In den letzten Jahren war eine zunehmende Verbreitung des Einjährigen Berufkrauts zu beobachten. Begünstigt wird dies durch heisse, trockene Phasen, speziell auch im Ex­tremsommer 2018. Eine Gegend, in der sich die invasive, nicht einheimische Pflanze (Neophyt), besonders wohlfühlt, ist die Linth­ebene. Hier gibt es zahlreiche extensiv genutzte Wiesen in Südhanglagen, welche bei Hitze austrocknen. In der Folge verschwinden Pflanzen, welche der Trockenheit nicht trotzen können. Für das Einjährige Berufkraut (siehe Kasten), welches auch längere trockene Perioden gut übersteht, stellt der gelichtete Bestand eine willkommene Eintrittspforte dar. 

Es blüht ab Ende Mai

Vor diesem Hintergrund fand vor einer Woche auf dem Betrieb von Roger Brändli im sankt-gallischen Ermenswil ein Erfahrungsaustausch statt, der vom Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG) organisiert wurde. «Der beste Zeitpunkt für die Bekämpfung des Einjährigen Berufkrauts ist die Zeit bei Beginn der Blüte», stellte Nicole Inauen vom LZSG fest. Dann sei die Pflanze durch ihre typischen, kamillenähnlichen Blüten einfach erkennbar und der Stängel fest genug. Dabei gebe es nichts Wirksameres, als die Pflanze samt Wurzeln auszureis­sen. Die ersten Blüten sind etwa Ende Mai zu erwarten. Ab dann dauert es rund zwei bis drei ­Wochen, bis die ersten Samen reif sind.[IMG 2]

«Erfolgt das Ausreissen zu früh, ist die Pflanze noch zu fein und die Stängel reissen beim Entfernen», so Inauen. Das wäre kontraproduktiv: Unterhalb der Reissstellen treibt die Pflanze erneut aus. Wichtig ist auch, blühende Pflanzen unverzüglich zu entsorgen, da die Samen notreifen können. Korrektes Entsorgen heisst, das Pflanzenmaterial in die Verbrennung zu geben. Dabei sollte man Neophytensäcke nutzen, falls diese von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden. Kommt man aufgrund eines starken Befalls nicht mehr nach mit Ausreissen, könne man sich notfalls auf das Einsammeln und Entsorgen der Blüten beschränken, empfahl Inauen.

Früher Schnitt ist Notmassnahme

Mathias Heeb, ebenfalls vom LZSG, wies auf eine weitere Bekämpfungsmöglichkeit hin: Seit vier Jahren werden Bewilligungen dafür erteilt, extensiv genutzte Wiesen bereits vor dem offiziellen Schnitttermin zu mähen. «Dies ist aber lediglich eine Notmassnahme», sagte Heeb. «Sie sollte immer mit dem Ausreissen kombiniert werden.» Dies, weil das Mähen das Austreiben der Pflanze fördert, wodurch sie mehrjährig wird und noch schwieriger auszureis­sen ist. 

Übersaat an lichten Stellen

Einheimische oder Armenische Brombeere? Die Unterscheidung ist schwierig, die blassrosa Blüten deuten aber auf den Neophyten hin. Essen kann man die Beeren beider Varianten. (Bild Pixabay)Invasive Arten4 Invasive Neophyten, an die man selten denktFreitag, 5. Juni 2020 Nicole Inauen empfahl zudem, an lichten Stellen, die durch das Ausreissen oder häufiges frühes Mähen entstanden sind, eine Übersaat vorzunehmen. Dazu eignen sich etwa die Mischungen 450 oder 455, welche trockenresistente, extensive Gräserarten enthalten. Ebenfalls zur Sprache kam die Rolle des Düngens: Auf intensiv bewirtschafteten Flächen mit Düngung kommt es kaum zu einem Befall mit dem Einjährigen Berufkraut. «Es ist jedoch nicht so, dass das Düngen der invasiven Pflanze direkt schadet», hielt Mathias Heeb fest. «Vielmehr fördert es einen geschlossenen, dichten Bestand konkurrenzstarker Gräser, welche den Eindringling fernzuhalten vermögen.» Auf extensiven Wiesen sei Düngen ohnehin nicht erlaubt, es wäre jedoch unter Umständen auch nicht von Nutzen: Das Berufkraut seinerseits profitiert vom Düngen, was sich bei einem Bestand mit weniger konkurrenzstarken Gräsern nachteilig auswirken würde. 

Der Samen bleibt im Boden

Die beiden LZSG-Berater stellten weitere Bekämpfungsansätze vor: So begleiten sie etwa einen Versuch, bei dem eine befallene Fläche im Frühling mit Folien abgedeckt wurde, wodurch der ganze Bestand abstirbt. Anschlies­send wurde die Fläche neu mit einer standortangepassten, artenreichen Böschungsmischung angesät. Allerdings, wandte Nicole Inauen ein, seien danach die Samen des Einjährigen Berufkrauts noch immer im Boden. Dabei sei bekannt, dass diese mehrere Jahre keimfähig bleiben. 

Bei einem weiteren Versuch wurden befallene Teilflächen mit Totalherbizid behandelt. Hier gilt derselbe Einwand: Die Samen verbleiben im Boden, die restlichen teilweise wertvollen Pflanzen werden zudem ebenfalls abgetötet. Daher wäre eine Einzelstockbehandlung sinnvoller, sagte Inauen. Allerdings gebe es derzeit kein Herbizid, welches für die Behandlung des Einjährigen Berufkrauts zugelassen ist. 

Konsequentes Ausreissen bleibe das Mittel der Wahl, sagte Inauen abschliessend. Es habe sich gezeigt, dass dies über die Jahre zum Erfolg führt, selbst wenn es kurzfristig nicht danach aussieht.

Steckbrief Einjähriges Berufkraut
Das Einjährige Berufkraut gehört zur Familie der Korbblütler und stammt ursprünglich aus Nordamerika. Daher handelt es sich um einen Neophyten, also eine nicht einheimische Pflanze. Sie gilt als trockenheitsresistent und konkurrenzstark und verdrängt auf diese Weise Pflanzen, welche für extensiv genutzte Wiesen charakteristisch sind.