besser genutzt werden, so von Gebäudedächern oder von alten Quellen. Und die Vegetation wünscht er weiter auszubauen, und zu diversifizieren, beispielsweise mit Agroforststreifen.

