Jedes Jahr verlieren etliche Pflanzenschutzmittel ihre Zulassung – mehr als neu bewilligt werden. 2021 waren es 21 Wirkstoffe, 2020 sogar 28 deren Einsatz in der Landwirtschaft nicht mehr erlaubt ist (siehe Grafik). Dabei fragt man sich, welches Mittel könnte es als nächstes treffen? Uns ist kürzlich ein Artikel auf der Schweizer Website «Ohne Gift» aufgefallen, der sich mit einem Herbizid beschäftigt, welches wegen vieler Gründe in der EU bereits seit 2011 nicht mehr zugelassen ist. Es geht um Asulam. Vielen ist der Wirkstoff im Einsatz gegen Blacken und einzelne Farne bekannt. Im Artikel heisst es nun: «Die Tage von Asulam sind gezählt». Was steckt dahinter? Wir sind dieser Aussage nachgegangen. 

Asulam ist ein Herbizid, das in der Schweiz auf Wiesen und Weiden sowie in Obstanlagen zugelassen ist. Futterkräuter und -gräser sowie Leguminosen werden durch seine systemische Wirkung nicht angegriffen. 

Diverse Gründe für das EU-Verbot 

Im besagten Artikel werden einige Gründe genannt, weshalb Asulam in der Europäischen Union 2011 verboten wurde. 

  • Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gehe nach einer Beurteilung davon aus, dass Asulam die menschliche Schilddrüse beeinträchtigt und eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstelle. 
  • Asulam wird nach der Ausbringung zum Antibiotikum Sulfanilamid abgebaut und fördere somit die Antibiotikaresistenz verschiedenster Bakterien in der Umwelt. 
  • Es wurde in gewissen Schweizer Bienenhonigen Sulfanilamid festgestellt.

Letztere Aussage stammt nach unserer Recherche aus dem Blatt «Agrarforschung Schweiz» von 2005. Hier hat man Rückstände in Löwenzahnblüten festgestellt und nach Versuchen geschlussfolgert, dass Herbizide mit diesem Wirkstoff nur auf Futterbauflächen ohne blühende Pflanzen verwendet werden sollten. Man forderte eine Änderung der Zulassungsbedingungen. 

Aus all den genannten Gründen schlussfolgert die Autorin: «Die Schweiz müsste seit dem 1. Januar 2021 das EU-Recht nachvollziehen und einen Wirkstoff verbieten, der in der EU nicht erlaubt ist.» 

[IMG 2]

Kein rückwirkendes Verbot in der Schweiz

Wir haben uns mit diesen Aussagen an das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) gewendet und wollten wissen, «wenn das Herbizid so gefährlich ist, warum ist seine Ausbringung hierzulande noch erlaubt?» Das BLW nennt uns Gründe hierfür.

Nicht auf essbare Pflanzenteile: In der EU wurde das Herbizid in Gemüse- und Blumenkulturen eingesetzt. In der Schweiz darf das Herbizid nicht direkt auf Pflanzenteile angewendet werden, die für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Ausnahmegenehmigungen für das Herbizid werden in einigen EU-Mitgliedstaaten immer noch erteilt. 

Verwendung im Hochsommer verboten: Die Zulassung von Asulam wurde in der EU aufgrund unzureichender Informationen 2011 verweigert. Dies geht aus einem Bericht der ESFA hervor. Hier heisst es, dass es Datenlücken bzgl. der Toxizität und der Rückstände des Wirkstoffs gäbe. Schlussfolgerungen könnten deshalb keine getroffen werden, weshalb die Zulassung vorerst verweigert wurde. Dies bestätigt auch das BLW. Derzeit werde aber ein neuer Antrag auf Zulassung in der EU geprüft. «Die Zulassungsstelle verfolgt die Ergebnisse der laufenden Prüfung und wird gegebenenfalls die nötigen Massnahmen ergreifen», sagt Jonathan Fischer, Mediensprecher beim BLW. 

Betreffend des Nachweises von Asulam in Schweizer Honig wurden die Bedingungen für die Verwendung von Asulam 2011 geändert. «Sie folgte auf die Anpassung des Grenzwertes für Rückstände in Honig im Lebensmittelrecht», so Fischer. So ist eine Anwendung im Hochsommer verboten. Gleiches gilt für den Einsatz in Beständen mit blühenden Pflanzen.

Kein rückwirkendes Verbot: Seit dem 1. Januar 2021 muss die Schweiz das EU-Recht nachvollziehen. Warum ist das Herbizid weiter zugelassen? «Die Ver-weigerung der Zulassung von Asulam in der EU im Jahr 2011 erfolgte vor dem Inkrafttreten der Verordnungsänderung am 1. Januar 2021», so das BLW. Asulam könne deshalb nicht rückwirkend von der Zulassungsliste genommen werden. 

Kaum Alternativen vorhanden

2020 betrug die durchschnitt-liche Verkaufsmenge von Asulam 12 Tonnen. Aktuell stehen den Landwirten neben diesem Wirkstoff noch zwei andere zur systemischen Behandlung von Blacken zur Verfügung: Metsulfuron-Methyl (Produkt: Ally Tabs) und Amidosulfuron (Produkt: Hoestar). Zugelassene Alternativen zur Behandlung von Farnen gäbe es bei einem Verbot von Asulam keine.