Die Milchverarbeiterin Emmi hat einen Neubau bei der Mittellandmolkerei in Suhr AG in Betrieb genommen. Die Eröffnung wurde zusammen mit dem 20-Jahr-Jubiläum von Emmi an diesem Standort gefeiert. In der Mittellandmolkerei verarbeiten heute über 400 Mitarbeitende rund 250 Mio. kg Milch pro Jahr. Gestartet war das Unternehmen im Jahr 1917 als Butterzentrale Suhr. Vor 20 Jahren hatte Emmi das Aargauer Unternehmen übernommen.

PET-Flaschen sind nachhaltiger
Mit der Planung des Neubaus war Emmi im Jahr 2021 gestartet, die Koppelung mit dem bestehenden Gebäude forderte besonders heraus. Dafür gibt es nun mehr Effizienz und Nachhaltigkeit. Emmi hat 2024 als erste Verarbeiterin von Milchprodukten in der Schweiz weisse PET-Flaschen als Verpackung eingeführt, angefangen im Werk im bernischen Ostermundigen mit Energy Milk und Caffè Latte.
Jetzt geht es in Suhr weiter mit UHT- und Pastmilch. PET-Flaschen gelten als nachhaltiger als PE‑Flaschen, dank des flächendeckenden Recyclingnetzes. Zudem stecken in jeder neuen Milchflasche 30 Prozent recyceltes Material. Zu kaufen gibt es die UHT-Milchflaschen ungefähr ab Oktober bei Coop, später folgt dann auch Pastmilch.

Modell der Direktlieferanten überzeugt
Die Milch kommt von Bauernfamilien, die sich als Direktlieferanten in der Produzentenorganisation Mittelland Milch bündeln. Präsidentin Sabrina Schlegel und ihre Vorstandskollegen nahmen an der Eröffnungsfeier teil. «Das Modell der Direktlieferanten hat mich gerade in diesem herausfordernden Jahr überzeugt und es wird wohl in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen», kommentierte sie. Die Produzierenden und der Abnehmer seien sich gegenseitig verpflichtet, könnten die Argumente des anderen besser nachvollziehen und feierten Erfolge gemeinsam.
«In Krisen sitzen wir zusammen und erarbeiten Lösungen. So sind wir agil und können rasch auf sich verändernde Umstände reagieren.» Emmi sei grundsätzlich eine faire Partnerin. «Es liegt in der Natur der Sache, dass wir uns nicht überall einig sind und lieber einen höheren Milchpreis hätten, statt jährlich eine Dividendenerhöhung für die Aktionäre. Aber schlussendlich profitieren wir auch davon, dass Emmi erfolgreich wirtschaftet.»
Wenig Einfluss der Trockenheit
Die Erweiterung der Mittelland-Molkerei kommt in einem turbulenten Jahr für die milchproduzierenden Bauernfamilien. Nachdem sie wegen der hohen Inlandproduktion eine Senkung des Milchpreises in Kauf nehmen mussten, kamen der Trockensommer mit Futterausfall und das Orthobunya-Virus.
Einzelne Betriebe traf es massiv, aber auf den gesamten Milchmarkt hat sich die Situation gemäss Emmi wenig ausgewirkt. «Derzeit liegen die Liefermengen auf dem Niveau des Vorjahres und wir sehen keine Auswirkungen auf unsere Milchversorgung», informiert die Emmi-Medienstelle auf Anfrage. Lediglich im Juli seien die Milchmengen auf einigen Bauernhöfen zurückgegangen. Das habe in der Westschweiz begonnen und sich über das Mittelland in die Ostschweiz fortgesetzt.

Eine weitere böse Überraschung gab es zur Eröffnungsfeier, als ein Unwetter über die Schweiz zog. Es verhagelte die Kulturen, die der Trockenheit getrotzt hatten, und zwang Emmi an der Eröffnungsfeier zum Improvisieren: Das Festzelt war nicht mehr brauchbar und wegen eines Stromausfalls stand die neue Abfüllanlage eine Weile still.

Wird das Rindvieh rar?
Sabrina Schlegel, Präsidentin von Mittelland Milch, erklärt die weiterhin hohe Milchmenge trotz Schlachtungen von Milchvieh: «Viele Betriebe mussten bereits auf Winterfütterung umstellen. Die Qualität des jetzt gefütterten Futters ist hervorragend und deshalb erstaunen die hohen Milchmengen nicht.»
Sie geht aber nicht davon aus, dass das so bleibt: Die Qualität des zugekauften Futters und des nun zu erntenden Mais sei nicht vergleichbar mit den älteren Reserven. Zudem hätten längst nicht alle Futter zugekauft, darum werde der Kuhbestand wohl noch weiter reduziert.
Vom Orthobunya-Virus war auch Sabrina Schlegels Betrieb betroffen. «Befürchtungen habe ich davor, was uns blüht, wenn die infizierten Kühe kalben oder noch mehr Aborte auftreten», sagt sie. Auf ihrem Betrieb verwarfen bisher vier Kühe. «Das könnte zu zusätzlichen Schlachtungen führen und langfristig dazu, dass zu wenige Nutzkühe, Kälber für die Grossvieh- und Kälbermast sowie Nachzucht vorhanden sind.» Aber genauere Aussagen dazu seien schwierig, weil das Virus noch zu wenig bekannt sei.

