Zwei Bio-Kühe aus dem Jura finden auf einer Schwyzer Wiese Futter

Das Gras wächst nicht mehr. Dank gefüllter Futterlager können sich einige Bauern unterstützen. So die beiden Biobauern Schwyzer Meinrad Betschart und Neuenburger Aloïs Cachelin.

Auch in der Innerschweiz ist es aktuell trocken. Insbesondere an Hanglagen ist das Graswachstum mehrheitlich gestoppt. Im Vergleich zur Westschweiz und zum Mittelland ist es aber gerade im Voralpengebiet auf guten, tiefgründigen Böden vielerorts noch grün.

Dazu kommt, dass die ersten Schnitte im Voralpengebiet ansprechend waren und die Futterlager vielerorts bereits schön gefüllt sind. So auch auf dem Biohof Husmatt in Rickenbach bei Schwyz. «Mein Vater sagte immer, wenn man im Frühling noch viel Heu am Stock hat, sollte man noch Heu zukaufen», erklärt Landwirt Meinrad Betschart.

Dieser alten Weisheit entsprechend handelte er diesen Frühling auch und kaufte Dürrfutter aus dem Kanton Zug zu. Folglich sieht es momentan in seinem Futterlager noch relativ gut aus. Meinrad Betschart betont aber: «Allerdings wäre natürlich auch ich froh, wenn es endlich einmal einige Tage ergiebig regnen würde.»

Im Neuenburger Jura ist alles braun

Meinrad Betschart ist nicht nur Bio-Milchproduzent, sondern auch Mitglied der Markenkommission Anbau (MKA) bei Bio Suisse, die in den letzten Wochen infolge der prekären Futtersituation auf den Betrieben mehrere Ausnahmeregelungen beschloss.

Ebenfalls Mitglied der MKA ist Aloïs Cachelin. Er führt in Le Pâquier NE im Neuenburger Jura in einer Betriebsgemeinschaft mit seinem BG-Partnern einen 45 Hektaren grossen Hof mit Grünland und Ackerflächen. Im Mittelpunkt stehen die Haltung von Montbéliarde-Milchkühen, deren Milch zu Bio-Gruyère verarbeitet wird, sowie der Anbau von Dinkel, Hafer und Gerste. Die rund 35 Milchkühe werden im Sommer im Vollweidesystem gehalten.

«Auf unseren 15 Hektaren Weideflächen wächst aber seit Anfang Juli kaum mehr etwas, den grössten Teil der Ration müssen wir nun im Stall zufüttern. Zum Glück haben wir in den vergangenen Wochen grosse Mengen Bio-Luzerne von der Trocknungsanlage Orbe kaufen können. Im September werden wir vom gleichen Betrieb auch noch Bio-Vollmaispflanzenwürfel kaufen können», erklärt Aloïs Cachelin. Diese Zukäufe würden zwar die Finanzen des Betriebes stark strapazieren, führten aber dazu, dass der Viehbestand und damit die Milchproduktion auf einem Mindestniveau gehalten werden könnten.

Wie in vielen Regionen der Schweiz ist auch auf den Weiden im Neuenburger Jura das Graswachstum zum Erliegen gekommen.(Bild: Privat)

Luzerne-Projekt in Orbe erweist sich jetzt als wertvoll

Dass die Trocknungsanlage Orbe VD dieses Jahr so grosse Mengen Bio-Luzerne anbieten kann, ist einem Projekt, das Progana im Jahr 2017 gemeinsam mit dem FiBL und Produzenten der Westschweiz aufzog, zu verdanken.

«Anfangs waren es noch kleine Flächen, dieses Jahr wurden schon auf 250 Hektaren Luzerne angebaut», so Aloïs Cachelin. Ziel des Projekts sei es, die Importabhängigkeit zu reduzieren, die Futterautonomie der Schweizer Biobetriebe zu stärken und eine qualitativ hochwertige Versorgung mit Luzerne sicherzustellen.

Auch wenn dieses Jahr aufgrund der grossen Trockenheit sicher noch grössere Mengen Biofutter importiert werden müssten, erweise sich das Angebot der Trocknungsanlage Orbe für die Bio-Milchbauern heuer als sehr wertvoll.

«Anfangs waren es noch kleine Flächen. Dieses Jahr wurden schon auf 250 Hektaren Luzerne angebaut.»

Biobauer Aloïs Cachelin ist froh um das Luzerne-Projekt.

Kuhzahl-Reduktion auch wegen Bio-Gruyère-Käse

Dennoch wird Aloïs Cachelin seinen Kuhbestand in den kommenden Wochen reduzieren. «Da unsere Milchliefermenge für Bio-Gruyère-Käse aktuell infolge der schwierigen Marktsituation sowieso eingeschränkt ist, werden wir im kommenden Winter anstatt wie üblich gegen 40 nur rund 30 Kühe halten», erklärt der Milchbauer.

Zwei Tiere habe er in den vergangenen Wochen als Nutzkühe verkaufen können, drei bis vier werde er in den kommenden Monaten als Schlachtkühe vermarkten. Glücklicherweise seien die Preise für Bio-Schlachtkühe momentan noch gut.

Zwei Montbéliarde-Kühe von Aloïs Cachelin aus dem Neuenburger Jura (am Halfter) werden die nächsten Monate bei Meinrad Betschart im Kanton Schwyz verbringen.(Bild: reb)

Solidarität unter Bauern besonders wichtig

Zwei Kühe konnte Aloïs Cachelin nun auch noch bei seinem Berufskollegen Meinrad Betschart platzieren. Die beiden Montbéliarde-Tiere werden nun zwei Monate im Kanton Schwyz verbringen. «Ich bin natürlich froh, dass mich Meinrad Betschart unterstützt. In einer solch aussergewöhnlichen Situation ist Solidarität unter uns Bauern besonders wichtig», betont der Westschweizer Landwirt.

Die über zweistündige Transportfahrt sei zwar schon etwas aufwendig. Allerdings betrachte er diese auch ein wenig wie einen Ausflug. Zudem sei es auch schön, wieder einmal eine grüne Wiese zu sehen.

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