Kupferzikade hat sich im Tessin etabliert und könnte Goldgelbe Vergilbung übertragen

Im Kanton Tessin gibt es eine erste Population der Kupferzikade (Jikradia olitoria). Es gilt als wahrscheinlich, dass sie bald zum Krankheitsvektor in Rebbergen wird.

Fangaktionen von Agroscope in den Jahren 2023 und 2024 haben das Vorkommen von Jikradia olitoria – zu Deutsch Kupferzikade oder Amerikanische Grossaugenzikade – in Rebbergen und daran angrenzenden Waldrändern im Tessin bestätigt.

Bisher war eine andere Vektorzikade bekannt

Wie die Forschungsanstalt mitteilt, gilt das Insekt in seiner Ursprungsregion in Nord- und Zentralamerika als Krankheitsvektor. Es überträgt Phytoplasmen (zellwandlose Bakterien), die bei Reben eine Vergilbung verursachen – darunter die Goldgelbe Vergilbung (Flavescence dorée). Diese tritt in der Schweiz bereits im Tessin, einem Teil des bündnerischen Misox, im Waadtland, Wallis und in Genf auf.

Die Goldgelbe Vergilbung ist hierzulande als Quarantäneorganismus melde- und bekämpfungspflichtig. Sie kann zum Absterben der betroffenen Rebstöcke führen. Bisher ist eine andere Zikade – Scaphoideus titanus, die Amerikanische Rebzikade – hierzulande als Vektor bekannt.

Zuerst in Giornico eingeschleppt

Die Kupferzikade ist laut den Forschenden von Agroscope kein wandernder Besucher mehr, sondern kann ihren Lebenszyklus in den hiesigen Rebbergen vollständig schliessen. Dabei bevorzugt die Art offenbar älteres Stammholz. Im Tessiner Ort Giornico in der Talsohle der Laventina fand man eine grössere Population.

Es könnte daher sein, dass die Kupferzikade zuerst hierher eingeschleppt worden ist. Zumal in der Nähe eine transalpine Autobahn Italien mit Nordeuropa verbindet und der Güterverkehr durch die Region rollt.

Andere Gehölze als Phytoplasmen-Reservoirs

Die Untersuchungen von Agroscope wiesen bei den bisher gefangenen Exemplaren der Kupferzikade keine problematischen Phytoplasma-Stämme nach. Da sich das Insekt aber in einem grösseren Gebiet aufhält und ausserdem wandert, gilt es als wahrscheinlich, dass die Zikaden den Krankheitserreger früher oder später zufällig aufnehmen.

Gehölze wie Erlen oder verwilderte Reben tragen nämlich Phytoplasmen, die die Goldgelbe Vergilbung auslösen können. «Angesichts der Parallelen mit der frühen Ausbreitung der Amerikanischen Rebzikade, die auch zuerst sporadisch nachgewiesen und später zum Hauptvektor wurde, könnte die Kupferzikade ein ähnliches Risiko darstellen», heisst es in der Studie von Agroscope. Dies unter der Voraussetzung, dass passende ökologische und epidemiologische Bedingungen zusammenkommen.

Überwachung auch anderer Arten ist wichtig

Die Studienautoren betonen die Wichtigkeit der Überwachung von Schädlingen. Das Monitoring müsse über die Amerikanische Rebzikade hinaus weitere potenziell problematische Insektenarten abdecken, die bisher oft ausser Acht blieben.

So hätten andere eingeschleppte Zikaden das untersuchte Gebiet im Tessin schnell besiedelt. Eine davon – die Orientzikade – sei ein zusätzlicher Player in der Epidemiologie der Goldgelben Vergilbung geworden und nehme auch andere Phytoplasmen auf (z. B. den Erreger der Ulmenvergilbung).

Eine frühe Beurteilung des Risikos halten die Forschenden für entscheidend, da das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Zikadenarten und Wirtspflanzen ein Reservoir an krankheitserregenden Phytoplasmen aufrechterhalten könne.

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