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Gute Organisation bringt mehr Leistung beim Dreschen

Bald geht die Ernte los, ein Höhepunkt im Bauernjahr. Damit ein Mähdrescher effizient ernten kann, braucht es eine gute Planung. Beat und Erika Glauser erklären, wie sie sich mit ihren Kunden absprechen.

Kurz & bündig

- Eine gute Planung gibt mehr Zeit zum Dreschen. - Die gute Zusammenarbeit mit Kunden verbessert die Abläufe. - Die Topografie beeinflusst die Planung stark. - Gut gewartete Maschinen sind betriebssicher.

An einem intensiven Druschtag können bis zu 40 Aufträge zusammenkommen», sagt Erika Glauser. Sie und ihr Mann Beat Glauser führen im oberaargauischen Auswil das Lohnunternehmen «B&E Glauser». Nebst anderen Dienstleistungen ist das Dreschen mit sechs Maschinen nicht nur der grösste Bereich des Lohnunternehmens, sondern manchmal auch der hektischste. Vor allem dann, wenn das Wetter umschlägt oder nur kurze Erntefenster verfügbar sind. Dann wird die Planung anspruchsvoller, als wenn tagelang schönes Erntewetter ist. Beat Glauser bleibt in solchen Situationen meistens gelassen, er weiss, dass er die Ernte noch immer beenden konnte.

Oft bestimmt das Wetter die Planung

Wenn das Wetter die Planung dominiert, wird es schon hektischer. Das ist verständlich: Steht beispielsweise noch Raps draussen und droht ein starkes Gewitter, pressiert es plötzlich. «Wenn das eintrifft, merke ich es sofort», sagt Erika Glauser. Sie nimmt im Betrieb am häufigsten das Telefon ab. «Die Kunden sind dann anders drauf, fordernder. Einmal kam einer nach der Ernte vorbei und hat sich für die Art seines Anrufs entschuldigt», erzählt Erika Glauser. Sie nimmt es gelassen. «Das gehört einfach dazu. Das sind Emotionen und Leidenschaft, und es zeigt, dass die Erntezeit für die Landwirte immer noch eine wichtige Sache ist.»

Anmeldungen sind bis 22 Uhr möglich

Glausers haben eine klare Kommunikation mit den Kunden. Auf ihrer Website ist vieles beschrieben. Nebst den Tarifen für das Dreschen ist auch das Vorgehen für eine Anmeldung definiert. Bis 22 Uhr kann jeder Landwirt telefonisch Flächen anmelden. Das ergibt dann das Grundprogramm für den nächsten Tag. Da sieht Beat Glauser, wie viel Fläche ansteht und wie viel am nächsten Tag im Verlauf des Tages noch angenommen werden könnte.

Beat Glauser fährt selber auch eine Maschine. «Ich habe mir angewöhnt, nach Feierabend nicht noch in die Aufträge zu schauen. Sonst beginnt es im Kopf zu planen und ich finde nicht zum Schlaf», sagt Glauser und lacht.

Denn es gibt einiges zu überlegen, wenn er Tagesprogramme für mehrere Mähdrescher zusammenstellt. Einen ersten Überblick über die Aufträge verschafft sich Beat Glauser am Morgen früh. Da sortiert er die Aufträge, die Erika Glauser analog auf einem ausgeklügelten Dokument erfasst.

Beat und Erika Glauser haben ein bewährtes analoges Logistiksystem, um die Mähdreschereinsätze effizient zu organisieren.
Beat und Erika Glauser haben ein bewährtes analoges Logistiksystem, um die Mähdreschereinsätze effizient zu organisieren.

Betriebsspiegel der Familie Glauser

Erika und Beat Glauser, Auswil BE LN: 22 ha Kulturen: Gerste, Weizen, Roggen, Silomais Tierbestand: 200 Mastschweine, 60 Mastrinder Weitere Betriebszweige: Lohnunternehmen mit 6 Mähdreschern, Pressen, Häcksler, Säarbeiten, Pflanzenschutz Arbeitskräfte: Betriebsleiterpaar, 1 fest angestellter Mitarbeiter, 7 Aushilfen www.bue-glauser.ch

Nicht jeder Drescher kann überall fahren

Das Unternehmen hat in seinem Maschinenpark fünf von sechs Maschinen mit Allradantrieb. Zwei davon haben einen Hangausgleich bis 25 Prozent, drei davon haben einen Vollhangausgleich für Steilflächen. Es kann also nicht jeder Mähdrescher überall eingesetzt werden. «Hier muss ich viele Details berücksichtigen. Dabei hilft es mir, dass ich beinahe 100 Prozent unserer Kundenflächen kenne», sagt Beat Glauser.

Tatsache ist, dass er bis 9 Uhr die Touren zusammengestellt haben will. Die Auftragsdokumente gehen dann an die Fahrer. Dort ist alles Wichtige, wie z. B. zur Strohablage auf Schwad, zur Breitablage oder zum Häckseln, vermerkt. Allfällige Hindernisse auf dem Feld oder Besonderheiten bei der Zufahrt sind auch aufgeführt.

Langsamer Beginn, plötzlich gehts schnell

Jeder Auftrag hat auch eine Zeit, wann dieser ungefähr beginnt. Kommt es zu Abweichungen davon, informiert der Fahrer den Kunden direkt.

«Es gibt Druschtage, da gibt es bis zum Mittag ein Programm für nur eine Maschine. Und bis zum Abend stehen plötzlich alle Drescher im Einsatz. Da kann sich plötzlich eine grosse Dynamik entwickeln», sagt Erika Glauser. Da ist das Unternehmen froh, auf langjährige Aushilfen zählen zu können, welche bei ihrem Arbeitgeber entsprechende Freiheiten haben, wenn der Mähdrescher ruft.

Beat und Erika Glauser haben den Lohnunternehmerbetrieb im Jahr 2014 übernommen. Beat kannte den Betrieb von früher, als er als Mitarbeiter beim Mähdrusch bereits mit der heutigen Kundschaft zu tun hatte. Dazwischen war die Familie Glauser 5 Jahre in der Westschweiz, wo Beat Betriebsleiter eines Milchwirtschaftsbetriebs in Grandson VD war.

Topografische und klimatische Besonderheiten

Auch im Waadtland hat Beat Glauser gedroschen. «Die Bedingungen sind dort mit flachen und grossen Parzellen anders als hier im Oberaargau. Hier liegt unser Betrieb auf 680 Metern über Meer. Unser Einsatzgebiet reicht jedoch von gut 400 bis fast 900 Meter über Meer. Und von flachen bis sehr steilen Flächen ist alles vorhanden.» Auch die Wetterbedingungen sind unterschiedlich. In der Waadt, am Jurasüdfuss, gibt es abends oft Fallwinde. Dadurch kann beinahe die ganze Nacht hindurch gedroschen werden, weil das Getreide nach dem Sonnenuntergang durch den Wind trocken bleibt.

In Auswil und Umgebung gibt die Topografie vor, wann wo gedroschen werden kann. «Wir haben Hügel, Täler, Hänge, Waldrand und vieles mehr, was einen Einfluss auf die Feuchtigkeit des Getreides hat. Eine nach Osten ausgerichtete Parzelle mit Morgensonne ist früher am Tag trocken als bei einer gegenteiligen Hangausrichtung, wo dies erst im Verlauf des Nachmittags so weit ist.» Auch ein Schattenwurf von einem Waldrand beeinflusst die Druschfähigkeit. Solche Eigenschaften müssen bei der Routenplanung berücksichtigt werden. Es zeigt sich also noch einmal, weshalb Beat Glauser froh ist über seine Kenntnisse der Parzellen.

Dreschen während der Nacht ist fast nur auf erhöhten Parzellen mit Abendwind möglich. In Tälern mit Bachläufen ist früher Feierabend. Das Mikroklima wechselt auf kleinem Raum schnell.

«Ich bin froh, dass viele Kunden diese Gegebenheiten erkennen und dadurch auch verstehen, weshalb wir zuerst diese und dann jene Felder ernten», sagt Beat Glauser.

Landwirte denken mit, das bringt Leistung

Die Zusammenarbeit mit den Landwirten ist sehr wichtig. Sie hat einen grossen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit eines Auftrags. «Wenn mir ein Kunde bereits bei der Anmeldung einen Hinweis gibt, wo beispielsweise der Mähbalken angebaut werden kann, steht dies auf dem Auftragsblock für den Fahrer. So kann dieser gezielt vorgehen.» Einen Platz für dieses Drehmanöver zu finden, ist vor allem bei der Gerstenernte nicht einfach, da noch keine abgeernteten Felder vorhanden sind. «Wir haben viele tolle Kunden, welche richtig gut mitdenken, zum Beispiel, wenn sie eine Grasfläche freimähen, um Platz zu schaffen. Es gibt auch Dörfer, da verstehen sich die Landwirte ausgezeichnet untereinander. Da grast auch schon mal ein Nachbar eine Fläche frei. Wenn die Landwirte gut miteinander umgehen, hilft uns dies enorm.» Eine solche Zusammenarbeit könne man jedoch nicht erzwingen. Manchmal müsse man halt um ein halbes Dorf fahren. Auch wenn die Parzelle direkt erreichbar wäre, wenn man zwei Weidepfosten abgelegt hätte, ergänzt Beat Glauser. Er kann das jedoch nicht erzwingen und weist höchstens darauf hin, wenn mit wenig Aufwand viel Zeit gewonnen werden könnte.

Das war im nassen Erntejahr 2021 anders. «In diesem Jahr musste Effizienz erzwungen werden, und das wussten auch die Landwirte. Da habe ich klar kommuniziert, dass heute noch diese und jene Fläche geerntet werden könne, sofern sich die Landwirte absprechen und ich auf direktem Weg ohne Balkenumbau die Parzelle wechseln kann. Da hat jeder mitgemacht und auch gesehen, wie viel Zeit dabei eingespart wird, wenn man nicht auf die Strasse muss.» Bereits im Jahr darauf war dies wieder vergessen.

Die Kundenflächen erstrecken sich vom Flachland über mittlere bis steile Lagen. Entsprechend ihrer Hangfähigkeit werden die Mähdrescher den Flächen zugeteilt.
Die Kundenflächen erstrecken sich vom Flachland über mittlere bis steile Lagen. Entsprechend ihrer Hangfähigkeit werden die Mähdrescher den Flächen zugeteilt.

Viele kleine Flächen bringen Bewegung

Die Zusammenarbeit zwischen Lohnunternehmer und Landwirt ist umso wichtiger, je kleiner die Flächenstrukturen sind. Bei Glausers ist die durchschnittliche Parzellengrösse rund eine Hektare. Da muss man häufig das Feld wechseln und dabei geht immer Druschzeit verloren. Das Lohnunternehmen Glauser versucht, die Mähdrescher so einzuteilen, dass auf der entferntesten Parzelle begonnen werden kann. «So machen wir die aufwendige Strassenfahrt, bevor die Druschbedingungen vorhanden sind.» In der Theorie nähern sich die Maschinen dem Betrieb des Lohnunternehmens. «Eine Maschine bleibt jedoch im Dorf, sonst kommen die Kunden hier immer nur abends an die Reihe, das können wir ja auch nicht machen», sagt Beat Glauser.

Glausers setzen auf eher leichte Drescher. Jede Maschine ist mit Strohhäcksler (obschon der fast nie gebraucht wird), Spreuverteiler, Breit- und Schwadablage ausgerüstet. Der gute Unterhalt der Maschinen mit Druschwerkzeugen in gutem Zustand ist wichtig für die Arbeitsqualität. Nach der Ernte werden die Drescher mit Luft gereinigt. Bei Bedarf werden Teile ersetzt, um Ausfälle während der Ernte im Folgejahr zu vermeiden. «Im Zweifelsfall ersetzen wir Teile lieber zu früh als zu spät. Besonders dann, wenn sie schwer zugänglich und somit aufwendig zu ersetzen sind.» Als Landmaschinenmechaniker übernimmt ein Mitarbeiter die Wartungsarbeiten an allen Maschinen.

Feldhygiene gewinnt an Bedeutung

Beat und Erika Glauser haben die Tarife für den Mähdrusch auf ihrer Website deklariert. Für die Preisbildung werden die Hanglage und die Fläche berücksichtigt. Seit zwei Saisons wird eine interessante Neuheit betreffend Feldhygiene angeboten. Jeder Mähdrescher birgt das Risiko, Unkrautsamen auf die nächste Parzelle zu verschleppen. Um dieses Risiko zu vermindern, wird auf jedem Drescher ein Luftbläser mitgeführt. Nachdem bei einem Kunden ein Auftrag erfüllt ist, werden die Steinfangmulde entleert und die Druschwerkzeuge ausgeblasen. Das gehört fix dazu. Die Kunden sind sich des Nutzens bewusst und akzeptieren die Kosten von 20 Franken, die dafür berechnet werden.

Die Erfahrungen von Erika und Beat Glauser zeigen, dass eine gute Erntevorbereitung sowie Absprachen mit Kunden und Nachbarn möglich sind. Alles, was vorgängig organisiert ist, zum Beispiel eine freie Zufahrt ohne Zäune, ergibt Effizienz. Davon profitieren Landwirt und Lohnunternehmer gleichermassen.

Mähdreschen ist für die meisten Landwirte ein alljährliches Highlight. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Landwirt und Lohnunternehmer erleichtert die Planung.

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