Eigentlich wäre es die natürlichste Art, wenn die Kuh auf der Weide kalbt. Die Kuh kann sich von der Herde absondern und hat genügend Platz, um sich richtig hinzulegen. Zudem ist die Keimbelastung auf der Weide sehr tief, folglich sind spätere Durchfälle bei solchen Geburten eher selten anzutreffen.
Ältere Nachgeburten entfernen
In den meisten Fällen wird die Nachgeburt von der Kuh direkt gefressen. Die Nachgeburt ist eine wertvolle Quelle an Mineralstoffen, Spurenelementen und Proteinen. Nicht gefressene Nachgeburten sollten allerdings entfernt werden. Wenn sich auf der Weide auch noch andere Kühe nahe am Geburtstermin befinden, besteht die Gefahr, dass die Nachgeburt von diesen Kühen gefressen wird. Durch das austrocknen der Nachgeburt versteift sie sich, eine Kuh kann daran ersticken.
Soweit ist die Situation bei Milch- und Mutterkühen dieselbe. Milchviehkälber kommen in der Regel zurück in den Stall. Mutterkuhkälber bleiben in der Herde, was das Handling schwieriger macht. Insbesondere die Markierung und die Kastration sollten so früh wie möglich geschehen. Die Erfahrung zeigt, dass sich Kälber in den ersten zwei Tagen deutlich einfacher auf der Weide fangen und sich eine Ohrmarke einsetzen lassen. Zudem zeigen sie auch später deutlich weniger Scheu vom Bauern, als Kälber welche man erst nach Tagen fixiert und ihnen eine Ohrmarke einsetzt.

Ein weiteres Problem ist die Tendenz von frischgeborenen Kälbern, dass sie sich gerne ausserhalb des Zaunes in einer Hecke, Wald oder hohem Gras verstecken und erst zum Säugen wieder auf die Weide zur Kuh kommen. Dieses Verhalten hat schon grosse Suchaktionen ausgelöst. Insbesondere die Präsenz von Grossraubtieren löst in solchen Situationen grossen Stress beim Viehhalter aus. Dabei lohnt es sich, die Herde gut zu beobachten. Eine Rindviehherde hat ein feines Gespür für Gefahr. Auch wenn das Kalb nach der Geburt unauffindbar ist, die Herde aber ruhig bleibt, kann man im Normalfall davon ausgehen, dass das Kalb lebt und nicht weit von der Herde in Deckung liegt.
Grossraubtiere gefährden System
Die Gefahr von Kälberverlusten durch Grossraubtiere wird sich in Zukunft verstärken. Deshalb empfiehlt es sich, in gefährdeten Gebieten künftige Abkalbungen möglichst auf Herbst, Winter und frühen Frühling zu planen, wenn sich die Mutterkühe noch auf den Heimweiden oder im Stall befinden.

