Abo Ackerbau Die Bodenfeuchte ist der Schlüssel zur erfolgreichen Zwischenkultur Samstag, 23. Juli 2022 In Zusammenarbeit mit dem Kanton Thurgau und ­Ingenieurbüros startete ab August 2022 das Pilotprojekt Kompetenzzentrum Boden (Kobo) in der Gemeinde Lommis. Das Gebiet wurde ausgewählt, da es eine breite Palette verschiedenster Böden auf kleinem Raum und eine vielfältige, landwirtschaftliche Nutzungsstruktur aufweist. Im Projektgebiet werden verschiedene neue Methoden für die Kartierung von Böden getestet und optimiert.

Grundlagen für Vollzug schaffen

Die Kartierung kann mit einer Inventur verglichen werden: Hier werden die räumliche Verbreitung der Bodeneigenschaften, -typen und der Bodenqualität sowohl in der Fläche als auch in der Tiefe erfasst. Die Bodenkartierung liefert Grundlagenkarten für Vollzug und Praxis und stellt ein Vorsorgeinstrument für eine nachhaltige Nutzung der Böden dar. Bis heute fehlen in der Schweiz weitgehend räumlich und thematisch breit gefächerte Daten zur Qualität und zu den Funktionen der Schweizer Böden. Vor dem Hintergrund des neuen Sachplans Fruchtfolgeflächen (FFF) und mit der Kompensation von FFF ist eine neue Dringlichkeit für Bodenkartierungen entstanden.

Nun möchten das Kobo, das Amt für Umwelt Thurgau und das Landwirtschaftsamt verschiedene neue Bodenkartierungsmethoden testen. Als Standardkriterien werden Bodentypen, Ausgangsgesteine der Bodenentwicklung, Bodenarten, Grundwasser- und Staunässeverhältnisse oder Nährstoffhaushalt zugrunde gelegt. Aus diesen Primärdaten lassen sich zahlreiche Auswertungen, z. B. zum Wasserspeichervermögen, ableiten.

Einheitliche Normen und Standards

Abo Urs Hildebrandt istinternationaler Beraterfür Boden und Kompost. Er führt zusammen mit seiner Frau, Angelika Lübke-Hildebrandt, die Landmanagement AG in Peuerbach (A) und ist Mitinhaber der Bionika AG in Edlibach ZG. (Bild Urs Hildebrandt) Bodenfruchtbarkeit Interview mit Urs Hildebrandt: «Nur guter Kompost nützt dem Boden» Montag, 28. Juni 2021 Für den Kanton Thurgau entstehen beim Pilotprojekt lediglich Kosten für die Feldarbeit durch Ingenieurbüros (bodenkundliche Aufnahme und Feldsensorik von Bodenprofilen und Bohrungen) und für die Referenzanalysen für rund 10 bis 15 Prozent der Bodenproben. Vor dem Hintergrund, die Bodenkartierung weiterzuentwickeln, erbringt das Kobo alle weiteren Arbeiten als Service für die Kantone. Dem Kanton werden nach Abschluss des Pilotprojekts die erhobenen Daten und Auswertungen zur Verfügung gestellt.

Für Armin Keller, Leiter des Kobo, steht fest, dass durch eine nationale Fachstelle ein grosser Mehrwert geschaffen wird. Methoden und Instrumente müssen nicht 26 Mal separat entwickelt werden. Einheitliche Normen und Standards gewährleisten die Vergleichbarkeit über die Kantonsgrenzen hinweg. Im nationalen Forschungsprogramm habe man die Investition in eine landesweite Bodenkartierung mit umfangreichen Recherchen abgeschätzt.

«Wir kamen zum Schluss, dass jeder Franken, der für die Erhebung von Boden­informationen investiert wird, im Durchschnitt einen Mehrwert von rund 6 Franken generiert.» Exakt berechnen lasse sich der Nutzen nicht. Weil die Präventionskosten aber bei der Bodenkartierung anfallen und die Gewinne in anderen Bereichen – im Sinne von vermiedenen Schadenskosten –, werde der Bodenschutz als Luxus angesehen, was er keinesfalls sei, so Keller.

Aufwändige Erhebungen

Christoph Matejka, Mitarbeiter am Pilotprojekt Bodenkartierung vom Amt für Umwelt, erklärte anlässlich einer Medienorientierung das Vorgehen für die Kartierung. Mittels Handbohrer wird der Aufbau der Böden bis in einen Meter Tiefe untersucht und bodenkundlich beschrieben. Wo möglich kommt ein neuartiges Bohrfahrzeug zum Einsatz, mit dem Bodenproben bis in eine Tiefe von 1,2 Meter entnommen werden. Die Bohrlöcher haben einen Durchmesser von 5 bis 8 cm und werden wieder mit Material aufgefüllt. An wenigen ausgewählten Standorten werden Bodenpro­file mit einem kleinen Bagger ausgehoben.

Abo Nicht nur in Ackerböden sollte auf die Struktur und Zusammensetzung der Mineralstoffe mehr geachtet werden. Auch im Futterbau gibt es Potenzial für eine bessere Bodenfruchtbarkeit. (Bild js) Pflanzenbau Regenerative Landwirtschaft: Bauern sollen Böden besser kennen Samstag, 6. März 2021 Achim Kayser, Amt für Umwelt, und Bruno Arnold, Landwirtschaftsamt, erklärten, dass von den ersten Erkundungsbohrungen bis zur Beendigung der Feldarbeiten rund sechs bis acht Wochen veranschlagt sind. Bodenkundliche Eigenschaften und Merkmale werden im ganzen Untersuchungsgebiet erhoben und den Bewirtschaftern und dem Kanton zur Verfügung gestellt. Die erhobenen Daten sowie die Boden- und Anwenderkarten werden für das Geoportal des Kantons aufbereitet. Zusätzlich werden in Absprache mit dem Kanton verschiedene Anwenderkarten für Bodenfunk­tionen (z. B. Wasserspeicher- und Nährstoffspeichervermögen) und Bodengefährdungen (z. B. Verdichtungsempfindlichkeit) erstellt.

Nutzen für Landwirte

Im Frühjahr 2023 werden die Ergebnisse präsentiert. Einwände seitens der Bauern waren in erster Linie Bedenken bezüglich Nutzungseinschränkungen auf den Flächen. Diese konnten im bilateralen Austausch aber grösstenteils geklärt werden, sagte Bruno Arnold. Grundsätzlich würden von den Bauern die Kosten kritisiert und der Nutzen für den einzelnen Betrieb angezweifelt. Tatsächlich liege der Nutzen in erster Linie bei Bund und Kanton.

«Alle Landwirte, die ihre Bodenprofile besichtigt und sich auf eine Diskussion mit den Bodenkundlern eingelassen hatten, konnten bereits jetzt interessante Erkenntnisse über ihre Böden gewinnen.»

Bruno Arnold, Landwirtschaftsamt Kanton Thurgau

Wenn im nächsten Jahr die Anwendungskarten vorliegen, werde man bestimmt noch weitere Bauern überzeugen können.