Nach Rind und Pferd: Shamonda-Virus erstmals bei einem Menschen nachgewiesen

In Frankreich wurde das Shamonda-Virus bei einem stark immungeschwächten Patienten festgestellt, der Anfang Oktober gestorben ist. Es ist der erste dokumentierte Fall beim Menschen. Für die Bevölkerung sehen die Behörden derzeit kein Gesundheitsrisiko.

Das Shamonda-Virus galt bisher als nicht auf den Menschen übertragbar. Am 22. Oktober haben das französische Gesundheits- und das Landwirtschaftsministerium in einer gemeinsamen Mitteilung den ersten Nachweis bei einem Menschen bekannt gegeben. Betroffen war ein Patient mit einer schweren Immunschwäche. Er wurde wegen einer schweren Erkrankung in den Hospices civils de Lyon, dem Universitätsspital von Lyon, Frankreich, behandelt und ist Anfang Oktober gestorben.

Nach den bisherigen Abklärungen hängen die Komplikationen im Gehirn, die vor seinem Tod auftraten, sehr wahrscheinlich mit der Infektion zusammen. Wie sich der Patient angesteckt hat, ist noch nicht abschliessend geklärt. Die Behörden gehen derzeit davon aus, dass er im Osten Frankreichs von einer Gnitze gestochen wurde. In dieser Region war das Virus im Frühling und Sommer 2026 bei Tieren nachgewiesen worden.

Laut dem französischen Landwirtschaftsministerium weist der Fall Gemeinsamkeiten mit Infektionen durch andere Orthobunyaviren beim Menschen auf, etwa mit dem Oropouche-Virus. Auch dort wurden Schäden am Nervensystem beschrieben, besonders bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem.

Zuerst bei Rindern, dann bei Pferden

Ab Juli 2026 erkrankten in der Schweiz, in Frankreich und in Süddeutschland gehäuft Rinder an Fieber und Durchfall, oft verbunden mit einem deutlichen Rückgang der Milchleistung. Die Ursache war zunächst unklar, anfänglich wurde die Hitze vermutet. Am 31. Juli wies das Institut für Virologie und Immunologie (IVI) in Proben von Schweizer Rindern Viren der Simbu-Gruppe nach. Anfang August meldeten das IVI und das deutsche Friedrich-Loeffler-Institut gleichzeitig ein neuartiges Orthobunyavirus. Es wurde zuerst als «Shamonda-like»-Virus bezeichnet, also als dem Shamonda-Virus ähnlicher Erreger. Später wies das IVI das Virus auch in mehreren abortierten Rinderföten nach.

Seit Ende Juli meldeten zudem die Pferdekliniken der Vetsuisse-Fakultät in Bern und Zürich auffällig viele Pferde mit neurologischen Symptomen. Auch hier blieb die Ursache wochenlang offen. Ende August wies das IVI das Virus schliesslich im Hirn von vier verstorbenen Pferden nach. Fast gleichzeitig gelang auch in Deutschland ein Nachweis bei einem Pferd.

Das Shamonda-Virus gehört zu den Orthobunyaviren und wird von Gnitzen der Gattung Culicoides übertragen. Es ist eng verwandt mit dem Schmallenberg-Virus. Mitte der 1960er-Jahre wurde es erstmals in Nigeria entdeckt. Seither trat es vereinzelt bei Rindern in West-, Ost- und Südafrika sowie in Japan auf. Vor 2026 war es in Europa nie nachgewiesen worden.

In Frankreich waren gemäss dem Landwirtschaftsministerium Rinderbetriebe in den Departementen Doubs, Jura, Savoie, Haute-Savoie und Ain betroffen. Rinder gelten als Hauptwirte. In Frankreich wurden diesen Sommer zudem vereinzelte Infektionen bei kleinen Wiederkäuern und bei Pferden festgestellt.

Keine Hinweise auf Übertragung über Lebensmittel

Trotz jahrzehntelanger Verbreitung des Virus in Afrika und Asien war bisher kein Fall beim Menschen dokumentiert. Die Behörden sprechen von einem Ausnahmefall bei einem stark immungeschwächten Patienten. Nach dem heutigen Wissensstand sehen sie für die Gesamtbevölkerung kein Gesundheitsrisiko. Laut dem Landwirtschaftsministerium gibt es zudem keine wissenschaftlichen Daten, die eine Übertragung über Fleisch, Milch oder Milchprodukte belegen.

Frankreich hat die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) informiert. Die klinischen, biologischen und epidemiologischen Abklärungen gehen weiter. Sie folgen dem Ansatz «One Health», bei dem Fachleute aus Human- und Tiermedizin sowie aus dem Umweltbereich zusammenarbeiten.

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