«Süsskartoffeln brauchen viel Sonne und kommen mit Hitze besser zurecht als Kartoffeln», sagt Matthias Hagen. Doch heuer hätten auch sie viel zusätzliches Wasser benötigt. Ohne Bewässerung funktioniere auch diese Kultur kaum in der Schweiz.
Mit dem Anbau wollen Matthias und Mary Hagen aus Wilen bei Neunforn TG dazu beitragen, dass es in der Schweiz ganzjährig inländische Süsskartoffeln zu kaufen gibt, um den Importen entgegenzusteuern.
Qualität nach einem Jahr praktisch unverändert
Um nicht die ganze Ernte auf einmal vermarkten zu müssen, haben Hagens eine Halle gebaut. Diese ist dazu eingerichtet, die Süsskartoffeln zu lagern, zu waschen und schliesslich verkaufsfertig zu sortieren.
Nach der Ernte kommen die Süsskartoffeln unter kontrollierten Bedingungen ins Lager, wo sie während sieben Tagen im feuchtwarmen Klima von 25–30 Grad nachreifen. Anschliessend werden sie ausgetrocknet erneut ins Lager gestellt, diesmal bei einer Temperatur von 12–15 Grad.
Ein Vorteil von Süsskartoffeln ist, dass sie über eine lange Zeit haltbar sind. «Auch nach einem Jahr bleibt die Qualität praktisch unverändert», betont Mary Hagen.

Gute Erfahrungen mit der Förderung der Bodenfruchtbarkeit
Eine Herausforderung beim Anbau von Süsskartoffeln ist das teure Pflanzmaterial. So ist mit jährlichen Investitionen von rund 20 000 Fr./ha zu rechnen. «Zudem erfordert die Kultur viel Fingerspitzengefühl», so Matthias Hagen.
Das beginne schon damit, dass sie anfällig auf Frost ist. Es sei wichtig, den richtigen Zeitpunkt für das Setzen zu erwischen. Zudem locken Süsskartoffeln zahlreiche Schädlinge wie Mäuse, Drahtwürmer oder Tausendfüssler an. «Das ist vor allem dem hohen Zuckergehalt zu verdanken», sagt der Landwirt. Dabei fehle es an zugelassenen Pflanzenschutzmitteln. Daher sei der Anbau praktisch pestizidfrei.
Gute Erfahrungen macht der Landwirt mit der Förderung der Bodenfruchtbarkeit. «Das Zusammenspiel von Begrünung, Hofdünger und Bodenlebewesen spielt eine bedeutende Rolle», erläutert er.

Mehrere Sorten und zwei Anbausysteme
Dennoch: Das Risiko, dass etwas schiefläuft, etwa durch zu viel Nässe, sei bei Süsskartoffeln gross, so Matthias Hagen weiter. Zudem gebe es bisweilen Mängel beim Pflanzgut.
Hagens bauen auf insgesamt fünf Hektaren Süsskartoffeln an. Dabei verteilen sie das Risiko, indem sie jeweils auf mehrere Sorten und zwei unterschiedliche Anbausysteme setzen. So beziehen sie zum einen Pflanzgut aus Töpfchen, zum anderen setzen sie die jungen Triebe («Slips»), die an den Ranken wachsen. Dabei ist die zweite Methode zwar günstiger, doch mit einem grösseren Arbeitsaufwand verbunden.
Sich ständig neu anpassen und neue Lösungen finden
Ihre Ernte liefert die Familie grösstenteils der Migros Ostschweiz. Einen Teil nehmen ihr ausserdem Marktfahrende, Volg-Filialen und Hofläden aus der Region ab. Zu gross oder zu klein: Wie bei vielem Gemüse ist bei den Süsskartoffeln der Anteil Ausschussware hoch. Knollen, die nicht verkauft werden können, gelangen in die industrielle Verwertung, die winzigen werden den Mastrindern auf dem Betrieb verfüttert.
Matthias Hagen baut weitere Gemüsekulturen wie Kartoffeln, Rüebli und Zwiebeln an, zudem Zuckerrüben, Getreide und Mais. Er bezeichnet sich als leidenschaftlichen Gemüse- und Ackerbauer, der gern experimentiert: «Jedes Jahr ist anders. Man muss sich ständig anpassen und neue Lösungen finden.»

Der Pinot Noir ist Thurgauer Staatswein 2026
Ebenfalls bekannt ist der Hof für sein Angebot an Grünspargeln und Aprikosen. Dieses Jahr haben Hagens zudem zum ersten Mal Zucker- und Wassermelonen angebaut. «Dafür war es ein Bombensommer», stellt Mary Hagen fest.
Ein weiterer Bereich ist der Weinbau, der unter der Leitung von Vater bzw. Schwiegervater Koni Hagen steht, wobei auf einem Drittel der Rebfläche Piwi-Sorten wie Muscaris und Souvignier Gris gedeihen. Für Schlagzeilen sorgte kürzlich der Pinot Noir: Dieser wurde zum Thurgauer Staatswein 2026 gekürt. «Da der Weinbau eine lange Tradition auf unserem Betrieb hat, freuen wir uns riesig über diese ehrenvolle Auszeichnung», so die Bäuerin.
Hofladen Hagen-Wilen
Öffnungszeiten: Selbstbedienung 9 bis 19 Uhr. Weitere Informationen: www.hagen-wilen.ch.
Aus den Tropen
Bei der Süsskartoffel, die aus den tropischen Gegenden Mittel- und Südamerikas stammt, handelt es sich um ein Windengewächs. Mit der Kartoffel ist sie nur sehr fern verwandt und teilt sich nicht wie diese via Knolle, sondern entlang der Ranken. Ihre verdickten Speicherknollen enthalten Vitamin A, Vitamin C, Kalium und Ballaststoffe. Süsskartoffeln werden gekocht oder gebacken und können sogar roh verzehrt werden. Sie schmecken süsslich und erinnern leicht an Rüebli.

