Nach vorzeitiger Maisernte: Vorsicht aktive Herbizide – da wächst kein Futter

Der Abbau der Wirkstoffe braucht Wasser. Das fehlte wochenlang. Intensive Bodenbearbeitung kann laut Fachleuten das Risiko senken, dass nach der Saat wegen Herbizidresten nichts wächst. Kressetest und Pflügen senken das Risiko.

Wenn sich der Mais nicht mehr erholt und nur immer trockener wird, siliert man ihn lieber frühzeitig. Auf verfügbaren Flächen soll – sobald es die Verhältnisse zulassen – Futter angebaut werden, lautet die Devise. Der Aufruf zur Solidarität kommt von verschiedener Seite. Aber Herbizid-Rückstände können zur Hürde werden.

Der Abbau von Wirkstoffen braucht Wasser

Herbizide werden unter normalen Umständen im Boden bis zu dem Zeitpunkt abgebaut, an dem eine Gründüngung, ein Zwischenfutter oder die nächste Kultur folgen soll. Der mikrobielle oder chemische Abbau kann aber nur funktionieren, wenn genügend Wasser zur Verfügung steht. Nach wochenlang ausbleibendem Regen dürften daher vielerorts noch aktive Wirkstoffe aus der chemischen Unkrautbekämpfung im Mais aktiv im Boden sein.

Probleme nach Mais sind bekannt

Auch in Deutschland wird Mais in diesem Jahr früher als üblich siliert. Häufig beobachte man eine Empfindlichkeit von Raps gegenüber Sulfonylharnstoffen, die in der Vorfrucht eingesetzt worden sind, heisst es beim deutschen Informationssystem integrierte Pflanzenproduktion (Isip).

Und weiter: «Immer wieder kommt es nach trockenen und warmen Sommern zu Wachstumsdepressionen beim nachfolgenden Raps oder anderen Kreuzblütlern und Klee, z. B. in Zwischenfruchtmischungen.» In solchen Jahren könne es auch nach Mais Probleme geben, vor allem wenn Wirkstoffe mit Bodenwirkung und Wirkung auf Gräser zum Einsatz gekommen seien.

Im Zweifelsfall Kressetest und wendend bearbeiten

Manche Hersteller von Herbiziden machen in der Gebrauchsanweisung ihrer Mittel Angaben dazu, worauf im Nachbau geachtet werden sollte. Hie und da ist auch ein Hinweis zum Vorgehen bei frühzeitiger Ernte.

«Wenn man sich nicht sicher ist, würde ich eine wendende Bodenbearbeitung bzw. Pflügen empfehlen», sagt Andreas Distel, Leiter Pflanzenschutzdienst und Feldbau am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Er gibt aber auch den Hinweis, an etwaige Direktzahlungsprogramme zu denken (Produktionssystembeitrag für schonende Bodenbearbeitung).

«In bestimmten Fällen kann ein Nachbaurisiko durch eine tiefwendende Bodenbearbeitung reduziert werden», schreibt ebenfalls die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (Lfl). Bei sensiblen Kulturen müsse allerdings der Nachbau grundsätzlich ausgeschlossen werden. Im Zweifelsfall hilft ein Kressetest: Etwas Erde von der fraglichen Parzelle in ein Schälchen geben, Kresse säen, giessen und die Entwicklung der Pflanzen beobachten.

Zweikeimblättrige sind anfälliger

Zur Anfälligkeit von Zwischenfutter- oder Gründüngungsmischungen sagt Andreas Distel, generell würden zweikeimblättrige Komponenten nicht gehen. «Sie sind empfindlich, auch wenn man vorher einen Pflugeinsatz einplant», so der Berater.

Gräser seien weniger betroffen. Aber auch hier rät er zur Bodenbearbeitung: «Also direkt mit der Säkombination etwas in den Boden bringen, das wird nicht funktionieren.»   

Je nach Mittel dürfte es unterschiedlich lange dauern

Um den mikrobiologischen Abbau noch vorhandener Herbizide in Gang zu bringen, brauche es einfach etwas Bodenfeuchte. Wie lange es dann aber dauert, bis etwaige Rückstände abgebaut sind, kann Distel nicht pauschal beantworten. «Das ist je nach Wirkstoff ganz individuell und es spielen noch zahlreiche Einflussfaktoren eine Rolle.» Dazu zählt er etwa Bodenart, Zeitpunkt der Applikation oder pH-Wert.

Wie stark ein Wirkstoff an die Bodenpartikel bindet und wie lange die Halbwertszeiten dauern, sei ganz unterschiedlich. Es könnten aber mehrere Monate sein. «Das ist ja auch der Sinn der Sache», gibt der Berater zu bedenken. «Vor allem Bodenherbizide sollen ja über einen längeren Zeitraum wirken.» 

Was das Risiko sonst noch senkt

Alles in allem bleibt es schwierig, das Risiko abzuschätzen. Das Isip fasst es so zusammen, dass – wenn in der Gebrauchsanweisung des Mittels keine eindeutige Angabe zu finden ist – durch eine intensive Mischung des Bodens und eine Pflugfurche vor der Aussaat der Folgekultur das Risiko deutlich gesenkt werden könne. «Ein angepasster pH-Wert und ein intaktes Bodenleben fördern den Abbau und reduzieren ebenfalls das Nachbaurisiko», schreibt das Institut.

Mechanische Unkrautbekämpfung umgeht das Problem

Und was heisst das für die Zukunft, wenn Sommertrockenheit häufiger wird? Wer die Unkrautbekämpfung mechanisch vornehme – in den Kulturen, in denen das gehe –, könne dem Problem vorgreifen und es umgehen, hält Andreas Distel fest. «Aber im Frühjahr stimmen die Bedingungen vielleicht nicht und man kann das Unkraut nicht mechanisch bekämpfen, sodass das bewährte Herbizid zum Einsatz kommt», ergänzt er.

Aufgrund des aktuellen Jahres in die Zukunft zu schauen und deswegen auf einen Herbizideinsatz zu verzichten, findet der Berater jedoch nicht angebracht. «Es wird nicht jedes Jahr so sein», gibt er zu bedenken.

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