Dieses chinesische Sprichwort ist in meinen Augen eine passende Antwort der Alpwirtschaft auf die klimatische globale Herausforderung. Vom Klimawandel bekanntlich besonders betroffen ist der Alpenraum; zunehmend konfrontiert mit langen Trockenperioden und häufigeren, kurzen Starkniederschlägen. Dies haben uns die letzten Jahre – insbesondere das trockene Jahr 2018 – vor Augen geführt. Selbst Gebiete, die traditionell genügend Niederschlag aufwiesen, litten unerwartet unter Wassernot. Wasserspeicherung und die Wasserverteilung im Sömmerungsgebiet werden immer wichtiger.
In Zusammenarbeit mit Agridea haben wir von der Schweizer Berghilfe fünf Alpen porträtiert, welche innovative, vorausschauende Lösungen für die Wasserversorgung gefunden haben. Ein Blick in die Publikation «Klimawandel und Landwirtschaft» auf agripedia.ch lohnt sich. Es werden nicht nur die technischen Lösungsansätze beleuchtet, sondern auch Aspekte der Organisation, der überbetrieblichen Zusammenarbeit sowie des Nutzens von Synergien mit dem Energiesektor und dem Tourismus.
Beispielhaft dafür ist die Toggenburger Alp Selamatt. Für die Wasserversorgung der 35 Bestösser, die alle ihr Vieh selbst versorgen, ist die Alp-korporation zuständig. Als die Bergbahnen Chäserrugg eine grossflächige Beschneiungsanlage bauten, mit der sie Wasser aus dem Grundwassersee des Talbodens ins Ski- und Alp-gebiet hochpumpen, packte die Alpkorporation die Chance. Sie konnte mit den Bergbahnen vereinbaren, dass sie bei sommerlichen Extremsituationen das Pumpsystem der Beschneiungsanlage nutzen kann. Dazu wurde eine Verbindungsleitung gebaut. Innerhalb einer Stunde kann nun auf diese Weise das Wasserreservoir der Alp gefüllt werden. Zusätzlich wurden die 60 Tränkestellen je nach Bedarf saniert und mit Schwimmern ausgestattet werden. Wasser läuft aus dem Hahn nur noch, wenn der Pegel in der Tränke sinkt.
Dieser Sommer war nass. Zu nass, insbesondere für Betriebe in Talgebiet. Dies soll unseren Blick in die Zukunft bezogen auf die häufigeren, längeren Trockenperioden nicht verschleiern. Im Sömmerungsgebiet sind oft gemeinschaftliche Lösungen und Zusammenarbeit für ein zukunftsfähiges Wassermanagement gefragt. Dies braucht erfahrungsgemäss Zeit von der Idee bis zur Realisierung. Deshalb finden wir: Sich jetzt um das Wasser kümmern und den Brunnen graben, bevor Vieh und Leute auf den Alpen ihren Durst nicht stillen können!

