Das Projekt «Slow Water» unterstützt Landwirtschaftsbetriebe dabei, Wasser länger auf ihren Flächen zu halten und sich besser auf Trockenperioden vorzubereiten. Das gemeinsame Ressourcenprojekt der Kantone Basel-Landschaft und Luzern mit dem Bundesamt für Landwirtschaft läuft von 2024 bis 2029. Aktuell beteiligen sich in den beiden Kantonen zusammen fast 90 Betriebe. «Das Interesse der LandwirtInnen am Projekt ist hoch. Es werden regelmässig neue Betriebe ins Projekt aufgenommen und bei der Umsetzung von Massnahmen zum Wasserrückhalt unterstützt», sagt Sereina Grieder vom Ebenrain-Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung in Sissach BL.
Sereina Grieder begleitet Betriebe bei der Entwicklung und Umsetzung individueller Massnahmen. Im Zentrum steht eine individuelle Beratung direkt auf dem Betrieb. Zunächst wird angeschaut, wo auf dem Betrieb Handlungsbedarf besteht: bei der Wasserverfügbarkeit, beim Wasserbedarf, bei Trockenheit oder Erosion. «Die Massnahmen werden zusammen mit dem Betriebsleiter/ der Betriebsleiterin vor Ort besprochen und entwickelt», so Grieder. Häufig bringen die Landwirtinnen und Landwirte bereits eigene Ideen mit, beispielsweise zur Sammlung von Dachwasser. Diese werden anschliessend mit weiteren Vorschlägen aus der Slow-Water-Beratung ergänzt. Das Ziel ist es, ein betriebsindividuelles Konzept zu entwickeln.
Welche Massnahmen konkret umgesetzt werden, unterscheidet sich je nach Region und Betrieb. Im Kanton Baselland wurden unter anderem Wasserspeicher wie Teiche und Tanks gebaut, Versickerungsgräben angelegt sowie Hecken und Bäume gepflanzt. Bei den Bewirtschaftungsmassnahmen sind mehrjährige Kunstwiesen, Mischungen mit Luzerne und bodenschonende Bearbeitungsverfahren gefragt. Im Luzerner Projektperimeter wurden zudem mehrere Keylines im Grünland realisiert. «Die Keylines halten Regenwasser zurück , lassen es in den Gräben versickern und leiten es gezielt weiter», erklärt Grieder.

«Der Sommer 2026 zeigt einmal mehr, dass der Wasserrückhalt in Zukunft sehr wichtig sein wird.»
Sereina Grieder, Ebenrain
Wasser auf dem eigenen Betrieb speichern
Eine Möglichkeit ist die Speicherung von Regenwasser auf dem eigenen Betrieb. Das kann insbesondere für Betriebe interessant sein, die in Trockenperioden auf Bewässerungswasser angewiesen sind. Auch im Stall lässt es sich als Brauchwasser einsetzen. «Das Regenwasser kann während niederschlagsreichen Perioden gesammelt und gespeichert werden, um es später in Trockenzeiten zu nutzen. Dadurch lässt sich der Wasserbezug aus kommunalen Trinkwasserversorgungen, eigenen Quellen oder Gewässern reduzieren», sagt Sereina Grieder.
Allerdings sind Wasserspeicher mit erheblichen Investitionen verbunden. «Im Hinblick auf die Kosten für den Wasserbezug aus dem Trinkwassernetz rechnen sich solche Investitionen häufig nicht», weiss Grieder. Für Betriebe, die langfristig auf Bewässerungswasser angewiesen sind, könnten sie aber eine Investition für die Zukunft darstellen. «Es ist unsicher, ob der Bezug von grösseren Wassermengen zur Bewässerung aus öffentlichen Wasserversorgungen zukünftig in Trockenperioden jederzeit möglich sein wird», so Grieder.
Die Kosten lassen sich unter Umständen reduzieren, wenn der Wasserspeicher mit anderen Bauvorhaben kombiniert wird, beispielsweise wenn ein Regenwassertank bei einem Stallneubau integriert wird. Speicherteiche sind in der Regel deutlich günstiger als betonierte Tanks oder Silos.
Betriebe, die am Projekt teilnehmen, werden finanziell von Bund und Kantonen unterstützt. Es werden sowohl bauliche als auch bewirtschaftungstechnische Massnahmen gefördert. Bei baulichen Massnahmen erhalten die Betriebe einen Beitrag an die Investitionskosten, in der Regel rund 60 Prozent, wobei Obergrenzen gelten. Für einen Regenwasserspeicher beträgt die Unterstützung beispielsweise maximal 200 Franken pro Kubikmeter. Bewirtschaftungstechnische Massnahmen werden mit Beiträgen pro Fläche und Jahr unterstützt.
Das zeigen die ersten Erfahrungen
«Wir haben erste Erfahrungen von teilnehmenden Betrieben im Projekt. Gerade in diesem Projektjahr wurden aber viele Projekte und Massnahmen erst umgesetzt und abgeschlossen», sagt Sereina Grieder. Massnahmen wie Baumreihen oder Hecken benötigen mehrere Jahre, bis sie gewachsen sind und zur Wasserretention beitragen. Auch neu erstellte Wasserspeicher konnten teilweise noch keine Erkenntnisse liefern. Betriebe, deren Speicher erst in diesem Jahr fertiggestellt wurden, konnten die Tanks bisher kaum oder gar nicht befüllen und nutzen.
Trotzdem wird deutlich, welche Bedeutung der Wasserrückhalt künftig haben könnte:
- Wasserangebot besser nutzen, z. B. durch die Nutzung von Dachwasser.
- Wasserspeicherkapazität erhöhen, z. B. durch Wassertanks oder Speicherteiche.
- Retentionsleistung durch Bewirtschaftungsmassnahmen stärken, z. B. durch Förderung des Humusaufbaus sowie durch Pflanzung von Hecken und Baumreihen entlang der Höhenlinien.
Erste Rückmeldungen gibt es auch zu einzelnen Bewirtschaftungsmassnahmen. So zeigten Erfahrungen mit verschiedenen Kunstwiesenmischungen mit Luzerne, dass diese während Trockenphasen teilweise noch Erträge lieferten, während andere Wiesen bereits stark unter der Trockenheit litten.
In der zweiten Projekthälfte soll nun insbesondere die Wirkung der Massnahmen genauer untersucht werden. Geplant sind weitere Feldmessungen, Drohnenaufnahmen und Modellierungen, die im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung durch die Universität Basel durchgeführt werden. Zusätzlich sollen Kosten und Nutzen der verschiedenen Massnahmen evaluiert werden, wobei auch die Erfahrungen der beteiligten Landwirtschaftsbetriebe einfliessen werden.
Für den Kanton Basel-Landschaft steht zudem die Projektteilnahme neuer Betriebe im Fokus. Bei bereits teilnehmenden Betrieben sollen Anreize geschaffen werden, zusätzliche Massnahmen umzusetzen. «Der Sommer 2026 zeigt einmal mehr, dass der Wasserrückhalt in Zukunft sehr wichtig sein wird», verdeutlicht Grieder.

