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Siliermittel im Silo: Wann sie Futterverluste mindern – und wann sie unnötig sind

Siliermittel sind keine Wundermittel, können aber den Silierprozess positiv beeinflussen und somit die Futterqualität erhalten. René Bünter von der Silovereinigung und Lohnunternehmer Andreas Minder erklären, wann deren Einsatz Sinn macht.

Kurz & bündig

  • Andreas Minder setzt Siliermittel bei Gras und Mais ausschliesslich beim Einsilieren in Hoch- und Fahrsilos ein – nicht bei Häckselballen.
  • Seiner Erfahrung nach kann das in Ballen gepresste Futter mechanisch genügend verdichtet werden.
  • Wichtig beim Siliermitteleinsatz ist, die vom Hersteller angegebene Dosierung einzuhalten.

«Siliermittel sind überhaupt kein Muss. Unter schwierigen Bedingungen können sie den Silierprozess jedoch gezielt unterstützen und so die Futterqualität sichern beziehungsweise Qualitätsverluste vermindern», sagt René Bünter, Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung für Silowirtschaft. Entscheidend bleiben jedoch die goldenen Silierregeln: Sauberes Futter, richtige Trockenmassegehalte und ausreichende Verdichtung sind die Voraussetzungen für hochwertige und schmackhafte Grassilage.

«Aus schlechten Trauben gibt es ja auch keinen guten Wein», vergleicht René Bünter. Das sieht auch Lohnunternehmer Andreas Minder aus Scheuren BE so. Mit drei schlagkräftigen Häckselketten sorgt er für eine effiziente Mais- und Grasernte und kennt die Anforderungen an hochwertige Silage. Dank seiner langjährigen Erfahrung und den Rückmeldungen seiner Kunden ist Minder überzeugt, dass der gezielte Einsatz von Siliermitteln vor allem in Hoch- und Fahrsilos Vorteile bringen kann.

So funktioniert der Silierprozess

Der Silierprozess beginnt, sobald frisches Gras oder Mais luftdicht eingelagert wird. Ohne Sauerstoff vermehren sich die gewünschten Milchsäurebakterien und beginnen mit der Umwandlung von Zucker zu Milchsäure. Dadurch sinkt der pH-Wert der Silage schnell ab. Der niedrige pH-Wert hemmt das Wachstum schädlicher Bakterien und Pilze. So bleibt die Grassilage über längere Zeit haltbar und nährstoffreich, weil Gärverluste vermindert werden. Der optimale pH-Wert einer Silage liegt bei 4 bis 4,8.

Zu trockene Silage

Ist die Silage zu trocken, lässt sie sich nicht gut verdichten und es bleibt Sauerstoff im Silo. Dadurch können Schimmelpilze und Hefen wachsen. Zudem brauchen Milchsäurebakterien eine gewisse Feuchte, um überleben zu können. Ist die Silage zu trocken, hat es also zu wenig Bakterien, die Milchsäure produzieren und somit den pH-Wert senken, wodurch Pilze und Hefen wachsen können. Es entsteht Schimmel und das Risiko von Nacherwärmung steigt.

Zu nasse Silage

Ist die Silage zu nass, können sich unerwünschte Bakterien wie Buttersäurebakterien (Clostridien) vermehren. Diese benötigen keinen Sauerstoff, aber viel Feuchtigkeit. Clostridien bauen nicht nur Zucker ab, sondern auch Milchsäure und Eiweisse. Dadurch steigt der pH-Wert an und es kommt zur Fehlgärung. Deshalb entstehen Nährstoffverluste und die Silage stinkt, weshalb sie von den Tieren schlechter gefressen wird.

Verschmutzung

Erde im Futter wegen Mäusehaufen oder zu tiefem Mähen und Schwaden wirkt wie ein Puffer ‒ Rohaschegehalt und pH-Wert steigen. Die Milchsäurebakterien brauchen länger, um den pH-Wert abzusenken. Auch Kadaver und Hofdüngerreste stellen ernsthafte Verschmutzungen dar.

Ob ein Gärprozess wie gewünscht verläuft, kann anhand vom TS-Gehalt abgeschätzt werden. Denn der TS-Gehalt und der pH-Wert hängen stark zusammen. Je feuchter das Futter ist, desto tiefer muss schliesslich der pH-Wert sein, damit die Silage stabil und lagerfähig bleibt. Bei über 45 % TS stagniert der pH-Wert. Er muss unter 5 bleiben für eine gute Silage.(Bild: Quelle: Hansjörg Nussbaum / LAZBW; Grafik: Nicole Geiser)

Tendenziell wird zu trocken siliert

«Sauerstoff ist der Feind Nummer eins jeder Silage», sagt René Bünter. Ist die Grassilage zu trocken, kann sie nicht ausreichend verdichtet werden. Es bleiben Lufteinschlüsse zurück, die Hefen und Schimmelpilzen ideale Bedingungen bieten. «Tendenziell wird zu trocken siliert», beobachtet Andreas Minder. Für ihn liegt eine gute Grassilage im Bereich von 30 bis 45 Prozent TS und deckt sich somit mit dem Schema zur Siliermittelwahl (siehe Grafik).

Gerade in diesem trockenen Sommer ist es wichtig, die Anwelkdauer der Witterung anzupassen. Oft konnte das Gras morgens gemäht und bereits am Nachmittag siliert werden – ganz ohne Kreiseln. «Der Kreisler passt für mich nicht unbedingt in die Silage, weil das Futter sonst zu trocken wird und da dies die Gefahr der Futterverschmutzung erhöht», sagt Andreas Minder.

Lohnunternehmer Andreas Minder setzt beim Einsilieren in Hoch- und Fahrsilos immer Siliermittel ein.(Bild: «die grüne» / Geraldine Zutter)

Betriebsspiegel Minderhof und Minder AG

Andreas und Tom Minder, Scheuren BE

Kulturen: Mais, Raps, Weizen, Gerste, Dinkel, Zuckerrüben
Tiere: Zwei Mastschweineställe
Weitere Betriebszweige: Lohnunternehmen mit Dienstleistungen rund um Mais, Gras, Getreide, Ackerbau und Holzhandel

www.minder-ag.ch

Häckselballen brauchen kein Siliermittel

Andreas Minder setzt Siliermittel auf seinem Häcksler ausschliesslich beim Einsilieren in Hoch- und Fahrsilos ein. Bei Grashäcksel- und Maisballen verzichtet er in der Regel darauf – ausser ein Kunde wünscht dies ausdrücklich. «Die Presse kann das Futter mechanisch so stark verdichten, dass aus meiner Sicht kein Siliermittel nötig ist», sagt Minder. Unter Luftabschluss können sich die gewünschten Milchsäurebakterien sofort vermehren und den pH-Wert in der Balle senken.

Bei Hoch- und Fahrsilos ist die gleichmässige Verdichtung rein von der Lagerungstechnik her viel schwieriger. Dort können Siliermittel den Gärprozess unterstützen und die Lagerstabilität verbessern.

Über diesen Tank kann Andreas Minder die Siliermittel direkt über das Häckselgut verteilen.(Bild: «die grüne» / Pia Neuenschwander)

Wie finde ich das richtige Siliermittel?

Für die Siliermittelwahl sind TS-Gehalt und das Alter des Futters entscheidend. Als Hilfe dient das Schema nach Nussbaum (siehe Grafik). Die beiden Experten sind sich einig: Wenn das Ausgangsmaterial gut ist, also der TS-Gehalt im optimalen Bereich ist und das Gras genügend Zucker hat und ausreichend verdichtet werden kann, dann braucht es keine Siliermittel.

Es kann zwischen chemischen und biologischen Siliermitteln unterschieden werden. Chemische Siliermittel bestehen aus Säuren oder Salzen. Sie senken den pH-Wert unmittelbar und eignen sich deshalb besonders für nasse Grassilagen mit erhöhtem Risiko für Fehlgärungen.

Biologische Siliermittel enthalten Milchsäurebakterien. Dabei gibt es zwei Gruppen:

  • Homofermentative: bilden nur Milchsäure
  • Heterofermentative: bilden Milch- und Essigsäure

Es gibt auch diverse Kombiprodukte, die breit eingesetzt werden können und sich im Einsatzbereich überschneiden (siehe Link zu Siliermittelliste).

(Bild: privat)

«Siliermittel sind eine Versicherung – sie ersetzen jedoch nicht die goldenen Silierregeln.»

René Bünter, Geschäftsführer Schweizerische Silovereinigung

Andreas Minder setzt drei verschiedene Produkte ein, alle auf der Basis von Milchsäurebakterien. Eines für zu feuchte, eines für optimale und eines für zu trockene Grassilagen. René Bünter empfiehlt, bei feuchten Silagen homofermentative Milchsäurebakterien und allenfalls Säuren einzusetzen, nicht aber heterofermentative Bakterien. Diese seien vor allem bei eher trockeneren Silagen sinnvoll, um zusätzliche Essigsäure für die Konservierung zu erhalten.

Ist die Grassilage sehr nass (unter 20 Prozent TS), zum Beispiel beim letzten Schnitt im Herbst, dann empfehlen die Experten sogar, abgepufferte Propionsäure zu nutzen. «Säure macht alles haltbar und baut sich nicht ab», weiss Minder. Ausserdem macht Propionsäure das Futter schmackhaft.

Auch bei nicht vollständig trockenem Dürrfutter oder Stroh kann abgepufferte Propionsäure sinnvoll sein. Sie reduziert Schimmelwachstum und hilft insbesondere im Stroh, das Risiko von Mykotoxinen zu senken.

Mit Hilfe dieser Grafik kann das passende Siliermittel für die Grassilage bestimmt werden (siehe Link am Ende des Artikels). Bei optimalen Silierbedingungen und jungem Gras im optimalen TS-Bereich braucht es keine Siliermittel.(Bild: Quelle: Nussbaum 2004 / Grafik: Nicole Geiser)

Mais ist anfälliger für die Nacherwärmung

Während bei der Grassilage vor allem Fehlgärungen, Buttersäure und Schimmel eine Herausforderung darstellen, liegt die grösste Gefahr bei der Maissilage in der Nacherwärmung nach dem Öffnen des Silos. Im Vergleich zu Gras ist Mais zum Erntezeitpunkt älter und natürlicherweise stärker mit Hefen und Schimmelpilzen besiedelt. Gelangt nach dem Öffnen Sauerstoff in die Silage, werden diese Mikroorganismen wieder aktiv und beginnen, Zucker und Milchsäure abzubauen. Die Folge sind Nacherwärmung, Energieverluste und eine verminderte Futterqualität.

«Die sogenannten Berliner, die farbigen Knollen, entstehen bereits beim Einsilieren und nicht erst beim Öffnen», erklärt Andreas Minder. Das sind Pilzherde, die wegen Lufteinschluss überleben. Rund um die Berliner sind genügend Milchsäurebakterien, die verhindern, dass diese Pilzherde grösser werden, solange das Silo zu ist.

Andreas Minder setzt beim Maissilieren standardmässig heterofermentative Milchsäurebakterien ein, die auch Essigsäure produzieren. Das wirkt sich positiv gegen Nacherwärmung aus. Bei Betrieben mit wiederkehrenden Problemen durch Berliner oder Nacherwärmung greift er zu einer Kombination aus Milchsäurebakterien und Siliersalzen wie Natriumbenzoat und Kaliumsorbat.

Im Gegensatz zu reinen Milchsäurebakterien müssen Siliersalze in deutlich grösseren Mengen ausgebracht werden, was die Anwendung auf dem Häcksler aufwendiger macht.

Achtung tödliche Nitrosegase

Wegen der Trockenheit können dieses Jahr beim Einsilieren von Gras und Maissilage vermehrt Nitrosegase entstehen. Das sind hochgiftige rötlich-braune Gase, die schwerer als Luft sind. Der fehlende Niederschlag führt dazu, dass der gedüngte Stickstoff in der Pflanze nicht vollständig in Proteine umgewandelt werden konnte. Daher ist mehr Nitrat in den Pflanzen, welches beim Silierprozess in Nitrosegase umgewandelt wird. Nitrosegase entstehen nur ein paar Stunden nach dem Einsilieren. Silos sollten deshalb sofort zugedeckt und Hochsilos mit der Silowasserpresse verdichtet werden. Obwohl sich diese Gase danach abbauen und keine Gefahr mehr für die Tiere darstellen, ist es immer ratsam, beim Öffnen aktiv zu belüften und achtsam zu sein. Das Silo sollte drei Wochen lang nicht betreten werden.

Siliermittel richtig dosieren, sonst wird’s teuer

«Siliermittel sind teuer», gibt Andreas Minder zu bedenken. Ob sich ihr Einsatz lohnt, hängt deshalb immer von der Ausgangslage und dem Risiko ab. René Bünter bringt es auf den Punkt: «Siliermittel sind eine Versicherung – sie ersetzen die goldenen Silierregeln aber nicht.»

«Ist das Ausgangsmaterial gut, braucht es keine Siliermittel. Dann läuft der Gärprozess von allein in der gewünschten Form ab», sagt Andreas Minder. Es ist immer ein Abwägen zwischen Futterqualität und Kosten. René Bünter gibt hierbei zu bedenken: «Ist es am Ende nicht günstiger, wenn man im Moment der Futterernte das Möglichste tut für gute Futterqualität, anstatt später schlechtem Futter nachzurennen?»

Wer sich für den Einsatz von Siliermitteln entscheidet, sollte unbedingt genau die Menge anwenden, die vom Hersteller empfohlen wird. «Nimmt man zu wenig, kann man es auch gleich sein lassen. Nimmt man zu viel, wird es unnötig teuer», weiss Minder aus Erfahrung.

Für alle, denen Siliermittel zu teuer sind, hat René Bünter noch einen einfachen Praxistipp: «Man kann vor dem Zudecken des Silos auch gezielt mit der Giesskanne etwas Siliermittel auf die oberste Schicht verteilen. So sind zumindest die heiklen Übergangsstellen geschützt.»

Die richtige Silogrösse

Passend dimensionierte Silos sind entscheidend für die fachgerechte und qualitätserhaltende Lagerung der Futtervorräte. Die Schweizerische Vereinigung für Silowirtschaft unterstützt Betriebe mit einem Merkblatt, einem Berechnungstool zur Dimensionierung von Gärfuttersilos sowie einer individuellen Beratung mit den erforderlichen Nachweisen für die Baueingabe.

www.silovereinigung.ch/wissen/silobau

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