«In Erinnerung bleiben vor allem die vielen aufschlussreichen Gespräche mit den Betriebsleitern», sagt Jasmin Burkard, Lehrerin und Beraterin am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung Luzern (BBZN). Offen und ehrlich sei über betriebliche Entwicklungen gesprochen worden. Der Strukturwandel – und die Anpassung an diesen durch Wachstum und Steigerung der Wertschöpfung – stehe bei allen Betrieben im Zentrum. Trotz vieler Unterschiede hätten sich bei allen besichtigen Betrieben einige Gemeinsamkeiten herauskristallisiert, so Burkards Beobachtung: «Anpassungsfähigkeit, innovative Lösungsansätze und eine Leidenschaft für den Beruf bleiben für ein langfristig erfolgreiches Unternehmen zentral.»
Fokus auf den Ist-Zustand
Mit dabei war auch Jan Schmid. Der 28-jährige Landwirt aus Wolhusen LU ist gegenwärtig als Angestellter auf dem elterlichen Betrieb aktiv und besucht die Betriebsleiterschule am BBZN Schüpfheim. Sein Ziel ist es, dereinst als Meisterlandwirt abzuschliessen und den elterlichen Hof zu übernehmen. Auf dem Grünlandbetrieb, bewirtschaftet nach Standard von Bio Suisse, sind Milchproduktion und Legehennenhaltung die wichtigsten Betriebszweige. Dazu kommen etwas Direktvermarktung, Lohnarbeiten und die aktive Beteiligung an einer Maschinengemeinschaft.
An der Betriebsleiterschule reizen ihn vor allem Analyse und Fokus auf den Ist-Zustand des eigenen Betriebs. Das helfe etwa bei der künftigen Strategie oder geplanten Investitionen. Die zweitägige Reise an den Bodensee war für ihn intensiv und aufschlussreich. «Ganz unterschiedliche Strategien und Betriebszweige können zum Erfolg führen», so eine Erkenntnis von Schmid. Und zwar auf deutscher Seite wie auch in der Schweiz.
Zweitägige Fachreise
Ende März führte die Betriebsleiterschule Luzern (BLS 1) mit den Standorten Hohenrain LU und Schüpfheim LU eine zweitägige Fachreise mit 42 Teilnehmer(innen) durch. «Mit vielfältigen Einblicken in die Landwirtschaft rund um den Bodensee», berichtet Jasmin Burkard, Lehrerin und Beraterin am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung Luzern (BBZN). Die Schwerpunkte der Reise lagen gemäss Burkard auf den unterschiedlichen Betriebs- und Investitionsstrategien und Investitionsmanagement, mit denen die landwirtschaftlichen Unternehmen auf die Herausforderungen des Klimawandels und des Marktes reagieren.
«Erfolgreiche machen Extrakilometer»
Jan Schmid ist weiter aufgefallen, dass erfolgreiche Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter über ein grosses Know-how verfügen, aber auch mit Freude bei der Arbeit sind. «Erfolgreiche sind bereit, ein paar Extrakilometer zu machen», sagt er.
Spannend natürlich auch immer der Ländervergleich, wobei in Grenznähe einige Unterschiede weniger ausgeprägt sind: Viel Obst gibt es in der Region, Tierhaltung wird relativ intensiv betrieben. Ein besuchter Betrieb in Süddeutschland hat sich etwa auf Äpfel und Hopfen spezialisiert und baut diese Kulturen auf 40 ha an. Bei der Vermarktung hält der Betrieb die Fäden in der Hand. Das Ganze ist entsprechend Personal-intensiv.
85 000 Hennen
Ebenfalls auf deutscher Seite wurde ein Legehennen-Betrieb mit insgesamt 85 000 Hennen in 12 Ställen besucht. Auch hier gibt man die Vermarktung nicht aus der Hand. «Für 30 verschiedene Endverkäufer werden die Eier abgepackt», erzählt Jan Schmid. Nebst den eigenen Eiern, auch solche, die von weiteren Produzenten stammen – insgesamt die Produktion von 1,3 Millionen Legehennen.
Auf einem deutschen Milchproduktions-Betrieb waren die «guten und günstigen» Gebäude auffällig. Hier könne man als Schweizer sicher etwas lernen, sagt Schmid. Gerade wurde ein dritter Melkroboter in Betrieb genommen. Dieser sei bei intensiver Produktion, höherer Leistung und besserer Gesundheit, weil weniger Stress für das Tier, «schnell bezahlt», berichtete der deutsche Berufskollege den jungen Schweizerinnen und Schweizern.

300 Hektaren und 100 Angestellte
Im Thurgau in Arbon wurde Agro Daepp besucht. Der Familienbetrieb ist spezialisiert auf Lohnunternehmung und Biomasse (Kompost). Produziert aber auch Obst und hält Tiere (Mutterkühe, Grossviehmast mit weiblichen Tieren). Dazu kommen weitere Spezialitäten wie ein Blumenfeld oder eine Pferdepension. Zehn Personen, Betriebsleiterfamilie und Lernende inklusive, arbeiten auf dem vielfältigen Betrieb. Und gross war auch der besuchte Gemüsebetrieb im St. Galler Rheintal. Auf über 300 ha werden Gemüse angebaut, viel in Anbauverträgen. Über 100 Angestellte sind in Spitzenzeiten im Einsatz. Und über zehn Jahre vergingen, so schilderte der Betriebsleiter den Luzernern, bis er die Baubewilligung für eine Halle in den Händen hielt. Diese steht nun im Industriegebiet.
Für künftige Betriebsleiter
Ein positives Reise-Fazit zieht auch Jasmin Burkard. Die Strukturen in Süddeutschland seien zwar anders als in der Schweiz. Aber in vielen Fällen noch so, dass es einen Vergleich mit der Schweiz zulasse. Spannend sei für die Absolventen auch immer das Umfeld. Was etwa der Gesetzgeber in Deutschland vorgebe, und was nicht. Wegen der Biosicherheit sei die Schweineproduktion leider kein Thema gewesen, ansonsten war der Mix gross. Die meisten Absolventinnen und Absolventen stünden vor einer Betriebsübernahme, da seien solche Einblicke in unterschiedliche Betriebe speziell wertvoll. Das Interesse an der BLS-Ausbildung beschreibt sie als konstant hoch. Anmeldeschluss für die Zentralschweiz ist Ende Mai.

