Kurz & bündig
- Junglandwirt Benjamin Denzler nutzt regelmässig Blattsaftanalysen, um Nährstoffmängel oder -überschüsse frühzeitig zu erkennen und gezielt mit Blattdüngung zu korrigieren. - Eine ausgewogene Versorgung mit Makro- und Mikronährstoffen stärkt Pflanzen nicht nur im Wachstum, sondern erhöht auch ihre Widerstandskraft gegen Krankheiten und Schädlinge. - Nitratüberschüsse in der Pflanze ziehen pflanzensaugende Schädlinge wie Blattläuse an.
Ähnlich wie wir Menschen haben auch Pflanzen eine bessere Abwehr gegen Krankheiten und Schädlinge, wenn sie optimal mit Nährstoffen versorgt sind. Dabei zählen nicht nur die viel genannten Makronährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium, sondern auch diverse Mikronährstoffe wie zum Beispiel Bor und Mangan die wichtige Bausteine fürs Pflanzenwachstum sind.
Genau darauf setzt Junglandwirt Benjamin Denzler aus Nänikon im Kanton Zürich den Fokus. Er möchte seine Kulturpflanzen durch optimale Nährstoffversorgung gesund und leistungsstark erhalten.
Dazu lässt er pro Kultur und Saison je ein- bis dreimal eine Blattsaftanalyse durchführen. Die Resultate zeigen die aktuelle Nährstoffversorgung der 17 wichtigsten Mikro- und Makronährstoffe der beprobten Kultur. Entsprechend wird im Anschluss mit einer Blattdüngung ein allfälliges Nährstoffmanko ausgeglichen.
Eine ausgeglichene Nährstoffversorgung sichert nicht nur den Ertrag und die Qualität der Ernte, sondern kann auch den Schädlingsdruck, zum Beispiel durch Blattläuse, reduzieren.
Mehr Schädlinge bei Nährstoffungleichgewicht
Benjamin Denzler ist ein Tüftler. Der Junglandwirt hat 2024 den elterlichen Betrieb übernommen und setzt seither konsequent auf Direktsaat. Immer wieder probiert er Dinge auf dem Feld aus, sei es eine Untersaat im Raps oder der Vergleich verschiedener Saatzeitpunkte. Seit er 2023 an einem Kurs von Regenerativ Schweiz zum Thema Blattsaftanalyse teilnahm, ist diese fester Bestandteil für die Ernährung seiner Kulturen.
Im zweiten Jahr stellte Benjamin Denzler bei seinem Winterweizen einen Mangel an Magnesium, Mangan und Bor fest. Diesen hat er anschliessend mit einer Blattdüngung korrigiert.
Damit er den Effekt der Blattspritzung beobachten konnte, hat er nur eines der beiden Weizenfelder behandelt. Was er nachher sah, war verblüffend. Das unbehandelte Feld war voll mit Getreidehähnchen, während das nachgedüngte Feld kaum Schädlinge zeigte.
«Pflanzen, die ein Nährstoffmanko haben, sind anfälliger für Schädlings- und Pilzbefall», sagt Denzler. Dank der Blattdüngung konnte er den Schädlingsbefall durch Getreidehähnchen minimieren und damit gute Erträge im Extensoanbau sichern.
Doch nicht nur ein Manko, auch ein Überschuss kann Schädlinge begünstigen. So zum Beispiel bei einem Nitratüberschuss. «Zu viel Nitrat ist für die Pflanze ungesund», erklärt Adrian Rubi, Landwirt und Co-Founder von Edapro.
Durch das schnellere Wachstum werden zum einen die Zellwände dünner, was es saugenden Schädlingen vereinfacht, die Pflanze zu stechen. Zum anderen ist Nitrat ein Salz, das mit dem Wasserfluss in die Pflanze gelangt. «Die Pflanze kann sich nicht wehren gegen Nitrat», erklärt Adrian Rubi. Befindet sich zu viel freies Nitrat im Blatt, ist der Blattsaft nährstoffreicher, was Blattläuse regelrecht anzieht.
«Einige Gemüseproduzenten setzen keine Insektizide mehr ein gegen Blattläuse oder die Weisse Fliege, dank optimierter Stickstoffeffizienz. Die korrekte Nährstoffversorgung der Pflanze mit Spurenelementen erhöht nicht zwingend den Ertrag, aber die Qualität der Ernte und vor allem die Gesundheit der Pflanze», weiss Adrian Rubi.

Wie funktioniert die Probeentnahme?
Das hat auch Benjamin Denzler beobachtet. Deshalb nimmt er bereits im März bei Vegetationsbeginn die ersten Proben im Weizen und Raps zur Analyse. Dazu sammelt er rund 100 g Blätter ein. Diese werden über die Firma Edapro in ein Labor von Novacropcontrol in den Niederlanden geschickt. Dort wird im Blattsaft die Nährstoffkonzentration gemessen und anhand von Optimumwerten gezeigt, ob ein Mangel besteht oder gar ein Überschuss.
Bereits vier bis sieben Tage nach der Probenentnahme erhält er die Ergebnisse. Die Resultate werden von Adrian Rubi angeschaut und entsprechende Behandlungsempfehlungen werden abgegeben.
«Die Resultate der Blattsaftanalyse sind eine Momentaufnahme», erklärt Benjamin Denzler. Deshalb ist es wichtig, Nährstoffmankos möglichst rasch bei der nächsten Gelegenheit via Blattdünger zu korrigieren. Im Verlaufe des Wachstums nimmt Denzler bei Bedarf noch eine zweite und dritte Probe, um zu überprüfen, ob immer noch dasselbe oder ein anderes Nährstoffmanko besteht.
«Die Nährstoffversorgung ändert sich auch immer, je nachdem, welche Nährstoffe aus dem Boden und Hofdünger nachgeliefert werden und in welchem Wachstumsstadium sich die Pflanze befindet», weiss Denzler. Deshalb sei es wichtig, möglichst rasch eine Korrekturdüngung vorzunehmen. Denn nur eine ausgeglichen mit Nährstoffen versorgte Pflanze kann die volle Fotosyntheseleistung erbringen.
Nebst Raps und Winterweizen setzt Benjamin Denzler die Blattsaftanalyse auch im Mais ein. «Dort sollte die Blattdüngung aber nicht zu früh erfolgen, da sonst zu viel Dünger auf den Boden gelangt, wenn die Maispflanzen noch klein sind», erklärt Denzler.

Gelbes Getreide im Frühling zeigt nicht immer Stickstoffmangel
In Denzlers Böden herrscht ein starker Magnesiummangel, was man sowohl in den Bodenproben wie auch in der Blattsaftanalyse sieht. «Seither sind Magnesium und Schwefel für mich die wichtigsten Dünger.»
Magnesium spielt eine zentrale Rolle im pflanzlichen Stoffwechsel, wobei dessen Aufnahme bei einer zu starken Ammoniumdüngung gehemmt wird. «Sieht das Getreide im Frühling gelb aus, ist das nicht immer auf Stickstoffmangel zurückzuführen, sondern auf Magnesiummangel», beobachtet Adrian Rubi. Denn das Chlorophyll in den Blättern wird nicht nur durch Stickstoff gebildet, sondern auch durch Magnesium, Eisen und Mangan. Diese Nährstoffe sind also essenziell für die Fotosynthese. «Häufig ist das Problem, dass bei der ersten Gabe zu viel Stickstoff ausgebracht wird, die Pflanze diesen aber gar nicht vollständig aufnehmen kann», sagt Rubi. Das kann das Nährstoffungleichgewicht zusätzlich verstärken, wenn die Magnesiumaufnahme wegen Ammoniumüberschuss gehemmt wird.
Adrian Rubi empfiehlt deshalb, beim Getreide als erste Gabe etwas weniger Stickstoff, dafür mit Zugabe von Magnesium, zu düngen und erst bei der Schossergabe eine grössere Menge Stickstoff zu geben.
Lohnt sich die Nährstoffanalyse via Blattsaft?
Die Blattsaftanalyse ersetzt keine Bodenproben, ist aber eine sinnvolle Ergänzung. Benjamin Denzler lässt Bodenproben nach Kinsey analysieren. Nach dieser Methode plant er die Grunddüngung. Die Blattsaftanalyse dient zur spezifischen Korrekturdüngung der Kultur.
Ausserdem können durch die genaue Analyse Nährstoffüberschüsse durch die Standarddüngung verhindert werden. «Normalerweise habe ich beim Raps immer standardmässig Bor gedüngt, weil wir Bormangel in unseren Böden haben. Die Analyse hat aber gezeigt, dass die Borversorgung im Blatt bereits ausreichend ist. Wenn ich dank der Analyse eine Spritzung einsparen kann, lohnt sich das für mich», fasst Denzler zusammen.
Die Kosten für zwei Proben inklusive Expressversand ins Labor belaufen sich auf 136 Franken. Dabei gilt: Je höher die Anzahl der gleichzeitig versendeten Proben ist, desto geringer fallen die anteiligen Versandkosten pro Analyse aus. Die Erträge auf dem Betrieb von Benjamin Denzler durch die genaue Nährstoffversorgung nicht gestiegen, aber stabil geblieben. Da er aber auch noch vom intensiven Anbau mit Pflug auf Direktsaat umgestellt hat, ist es schwierig zu sagen, welche Massnahme genau welchen Effekt hat.
«Stickstoff, Phosphor und Kalium sind die Motoren des Wachstums, doch ohne Spurenelemente gerät die Aufnahme ins Stocken. Eine präzise Versorgung mit Mikronährstoffen sorgt dafür, dass die Pflanze den angebotenen Stickstoff wesentlich besser verwerten kann. Dieser Ansatz ermöglicht eine Stickstoffreduktion bei stabilen Erträgen», sagt Adrian Rubi.
LN:
Betriebsspiegel der Familie Denzler Benjamin Denzler, Nänikon ZH 24 ha; 12 ha Wald Kulturen: Winterweizen, Raps, Körnermais, Buchweizen, Soja, Gerste, Kunstwiese Tierbestand: 11 Milchkühe im Vollweidesystem Weitere Betriebszweige: Rundballenpressen und Direktsaat im Lohn Arbeitskräfte: Betriebsleiter, Vater, Bruder zur Aushilfe

