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Fritz Sahlis Weiderinder bleiben länger auf dem Hof und dürfen mehr Fett ansetzen

Der Biolandwirt aus dem Bernbiet hilft, Biokälber im Kreislauf zu halten, und produziert mit dem Nischenprodukt «Bärner Grasrind» Fleisch für die Gastronomie.

Fritz Sahli, Biolandwirt aus Uettligen nahe der Stadt Bern, plant den Ausstieg aus der Mutterkuhhaltung. Er hat begonnen, auf Weiderind umzustellen, und produziert nun das Nischenprodukt «Bärner Grasrind». Unter dieser Marke werden Berner Bio-Weiderinder an Gastronomen verkauft. Das Projekt wurde von Kathrin Simperl, der Geschäftsführerin der Metzgerei Simperl AG in Gümligen BE, ins Leben gerufen.

Fritz Sahli hat für den Umstieg Kälber der Rassen Österreichisches Grauvieh und Holstein zugekauft. Geeignete Kälber zu finden, war ein schwieriges Unterfangen. Denn die Tiere dürfen aus gesundheitlichen Gründen erst nach 120 bis 150 Tagen vom Geburtsbetrieb auf den Mastbetrieb überstellt werden. Auf vielen Betrieben ist das Halten der Tiere über diesen langen Zeitraum aus Platzgründen jedoch nicht möglich.

50 Prozent Gras von der Weide

Nach langer Suche hat Fritz Sahli einen Betrieb gefunden, der ihm pro Monat fünf bis zehn Kälber liefern kann. Die männlichen Tiere muss er kastrieren, was ein langsameres Wachstum nach sich zieht. Noch hat Sahli nicht die Möglichkeit, die Tiere getrennt in Gruppen zu halten, um auf das Kastrieren verzichten zu können.

«Ich will den Tieren füttern, was hier wächst.» So erklärte der Landwirt vor einiger Zeit vor Gastronomen bei einem Betriebsbesuch seine Strategie. Die Tiere müssen 50 Prozent der Nahrung auf der Weide zu sich nehmen. Der Rest besteht aus Grassilage und Emd. Er produziere weniger extensives Heu, dafür mehr Grassilage, um den Eiweissanteil hoch zu halten.

Fritz Sahlis Weiderinder bleiben länger auf dem Hof und dürfen mehr Fett ansetzen
Fritz Sahli (vorne), erklärt vor Gastronomen das Konzept der Marke Bärner Grasrind.

Ackerbau und Tierhaltung ergänzen sich

Im Sommer gehen die Tiere in den Jura oder im Berner Oberland auf die Alp. Für Fritz Sahli gehört das zu einem guten Kreislauf dazu. In den Bergen wächst Gras, das nur durch die Tiere verwertet werden kann. Im Gegenzug könne er unten im Tal auf ebener Fläche Ackerbau betreiben und Gemüse und Getreide für die menschliche Ernährung anbauen, machte er vor den Gastroprofis deutlich.

Zudem erachte er die Kombination von Tierhaltung und Ackerbau als ideal. Der Kot der Legehennen und die Rindergülle würden eine gute Kombination ergeben und helfen, einen guten Getreideertrag zu erreichen, erläuterte der Landwirt. Denn er möchte möglichst 40 bis 50 Kilogramm Getreide pro Are dreschen können.

Betriebsspiegel Biohof Schüpfenried, Uettligen BE

Betriebsleiter: Fritz Sahli Betriebsform: Biobetrieb mit Demeter-Label Fläche: 55 ha landwirtschaftliche Nutzfläche Produkte: Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Kartoffeln, Freilandgemüse, Grünland. Obstbäume, Wald Tiere: 80 Stück Vieh (Mutterkühe, Jungvieh, Masttiere), 900 Legehennen, 10 Muttersauen, 1 Eber, 50 bis 100 Mastschweine, 3 Pfauenziegen, 3 Esel, 2 Ponys Betriebszweige: Hofladen, Hof-Gastronomie Zum Betrieb gehört auch eine Wohn- und Arbeitsgemeinschaft für Jugendliche.

Es gibt keinen Fettabzug

Zurück zum Vieh: Tiere der Marke «Bärner Grasrind» bleiben länger auf dem Betrieb als Bio-Weide-Beef. Letzteres darf laut Website der IG Bio-Weide-Beef ein Höchstalter von 27 Monaten haben und wird mit einem Schlachtgewicht zwischen 270 und 290 Kilogramm geschlachtet. Zudem muss es mindestens die Qualität T-3 aufweisen.

Diese strengen Auflagen sind nicht im Sinne von Fritz Sahli. Daher ist er aus der IG Bio-Weide-Beef ausgetreten. Eine extensivere Mast entspricht viel mehr seiner Philosophie. Mit der Produktion von Berner Grasrindern hat er einen Weg gefunden, der seiner Philosophie entspricht. Denn Berner Grasrinder, das sind Ochsen und weibliche Tiere, auch von Milchrassen, dürfen älter und schwerer werden. Sie werden bis zum Alter von 900 bis 999 Tagen gefüttert.

Fritz Sahli lässt die Tiere bis zu 350 Kilogramm Schlachtgewicht schwer werden, wie er betonte. Da das Fleisch an die Gastronomie verkauft wird, ist ein höherer Fettanteil mit gleichmässiger Marmorierung erlaubt, ja sogar gewünscht.

Doppelt so viel Fleisch wie mit Mutterkuhhaltung

Neben dem Gras erhalten Fritz Sahlis Tiere auch aussortierte Kartoffeln, Gemüserüstabfälle oder Kürbisse, die übrig geblieben sind. Das Getreide wird von einer Mühle gemahlen. Der Biohof Schüpfenried nimmt aber nicht nur das Mehl für den Eigenverbrauch und Direktverkauf zurück, sondern auch die Spelze. Diese erhalten die Tiere abends als «Gudeli».

Der Einsatz von klassischem Kraftfutter hingegen ist beim «Bärner Grasrind» verboten. Das anfallende Stroh wird im Stall verwendet. Denn die Tiere von Fritz Sahli liegen in Tiefstreu. Zweimal pro Jahr wird der Stall komplett ausgemistet.

«Die Forschung sagt, dass mit Weidemast pro Hektare doppelt so viel Fleisch produziert werden kann wie mit Mutterkuhhaltung.» Dieses Argument gefällt Fritz Sahli. Ein weiteres Anliegen von ihm ist, Bio-Kälber aus Milchwirtschaftsbetrieben im Bio-Kreislauf halten zu können. Und das kann er mit dem Berner Grasrind. Noch steht er am Anfang seiner Umstellung und ist gespannt, ob alles funktioniert, wie geplant. «Es ist ein Abenteuer», gesteht er.

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