«Bei Beerenkulturen ist Bewässerung immer ein wichtiges Thema», erklärt Landwirt Leo Steinbacher. Gleichzeitig befindet sich sein Betrieb in Bürglen TG an einem Standort, der weder an einen See noch ans Grundwasser angeschlossen ist. Der Betrieb ist auf Netzwasser angewiesen, dessen Verfügbarkeit besonders in den trockenen Jahren nicht unproblematisch ist. Dies sei auch der Grund für seine Teilnahme am Ressourcenprojekt «Integrales Wassermanagement Thurgau» (mehr Informationen zum Projekt im Kasten).
Praxis beruht auf Erfahrungswerten
«Ich bin sehr daran interessiert, welche Massnahmen ich auf meinem Betrieb umsetzen kann, um das Wasser grundsätzlich länger im Boden zu halten und um unsere Bewässerungstechniken zu verbessern», erklärt Leo Steinbacher. Der Landwirt beschäftigt sich schon lange mit der Bewässerung seiner Kulturen, zu denen nebst den Johannisbeeren auch Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Kürbisse zählen.
Jedoch beruhe seine Praxis bislang nur auf Erfahrungswerten, meint er. Er sei an einer wissenschaftlichen Betrachtung der Thematik interessiert, um allenfalls neue Erkenntnisse für seinen Anbau zu gewinnen. Bislang erhebt Leo Steinbacher Daten zu der verbrauchten Wassermenge, zum Zeitpunkt der Bewässerung und der bewässerten Parzelle.
Sensoren helfen bei Bewässerungsentscheidungen
Zur Steuerung der Bewässerung greift er auf Sensoren im Boden zurück. Die Sensoren sind in regelmässigen Abständen auf den Parzellen eingegraben und messen die dort herrschende Saugspannung in Hektopascal. Diese gibt an, welche Saugkraft die Kulturen aufbringen müssen, um Wasser aufzunehmen. «Unsere Bewässerungsentscheidungen beruhen schon seit mehreren Jahren auf Sensordaten», erklärt Steinbacher. Diese können nun auch im Rahmen des Projektes genutzt werden.


In dieser Phase sei es den Beratern besonders wichtig, das Know-how der Betriebe einzubeziehen und genau zu schauen, wie die Bewässerung bislang gemanagt werde, erklärt Philipp Zürcher vom thurgauer BBZ Arenenberg, der den Betrieb berät und mitverantwortlich für das Ressourcenprojekt ist.
«Uns ist es besonders wichtig, immer gemeinsam mit den Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern zu schauen, welche Massnahmen bereits umgesetzt werden, und wo noch Potenzial besteht», sagt Zürcher.

Demnach haben sich Berater und Landwirt auf dem Betrieb Steinbacher dafür entschieden, auch Massnahmen zur Bodenverbesserung umzusetzen. Ein Beispiel dafür sei die Ausbringung von Kompost auf den Parzellen. Dessen Struktur wirkt sich positiv auf die Wasserhaltefähigkeit des Bodens aus. Beim Anpflanzen der Kürbisse komme zudem eine besondere Einschwemmtechnik zum Einsatz. Leo Steinbacher erklärt: «Während der Pflanzung wird jede Pflanze automatisch direkt mit einem Deziliter Wasser versorgt. Das reicht den Kürbispflanzen für den Start.»
Die bewirtschafteten Böden des Betriebs sind mittelschwer, das heisst, sie können das Wasser zwei bis drei Wochen halten, wenn auf eine Bearbeitung mit dem Pflug verzichtet wird und der Boden möglichst durchgehend begrünt bleibt. Auf den Kürbisparzellen arbeitet Steinbacher mit biologisch abbaubarer Folie, die zwischen den Reihen ausgelegt wird.
Folien halten Verdunstungswasser länger verfügbar
«Es dauert zwischen sechs und acht Wochen nach der Pflanzung, bis der Kürbis den Boden bedeckt. Durch den Einsatz der Folie können wir einer Verdunstung des Wassers entgegenwirken. Die Feuchtigkeit sammelt sich an der Folie und steht dem Boden weiter zur Verfügung», erklärt der Landwirt. Da Kürbisse auch längere Zeiträume ohne Wasser kompensieren können, werden sie nicht aktiv bewässert.
Sind die Trockenperioden zu lang, kommt auf den Kürbisparzellen die Über-Kopf-Bewässerung mit Sprinkleranlagen zum Einsatz. Da der Kanton Thurgau kein klassisches Trockengebiet sei, lohne es sich nicht, die Tröpfchenbewässerung für die Kürbisse dauerhaft zu installieren. «Im Schnitt haben die Kürbisse bei uns nur alle vier bis fünf Jahre Bewässerungsbedarf», ordnet Leo Steinbacher ein. Zur Wasserspeicherung könnte man auch einen Teich bauen, dem man bei Bedarf Wasser entziehen kann, sagt Steinbacher. Allerdings wäre dies mit mehr Aufwand verbunden.
Agroforst-Systeme und Keyline-Design sorgen für Veränderungen
Beliebt seien Massnahmen, die leichter umzusetzen sind, bestätigt Philipp Zürcher. Dazu zählen etwa die pfluglose Bodenbearbeitung oder die Ausbringung von Kompost. Weniger beliebt seien Agroforstsysteme sowie das Keyline-Design, also eine intelligente Regenwasserführung entlang von Höhenlinien, sagt Zürcher.
Er erklärt: «Hier ist die Resonanz sehr überschaubar. Weil diese Massnahmen mit grösseren Veränderungen einhergehen, haben viele Betriebsleiter Bedenken. Dennoch versuchen wir, eine gewisse Streuung der Massnahmen über die Betriebe und den Kanton hinweg zu erreichen.»

Das Thema Wasserknappheit und Bewässerung habe sich in den letzten Jahren zweifelsohne verschärft, nicht zuletzt sei dies auch der Grund für die Lancierung des Ressourcenprojektes. «Früher war unsere Region geprägt von Futterbau- und Streuobstflächen. Mittlerweile gibt es mehr bewässerungsintensiven Gemüse- und Obstbau. Da wir hier auf das Netzwasser von der Gemeinde angewiesen sind, ist eine gute Absprache sowohl unter den Produzenten, als auch mit den Netzbetreibern notwendig, denn das Wasser ist primär für die Versorgung von Privathaushalten vorgesehen», gibt Philipp Steinbacher zu bedenken.
Am Morgen habe er vonseiten der Gemeinde das OK zum Bewässern bekommen, erzählt er. Bis 16 Uhr können die Kulturen gewässert werden, danach muss er den Hahn wieder zudrehen, damit die Versorgung der Menschen gewährleistet ist, die nach und nach von der Arbeit nach Hause kommen.

Vorsichtig schiebt er die Blätter und Rispen voller Johannisbeeren zur Seite. Der Blick wird frei auf die Schläuche der Tröpfchenbewässerung, die er für all seine Beerenkulturen nutzt. Das Wasser wird von vier Hydranten aus über 2 km langen Kopfleitungen ans Feld geführt. Dort verteilt sich dann auf das 60 km lange Leitungsnetz und über die Tropfschläuche in die Beerenkulturen.
Die Gemeinde kann nur eine bestimmte Wassermenge pro Stunde zur Verfügung stellen. Diese Zusammenarbeit sei über die letzten Jahre gewachsen und habe sich bewährt.
Koordination zwischen Produzenten und Wasserversorgern
Was erhofft sich Leo Steinbacher von der Teilnahme am Ressourcenprojekt? «Technischen Fortschritt im Rahmen des Datenmanagements. Wir müssen durch die Absprache viel telefonieren. Gäbe es eine gemeinsame App, in der der Wasserverbrauch beziehungsweise die Wasserverfügbarkeit ersichtlich wird, wäre das eine gute Sache», erklärt er. Dies sei ein wichtiger Punkt, fügt Philipp Zürcher hinzu: Die Verbesserung der regionalen Koordination spreche als hochgewichtetes Projektziel genau dies an.
Sommerserie «Dem Wasser nach»
Hitzestress und Trockenheit im Sommer machen der Landwirtschaft zu schaffen. Neue Lösungen müssen her, denn immer wieder kommt es vor, dass Kantone ein Wasserentnahmeverbot für Flussgewässer verfügen. Deshalb stellen wir in unserer Sommerserie innovative Bewässerungsprojekte vor.
Betriebsspiegel Steinbacher Beeren
Betriebsleiter: Leo Steinbacher mit Ehefrau Karin
LN: 26 ha, davon 5 ha Johannisbeeren, 2 ha Erdbeeren, 1 ha Himbeeren, 0,5 ha Brombeeren, 12 ha Kürbis (teils auf zugepachteten Flächen angebaut), etwas Getreide und Mais sowie Extensivflächen
Fruchtfolge: Erdbeeren, Mais, Kürbis, Getreide
Webseite: www.steinbacherbeeren.ch
Ressourcenprojekt Integrales Wassermanagement
Der Kanton Thurgau lancierte 2025 das Ressourcenprojekt «Integrales Wassermanagement Thurgau», das mit finanzieller Unterstützung des Bundesamtes für Landwirtschaft umgesetzt wird. Der Arenenberg begleitet dieses Jahr 16 Pilotbetriebe unterschiedlichster Ausrichtung im Acker- und Futterbau und in den Spezialkulturen, die im Hinblick auf ihre Bewässerungsstrategien anhand von fünf Massnahmengruppen über die nächsten Jahre beraten werden. Diese sind:
- Die Koordination des regionalen Wasserdargebotes verbessern,
- das Wassermanagement auf Betriebsebene verbessern,
- das Wassermanagement auf Parzellenebene verbessern,
- die Wasserverfügbarkeit sichern und
- die Bewässerungseffizienz erhöhen.
In den nächsten drei Jahren kommen jeweils 10 weitere Betriebe hinzu, insgesamt sind 46 Projektbetriebe vorgesehen. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von Agroscope und der Ostschweizer Fachhochschule. Die Umsetzungsphase des Projekts dauert bis ins Jahr 2030. Anschliessend erfolgt die Auswertung und die Interpretation der Ergebnisse und der Abschluss des Projektes per Ende 2032. Weitere Informationen unter: www.iwmtg.ch und unter www.arenenberg.tg.ch

