«Wir haben bemerkt, dass in vielen Unternehmen die interne Kommunikation noch verbesserungswürdig ist. Die Mitarbeitenden sollten besser einbezogen, involviert werden», sagt Andreas Bucher. Damit war die Geschäftsidee zur App Involve geboren (siehe Kasten). Bauernsohn Bucher ist Gründungsmitglied, sitzt in der Geschäftsleitung und ist Leiter Verkauf.
Lieber Sport als Traktorfahren
Aufgewachsen ist Andreas Bucher mit Jahrgang 1989 auf dem Hof Underotige in Rain LU als zweites von vier Kindern. Auf dem elterlichen 30-ha-Betrieb werden 60 Milchkühe und 200 Muttersauen gehalten. «Ein Vollweidebetrieb mit saisonaler Abkalbung», sagt Bucher, der noch immer stark mit der Landwirtschaft und dem Betrieb verbunden ist, den vor drei Jahren sein jüngerer Bruder übernommen hat.
«Ich hatte eine wunderbare, unbeschwerte Kindheit auf dem Bauernhof und konnte schon früh mithelfen.» So sei auch die Freude am Beruf und für die Selbständigkeit geweckt worden, was ihn sehr geprägt habe. Er sei allerdings nicht der «klassische Bauernbub» gewesen, habe in der Jugend sehr viel Sport betrieben, intensiv auch das Kunstturnen, mit bis zu 20 Trainingsstunden pro Woche. «Andere hatten sicher mehr Traktorstunden, als sie die Lehre starteten.»
Damals seien für ihn die beruflichen Ziele noch nicht so klar gewesen, und es sei weniger die Freude an grossen Maschinen gewesen, sondern vor allem die Freude an den Tieren und an der Selbständigkeit, die ihn am Beruf Landwirt gereizt und während der Lehre geprägt habe.
Praktikum in der Fenaco-Welt
An der Ausbildung zum Landwirt vermisst er im Nachhinein, dass nicht noch mehr Breite, Offenheit und das «Denken über den Gartenhag» vermittelt wurden. Gerade die Landwirtschaft sei aufgrund ihrer Vernetzung darauf angewiesen, das Umfeld und den Markt besser zu verstehen.
Nach dem Abschluss arbeitete Andreas Bucher ein halbes Jahr in Kanada auf der grossen Milchfarm seines Göttis, machte danach Praktika in der Fenaco-Gruppe und bei der Landi, um 2009 die Weiterbildung zum Agrotechniker am Strickhof zu starten. Bei den Landi habe er seine Lust und sein Flair für den Verkauf entdeckt. «Schon während der Lehre und in der Landwirtschaftsschule wurde mir immer gesagt, ich sei ein Verkäufer.»
Als Stallplaner bei DeLaval im Einsatz
So war 2012 seine erste Stelle als Agrotechniker bei DeLaval in Sursee LU, im Aussendienst als Gebietsverkaufsleiter, für Stallplanungen, Verkauf Melkroboter, Gesamtprojekte. «Das war für mich eine Traumstelle, auch wegen des Kontakts mit den Bauernfamilien, wenn man Unterstützung bei solchen Generationenprojekten bieten kann, was oft auch mit vielen Emotionen verbunden ist», blickt Andreas Bucher zurück.
Rund sieben Jahre blieb er dort, bis 2018. Er lernte den Verkauf in seiner Gesamtheit, wie Menschen denken, und dass man zuerst Vertrauen gewinnen muss. Die Verbundenheit zur Landwirtschaft und die Sprache der Bauernfamilien zu verstehen, sei dabei sehr wichtig.
Damals habe sich auch abgezeichnet, dass er sich definitiv im Verkauf sehe und dass sein Bruder mit noch mehr Flair und Begeisterung für die Tiere den Betrieb zu Hause übernehmen sollte. «Wir hatten eine sehr gut geregelte Hofübergabe, im Einvernehmen auch mit meinen Schwestern.»
Intern besser kommunizieren
Bei Andreas Bucher war der Drang zu noch mehr Selbständigkeit gross. Bei Tätigkeiten auf dem Bau und bei anderen Firmen habe er bemerkt, wie anspruchsvoll die interne Kommunikation sei, wenn die Leute nicht täglich am PC sitzen würden.
Zusammen mit seinem Kollegen Simon Gfeller, den er bei der Landi kennenlernte, und den weiteren Gründungsmitgliedern wurde die Geschäftsidee von Involve entwickelt. «Wenn viele Unternehmen schon über Fachkräftemangel klagen, so müssten sie doch daran interessiert sein, zumindest ihre Mitarbeitenden zu halten und besser zu involvieren, durch bessere Kommunikation.»
«Wir wollen, dass es in Unternehmen möglichst viele glückliche Mitarbeitende gibt»
Andreas Bucher zur Leitidee von Involve
Weil sie darin eine Marktlücke sahen, entwickelten sie einen Businessplan, eine Liquiditätsplanung und gründeten schliesslich 2018 die Firma Involve. Mitgründer Gfeller ist dort Verwaltungsratspräsident. Operativ waren anfänglich nur drei Leute tätig: Bucher für den Verkauf, Sebastian Wohlrab für die Entwicklung und Barbara Rohrer, die mit ihrem Mann in Zwillikon ZH einen Milchwirtschaftsbetrieb führt, als Geschäftsführerin.
Vertrauen in Menschen war entscheidend
Die grösste Hürde sei gewesen, die ersten Unternehmen als Kunden von ihrem Produkt, ihrer App, zu überzeugen und den Mehrwert aufzuzeigen, wo doch noch keine Referenzen vorgewiesen werden konnten. Und wo noch viele Fragezeichen und Kinderkrankheiten bei der App zu lösen waren.
«Da war das Vertrauen in die Leute entscheidend, nicht ins Produkt oder in die Firma.» Betont worden sei auch die Nähe: «Wir heben uns ab von internationalen Firmen aus dem amerikanischen Silicon Valley. Wir entwickeln alles in der Schweiz, am Sempachersee, und reden die gleiche Sprache wie unsere Kunden.» Den Verkauf habe er dabei nochmals neu gelernt, sagt Andreas Bucher, zumal sehr verschiedene Branchen angesprochen werden. Gössi Carreisen, Aeschbach Chocolatier und Knutwiler Mineralwasser waren die ersten mutigen Kunden.

Ein rasantes Wachstum hingelegt
Bis November 2019 hätten sie erst vier Kunden gewinnen können und die Luft sei langsam dünn geworden, sagt Andreas Bucher. Er habe aber gespürt, dass sie nahe am Durchbruch gewesen seien. Im Dezember waren es bereits sieben, Ende 2020 schon 34, Ende 2021 waren es 100 Kunden.
Und aktuell sind es Mitte 2026 über 900 Kunden, darunter rund 250 Alters- und Pflegeheime. Es gebe viele Firmen, bei denen die Mitarbeitenden in Teilpensen und nachts arbeiten würden, nicht alle per Mail oder dem unsicheren WhatsApp erreichbar seien, keine Hauszeitung hätten oder die Anschlagbretter mit Infos nicht aktuell seien. Da brauche es einen einheitlichen Informationskanal. Auch der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband nutzt für den Vorstand und die Mitarbeitenden die App von Involve.
Neu eine App für Kunden von Firmen
Andreas Bucher nennt drei Gründe, wieso die Produkte von Involve für Unternehmen einen Nutzen bringen: bessere Erreichbarkeit aller Mitarbeitenden, auch jener, die auswärts tätig sind; interne administrative Prozesse vereinfachen und bessere Identifikation und Firmenkultur. «Involve will, dass es in den Schweizer Unternehmen möglichst viele glückliche Mitarbeitende gibt», erklärt Bucher die Leitidee. Die Corona-Zeit habe verstärkt dazu beigetragen, dass viele Firmen die interne Kommunikation modernisierten. Das Marktpotenzial sei noch riesig – in allen Branchen, betont Bucher.
Involve will weiter wachsen, auch in die Breite mit zusätzlichen Modulen in der App. Vermehrt bietet das Unternehmen auch Beratungsdienstleistungen an, die zu einer höheren Mitarbeiterbindung und einer besseren Arbeitgeberattraktivität führen.
«Entscheidend war das Vertrauen in die Leute.»
Andreas Bucher zum Start der Firma, als noch keine Referenzen vorgewiesen werden konnten.
Vor zwei Jahren wurde eine Schwesterfirma gegründet, die Kitt Switzerland AG. Die bietet eine App für Unternehmen, die mit ihren Kunden kommunizieren und Belohnungen für Kundentreue bieten wollen. «Beispielsweise das elfte Gipfeli in einer Bäckerei gratis.» Oder, um in Altersheimen Angehörige besser zu erreichen.
Den Bezug zur Landwirtschaft hat der gelernte Bauer Bucher trotz seiner Tätigkeit in der dynamischen IT-Welt nicht verloren. Er betont die guten Kontakte zur Agrotechniker-Klasse, durch seine frühere Tätigkeit in der Agrobranche und vor allem durch die regelmässigen Besuche auf dem Bauernhof Underotige. «Ich will auch meinen Kindern die Freude an der Landwirtschaft weitergeben.»
«So lässt sich Betriebsblindheit vermeiden»
Er stehe sehr ein für eine produzierende, aber auch standortgerechte und nachhaltige Landwirtschaft. Es gebe viele innovative Bauern, die Politik müsse allerdings auch zulassen, dass Innovationen und Entwicklungen möglich seien, findet Andreas Bucher. Er erwähnt die nach seiner Ansicht vielen Hürden und die Bürokratie.
Gerade jungen Bauern gibt er den Tipp, den Fächer zu öffnen, möglichst viele Erfahrungen zu sammeln, auch auf anderen Betrieben oder im Ausland oder in anderen Branchen. «So lässt sich Betriebsblindheit vermeiden und das trägt zu gegenseitigem Verständnis bei.»
Andreas Bucher ist 36-jährig, verheiratet, lebt mit seiner Familie in Rothenburg LU. Die zwei Buben sind ein- und dreijährig. In Buchers Freizeit stehen seine junge Familie und weiterhin fast jede Art von Sport an erster Stelle, obwohl er seit zwei Jahren nicht mehr aktiv im STV Rain ist.

Das Unternehmen und die App Involve
Die Firma hat die Schweizer App für Mitarbeitende entwickelt, für Smartphone, Tablets oder PC. Die App will informieren, involvieren, wertschätzen. Mit kurzen Kommunikationswegen, einfacher Bedienung und attraktivem Design, wie es auf der Website heisst. Möglich sind verschiedene Kanäle, News, Einzel- und Gruppenchat, Umfragen, Übersetzungen, Dokumentenablage und vieles mehr. Die App ist modular erweiterbar. Die Firma zählt bereits 900 Kunden, Unternehmen und Organisationen aus allen Branchen. Beschäftigt werden 32 Mitarbeitende an vier Standorten in der Schweiz, Hauptsitz bleibt Sursee.
Sommerserie
Die BauernZeitung stellt in den nächsten Wochen Persönlichkeiten vor, die ursprünglich den Beruf Landwirt lernten, nun aber in anderen Branchen tätig sind. Wir berichten von ihrem Werdegang, ihrer Tätigkeit, aber auch von ihrer Meinung zur Landwirtschaft.

