Auf dem Betrieb von Tanja Bachmann – einer Betriebsgemeinschaft mit rund 60 Milchkühen, Aufzucht und etwa 60 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche – sind Ackerschonstreifen seit 2015 Teil des Bewirtschaftungssystems. Neben verschiedenen Acker- und Futterkulturen leisten sie einen festen Beitrag zur Biodiversitätsförderung.
Eine knappe halbe Hektare
Die Ackerschonstreifen liegen auf einer knapp halben Hektare grossen Fläche, umgeben von Hecken und Bäumen. Die Fläche gewann bei den Zürcher Ackerflora-Meisterschaften 2025 die Auszeichnung für die meisten Ackerbegleitpflanzen im Kanton.
«Die Herausforderung ist, die Kulturen sinnvoll zu wechseln», beschreibt Tanja Bachmann die Situation. «Zwischenfrüchte sind nicht immer einfach umzusetzen, aber notwendig, um das System stabil zu halten.»
Trotz reduzierter Bewirtschaftungsintensität erfordern die Flächen eine konsequente Pflege. Blacken werden gestochen, Disteln geschnitten oder geköpft. «Ganz ohne Arbeit geht es nicht», heisst es aus der Praxis.

Mehr Fläche, mehr Erfahrung
Zwischen 2022 und 2024 hat sich die Fläche der angemeldeten Ackerschonstreifen mehr als verdreifacht – von 425 auf insgesamt 1395 Hektar, wie Theres Rutz vom Departement für Beratung, Bildung und Kommunikation am FiBL aufzeigte.
Das Wachstum war sowohl im konventionellen als auch im biologischen Landbau deutlich. Zwar sind Ackerschonstreifen auf Biobetrieben nach wie vor stärker verbreitet, inzwischen haben sie sich jedoch auch im konventionellen Ackerbau etabliert.
Zum Flächenzuwachs beigetragen hat vermutlich auch die angekündigte, später jedoch nicht eingeführte Vorgabe von 3,5 Prozent Acker-BFF. Sie dürfte das Bewusstsein für gefährdete Ackerlebensräume und die Ackerflora dennoch geschärft haben.
Austausch ist ein Erfolgsfaktor
Mit der wachsenden Verbreitung steigt auch der Bedarf an Erfahrungsaustausch. Die Verbindung von Produktion, Biodiversitätsförderung und betrieblicher Umsetzbarkeit stellt viele Betriebe vor praktische Herausforderungen. «Der Austausch zwischen Beratung und Betrieben ist deshalb ein zentraler Erfolgsfaktor», betonte Theres Rutz.

Lebensraum zwischen den Kulturen
Die grundlegende Idee hinter Ackerschonstreifen ist klar: Innerhalb der Ackerfläche wird die Bewirtschaftung gezielt angepasst, damit typische Ackerbegleitpflanzen wie der Acker-Rittersporn oder der Venus-Frauenspiegel sowie die darauf angewiesenen Tiere Lebensraum und Nahrung finden. Seit 1999 werden Ackerschonstreifen im Rahmen des ÖLN gefördert, allerdings wurden sie lange Zeit nur punktuell umgesetzt.
Heute gewinnen sie an Bedeutung, weil Lebensräume für Insekten, Vögel und weitere Nützlinge zunehmend unter Druck stehen. Ackerbegleitpflanzen liefern wichtige Nahrungsressourcen für Insekten, blühen oft zu Zeiten mit geringem Blütenangebot und bieten zahlreichen Nützlingen Lebensraum. Damit tragen sie auch zur natürlichen Schädlingsregulierung bei und wirken sich positiv auf Boden und Mikroklima aus.
Gemäss den Vorgaben der Direktzahlungsverordnung (DZV) können einzelne Streifen oder ganze Ackerflächen angemeldet werden. Besonders zu Beginn wird häufig empfohlen, Teilflächen oder Randstreifen einzurichten. Voraussetzung ist eine Mindestdauer von zwei Jahren. Die Beiträge liegen bei rund 2300 Franken pro Hektare (Qualitätsstufe I) sowie zusätzlich bei etwa 1000 Franken pro Hektare für Vernetzungsleistungen.
«Man muss das Potenzial eines Standorts wirklich lesen»
Für Jessica Käser beginnt die Beurteilung bereits lange vor der Umsetzung. Als selbstständige Ökologin unterstützt sie Betriebe dabei, geeignete Flächen zu identifizieren.
«Man muss sehr genau hinschauen, wo sich eine Extensivierung lohnt», sagt sie. «Flächen mit starkem Unkrautdruck sind oft keine gute Ausgangslage.»
Geeignet seien eher Standorte mit wechselnder Bodenstruktur, leichten Senken und Hügeln oder südexponierte Lagen. Auch durchlässige oder kalkhaltige Böden sowie Grenzertragsflächen könnten Potenzial bieten. Hinweise liefern zudem Flächen mit vielen Vögeln, typischen Ackerbegleitpflanzen, Ameisenhügeln oder Wildschweinschäden am Feldrand.
Wichtig sei dabei die Unterscheidung zwischen problematischen Unkräutern und der Begleitflora. «Nicht alles, was wächst, ist automatisch problematisch und ertragswirksam – es kommt auf die Bewertung an», so Jessica Käser. Problematisch sind meist nur wenige Arten wie Blacken, Ackerkratzdisteln, Klettenlabkraut oder Quecken. Durch regelmässige Kontrolle, gezielte Bekämpfung und eine angepasste Fruchtfolge lassen sie sich auch in Ackerschonstreifen regulieren. Bei Distelnestern kann beispielsweise mit schwarzer Folie gearbeitet werden, um die Pflanzen gezielt zu ersticken.
Ein Beispiel für eine bedrohte Ackerbegleitpflanze auf der besichtigten Fläche von Tanja Bachmann ist der Acker-Rittersporn. Er blüht erst nach der Ernte und bildet seine Samen in der Stoppelbrache aus. Damit sich die Art erfolgreich vermehren kann, müssen die Felder nach der Ernte einige Wochen stehenbleiben und sollten nicht unmittelbar umgebrochen werden. Das gilt auch für weitere seltene Ackerbegleitpflanzen.

Fruchtfolge zwischen Bodenfruchtbarkeit und Markt
Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs war die Fruchtfolgegestaltung. Barbara Stäheli vom Strickhof ordnete die Bedeutung der Fruchtfolge im Spannungsfeld von Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und betrieblichen Gegebenheiten ein. «Die Fruchtfolge muss sowohl den gesetzlichen Vorgaben als auch den Gegebenheiten auf dem Betrieb gerecht werden», erklärte sie.
Fruchtfolgen sind sowohl im ÖLN als auch im Biolandbau ein zentrales Instrument, um Böden gesund zu erhalten und Anbausysteme langfristig stabil zu halten. Vorgaben zu Kulturanteilen, Anbaupausen und Bodenbedeckung sollen einseitige Fruchtfolgen vermeiden und die Bodenfruchtbarkeit sichern.
Bei der Wahl der Kulturen spielen jedoch nicht nur pflanzenbauliche Anforderungen eine Rolle. Auch Markt und Nachfrage beeinflussen die Planung. «Die Nachfrage nach den Produkten ist für die Fruchtfolgeplanung entscheidend», sagte Stäheli. Im Zusammenhang mit der Ackerfloraförderung ist zudem entscheidend, welche Kulturen den seltenen Ackerbegleitpflanzen geeignete Bedingungen bieten.
Ackerbohnen und Lein eignen sich nach ihrer Einschätzung gut, sofern sie früh gesät werden. Hirse wird dagegen aufgrund der geringen Nachfrage sowie ihrer späten und konkurrenzstarken Keimung eher kritisch beurteilt. Eiweisserbsen und Gerste bilden dichte Bestände und bieten dadurch weniger günstige Bedingungen für bestimmte Ackerbegleitpflanzen. Bei Roggen hängt die Eignung stark vom jeweiligen Absatzmarkt und den betrieblichen Voraussetzungen ab.


