Noch sind nicht alle Kartoffeln auf Schweizer Feldern gegraben. Basierend auf Hochrechnungen aus repräsentativen Probegrabungen hat Swisspatat erwartet, dass die heurige Ernte zwar historisch klein ausfallen, jedoch von guter Qualität sein wird. Das hat sich grundsätzlich bestätigt. Dies vor allem bezüglich der äusseren Qualität, erklärt Christian Bucher, Geschäftsführer der Branchenorganisation. «Abweichungen gibt es bei den Stärkegehalten, die nicht immer den erwarteten Werten entsprechen», ergänzt er.
Manchmal reicht es auch nicht mehr für Rösti
Trotzdem ist von Posten zu hören, die zurückgewiesen werden. «Allgemein kann ich sagen, dass die Abnehmer aufgrund der tiefen Erntemengen aktuell versuchen, für alle Posten eine Verwendungsmöglichkeit zu finden», hält Christian Bucher fest.
Ende August hatte Swisspatat über ein Massnahmenpaket informiert, das unter anderem angepasste Kalibergrenzen und Toleranzschwellen umfasste. Es gebe trotzdem keine Garantie, dass jeder Posten auch tatsächlich verwendet werden kann, bemerkt Bucher.
«Gerade wenn beispielsweise die Stärkewerte sehr tief sind, eignen sich die Kartoffeln gegebenenfalls nicht einmal mehr für die Röstiproduktion», gibt er zu bedenken. Allerdings würden in diesem Jahr viele Firmen auch Ware ins Produzentenlager nehmen, die die Qualitätsanforderungen nicht erfüllten.
Mehr Ertrag dank Bewässerung
Bei den meisten Beanstandungen ist laut Swisspatat ein zu tiefer Stärkegehalt das Problem. Detaillierte Angaben dazu, welche Sorten oder Anbausysteme in diesem Extremsommer besonders betroffen waren, kann die Branchenorganisation nicht machen. Es hat sich allerdings bereits in den Probegrabungen gezeigt, dass bewässerte Felder im Mittel 55 Prozent mehr Ertrag lieferten als Parzellen, die nicht mit zusätzlichem Wasser versorgt werden konnten.
Genug Kartoffeln im Ausland für den Import
Aufgrund der insgesamt kleinen Ernte 2026 rechnet Swisspatat mit einer Fehlmenge von 130 000 t Kartoffeln. Es braucht für die Versorgung des Schweizer Marktes entsprechende Importe. «Diese Mengen sind im Ausland vorhanden», gibt Christian Bucher Auskunft. Die Versorgung mit Kartoffeln sei demnach sichergestellt. Zwar fielen auch in den umliegenden Ländern die heurigen Kartoffelernten kleiner aus als sonst, räumt Bucher ein. «Die Fehlmenge der Schweiz ist im Vergleich zum europäischen Gesamtmarkt jedoch sehr gering, weshalb diese dort nicht stark ins Gewicht fällt», schildert er.
Die Importkampagne sei gerade angelaufen, so Bucher weiter. Daher könne er die Frage nach den Herkunftsländern noch nicht abschliessend beantworten. «Wir gehen aber davon aus, dass es die gleichen Länder wie üblich sind», sagt der Swisspatat-Geschäftsführer. Kartoffelimporte dürften demnach vor allem aus Deutschland, den Niederlanden und Frankreich stammen.
Reale Chancen auf dem Markt
Die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) hat im Auftrag von Swisspatat und mit Unterstützung von IP-Suisse sowie Denner und dem Bundesamt für Landwirtschaft untersucht, ob robuste Kartoffelsorten Chancen auf dem Markt haben. Die Branche setzt grosse Hoffnungen für einen nachhaltigeren Anbau und stabilere Ernten in diese Sorten. Gemäss der Studie überzeugen sie Konsument(innen) auch sensorisch, wie die HAFL mitteilt. Insbesondere zwei mehligkochende Sorten seien von den 80 Testteilnehmenden positiv beurteilt worden. Informationen zu Umweltvorteilen und Widerstandsfähigkeit der Knollen hätten die Kaufbereitschaft zusätzlich erhöht.
Die drei festkochenden Sorten im Test mundeten aber weniger, Geschmack und Textur konnten nicht mit der bekannten Referenz mithalten. «Hier müssen weitere Tests mit neuen Sorten folgen», sagt HAFL-Experte Stefan Vogel.
Denner verteilt Anfang 2027 kostenlose Produktproben robuster Kartoffelsorten an seine Kundschaft. Diese gibt ihre Einschätzung ab bezüglich Qualität, Geschmack und Kaufbereitschaft. Wenn die Knollen die Kundenbedürfnisse erfüllen sowie preislich attraktiv sind, sieht der Discounter darin ein «vielversprechendes Potenzial für die Weiterentwicklung des Sortiments», so die Mitteilung.

