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Wenige Millimeter entscheiden über die Maissilage-Qualität des ganzen Futterjahres

Der Erntezeitpunkt und die Häcksellänge der Maissilage entscheiden über die Futterqualität des ganzen Jahres. Warum 8 mm die goldene Mitte zwischen guter Silierbarkeit und Verdaulichkeit sind, erklären ein Milchproduzent, ein Lohnunternehmer und ein Fütterungsberater.

Kurz & bündig

  • Silomais wird tendenziell zu lang gehäckselt – optimal wären 8 mm.
  • Lange Futterpartikel bedeuten aber nicht automatisch mehr Struktur im Futter.
  • Die frühzeitige Absprache mit dem Lohnunternehmer und der Gebrauch einer Schüttelbox bei der Ernte erhöhen die Futterqualität fürs ganze Jahr.
  • Der optimale TS-Gehalt vom Silomais liegt bei 34–36 % fürs Hoch- und Fahrsilo und bei 35–38 % für Maissiloballen.

«Der Tag der Maisernte entscheidet darüber, was ich das ganze nächste Jahr füttere», sagt Remo Burgdorfer, Milchproduzent aus Vinelz am Bielersee. Er füttert seine Kühe mit dem Lely Vector, dem automatischen Fütterungsroboter. Seinen laktierenden Milchkühen mischt er 55 bis 60 Prozent Mais in die Ration. Entsprechend legt er grossen Wert auf eine hohe Silagequalität. «Grundfutter ist das günstigste Futter, wenn die Qualität gut ist», betont Burgdorfer.

Vor und während der Ernte stimmt sich Burgdorfer laufend mit seinem Lohnunternehmer Andreas Minder aus Scheuren BE ab. Dieser wünscht sich, dass mehr Landwirte den Erntezeitpunkt und die Häcksellänge gemeinsam mit dem Lohnunternehmer festlegen würden, damit die Futterqualität top wird.

Remo Burgdorfer (rechts) überprüft mit seinem Lohnunternehmer Andreas Minder die Häckselqualität des Futters.(Bild: «die grüne» / Geraldine Zutter)

Betriebsspiegel
der Familie Burgdorfer

Remo Burgdorfer, Vinelz BE

LN: 51 ha

Kulturen: Mais, Kunstwiese, Brot- und Futtergetreide

Tierbestand: 90 Milchkühe (Rasse Holstein) und Aufzucht

Arbeitskräfte: Betriebsleiter, Angestellter zu 100 %, Partnerin (ist zuständig für Büroarbeiten), Vater von Remo Burgdorfer

Mais wird eher zu lang gehäckselt

Die richtige Häcksellänge ist eine Gratwanderung zwischen guter Silierbarkeit und Verdaulichkeit. «Tendenziell wird Maissilage zu lange gehäckselt, optimal wären 8 mm», weiss Andreas Minder aus Erfahrung. Zu langes und schlimmstenfalls noch zu trockenes Häckselgut lässt sich schlecht verdichten. Das wirkt sich wiederum negativ auf den Silierprozess aus und kann zu Schimmelbefall und Nacherwärmung führen. Zudem können die Tiere längere Futterbestandteile besser selektieren. «Futterlänge bedeutet aber nicht automatisch Struktur», sagt Remo Burgdorfer.

Der selbstständige Fütterungsberater Jonas Schiffer aus Österreich klärt auf: «Für unsere Wiederkäuer ist es wichtig, einen angepassten Gehalt an strukturwirksamer Faser in die Ration zu bringen. In der Fachsprache wird diese Faser als physikalisch nutzbare Neutral-Detergenzien-Faser (NDF) bezeichnet. Wird zu kurz gehäckselt, sinkt der Anteil an physikalisch nutzbaren NDF. Die Folge von zu kurz gehäckselter Maissilage ist ein sinkender Milchfettgehalt.

So sollte Maissilage aussehen: gleichmässig gehäckselt auf etwa 8 mm und die Körner sind verrieben.(Bild: «die grüne» / Pia Neuenschwander)

Zur genauen Überprüfung der Futterstruktur empfiehlt Jonas Schiffer deshalb den Einsatz einer Schüttelbox direkt bei der Maisernte. Mithilfe der verschiedenen Siebe können die Struktur genaustens bestimmt und allfällige Anpassungen am Häcksler vorgenommen werden. Nur Futter, das im ersten und zweiten Siebkasten der Schüttelbox bleibt, liefert für die Kuh physikalisch nutzbare NDF. Die Schüttelbox kann auch zur Strukturkontrolle der ganzen Mischration dienen.

Andreas Minder meint dazu: «Die Kuh ist die beste Schüttelbox.» Anhand der Krippenreste könne herausgelesen werden, ob die Futterqualität und Rationszusammensetzung stimme. Das ist eine gute Orientierungsmöglichkeit. Jedoch ist es in der Krippe zu spät, um etwas zu verbessern. Die Futterqualität wird bereits bei der Ernte bestimmt.

Häckselgut kontrollieren

Fütterungsberater Jonas Schiffer appelliert an die Landwirte, dass sie während der Ernte am Silo stehen und die Häckselqualität überprüfen. Folgendes soll geprüft werden:

  • Beträgt die Häcksellänge 8 mm?
  • Werden die Zielwerte der Schüttelbox erfüllt?
  • Ist das Maiskorn zerrieben?
  • Stimmt der TS-Gehalt?
  • Ist die Verdichtung ausreichend?

Als Hilfsmittel bei der Maisernte dient die Schüttelbox. Mit den einzelnen Sieben kann der Landwirt die Struktur der Maissilage überprüfen, womit er in Absprache mit dem Lohnunternehmer allfällige Anpassungen vornehmen kann. Dieses Vorgehen sichert die Qualität der Maissilage und somit die Futterqualität vom ganzen Jahr. 

Folgende Anteile in der Schüttelbox sollten bei guter Maissilage erreicht werden:

  • Oberes Sieb: 0–2 %
  • Mittleres Sieb: 50–75 %
  • Unteres Sieb: 15–25 %
  • Bodenschale: unter 20 %
Mit den einzelnen Sieben der Schüttelbox kann die Struktur der Maissilage überprüft werden.(Bild: privat)

Das Maiskorn muss verrieben werden

Remo Burgdorfer hat gute Erfahrungen mit kurzem Maishäckselgut gemacht. «Mit Maissilage muss man nicht versuchen wollen, Struktur in die Ration zu bringen und es deshalb länger zu häckseln. Dafür eignen sich andere Rationskomponenten besser.» Zudem ist der Maisanteil in den Rationen vieler Schweizer Milchviehbetriebe vergleichsweise tief, weshalb die Häcksellänge weniger stark ins Gewicht fällt als in Betrieben mit sehr hohen Maisanteilen.

Für solche Rationen wurde in den USA vor über einem Jahrzehnt das «Shredlage-Verfahren» entwickelt. Es kombiniert lange Häcksellängen mit einem intensiven Kornaufschluss. Andreas Minder beurteilt den Nutzen jedoch zurückhaltend: «Das längere Häckselgut erschwert die Verdichtung und kann den Silierprozess negativ beeinflussen. Deshalb ist der Shredlage-Trend wieder gestorben.» Von diesem Trend sei aber ein wichtiger Fortschritt übrig geblieben: Sämtliche moderne Feldhäcksler verfügen heute über deutlich leistungsfähigere Körnerprozessoren.

Denn nebst der optimalen Häcksellänge ist auch der Kornaufschluss sehr wichtig. «Die Körner dürfen nicht nur halbiert oder angebrochen, sondern müssen verrieben werden», betont Andreas Minder. Nur so kann die Kuh die Stärke optimal verwerten und die ganze Energie aus dem Korn gewinnen.

(Bild: privat)

«Der Betriebsleiter sollte nicht bei der Häckselkette mitfahren, sondern die Futterqualität am Silo überprüfen.»

Jonas Schiffer, selbstständiger Fütterungsberater aus Österreich

Qualitätskontrolle ist Chefsache

Eine eingestellte Häcksellänge von 8 mm bedeutet noch lange nicht, dass auch 8 mm lange Partikel im Silo landen. Das Ergebnis hängt unter anderem vom Trockenmassegehalt, von der Fahrgeschwindigkeit, dem TS-Gehalt und der Häckslermarke ab. «Drei verschiedene Feldhäcksler mit derselben Einstellung liefern drei verschiedene Häckselqualitäten», weiss Andreas Minder. Deshalb muss er den Häcksler während der Ernte immer wieder einstellen.

Entscheidend sei darum die Kontrolle direkt am Silo. «Der Betriebsleiter sollte nicht bei der Häckselkette mitfahren, sondern die Futterqualität am Silo überprüfen», betont Jonas Schiffer. Mithilfe der Schüttelbox kann der Landwirt die Partikelgrösse der Maissilage überprüfen und mit dem Lohnunternehmer entsprechende Anpassungen an den Einstellungen vornehmen. Denn die Parzellen sind meistens unterschiedlich in der Qualität.

Auch der TS-Gehalt ist entscheidend. Remo Burgdorfer strebt für seine Fahrsilos einen TS-Gehalt von 34 bis 35 Prozent an. «Wenn ich durchs Tenn laufe und sehe, dass die Ventilatoren Teile der Mischration in den Gang blasen, dann ist das Futter zu trocken», beobachtet Remo Burgdorfer.

Gerade wegen des trockenen Sommers wird der Mais vielerorts bereits deutlich früher geerntet. Der TS-Gehalt steigt oft schneller an, als das äussere Erscheinungsbild des Maises vermuten lässt. Ist der TS-Gehalt zu hoch, häckselt Andreas Minder noch kürzer, damit der Mais im Silo trotzdem genügend verdichtet werden kann.

Der Häcksler sollte das Maiskorn nicht nur halbieren, sondern verreiben, damit es die Kuh ganz verdauen kann.(Bild: «die grüne» / Geraldine Zutter)

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