Es war ein schon fast historischer Preissprung: Im März hat die Branchenorganisation Milch (BOM) beschlossen, den Richtpreis für A-Milch um 5 auf 78 Rp. pro kg zu erhöhen. Das gab es noch nie. Für die Produzenten war es ein dringender Schritt, da ihre Kosten stark zugenommen haben und weiter ansteigen.
Die BOM tagt im August
Nun zeichnet sich ab, dass der Plafond damit noch nicht erreicht ist. An seiner Sitzung vom 24. August wird sich der Vorstand der BOM turnusmässig erneut mit dem A-Richtpreis befassen. Derzeit deuten die Signale auf eine weitere Erhöhung des A-Richtpreises hin.
Die Rede ist von einer Erhöhung von schätzungsweise 4 Rp. und damit von einem neuen Richtpreis von 82 Rp./kg. Dieser neue Preis würde ab dem vierten Quartal des laufenden Jahres wirksam, obwohl die 78 Rp. im März für den Rest des Jahres beschlossen worden waren.
Index auf Höchststand
Zwar dauert es noch eine Weile bis zum Vorstandsbeschluss, trotzdem lässt sich heute schon mit einer gewissen Sicherheit auf eine Preiserhöhung setzen. Grund ist der Molkereimilchpreisindex des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), der soeben eine weitere Höchstmarke erklommen hat (s. Grafik), die Marktbeurteilung und v. a. der ebenfalls sehr relevante Produktionskostenindex.

Der Index ist ein wichtiges Arbeitsgerät für den BOM-Vorstand. Voraussetzung für eine Richtpreis-Erhöhung ist jeweils eine Dreiviertelmehrheit in beiden «Familien» (Produzenten sowie Handel und Verarbeiter). Wenn keine solche Mehrheit zustande kommt, wird abmachungsgemäss der BLW-Index als Entscheidungsbasis herangezogen. Dabei werden die Indexpunkte jeweils in Rappen umgerechnet.
Im April liegt der Wert bei 109.96 und damit fast 10 Punkte über dem Wert des Vorjahrs, als der Richtpreis noch 73 Rp./kg betrug. Zu Rate gezogen wird bei der Sitzung im August der Durchschnittswert der Monate April, Mai und Juni 2022. Dieser dürfte mindestens gleich hoch sein wie im April.
Der Markt müsse wirken
Wie SMP-Direktor Stephan Hagenbuch erklärt, sei die Wahrscheinlichkeit für tiefere Preise in den kommenden zwei Monaten «sehr, sehr, sehr klein», vielmehr deuteten die internationalen Preissignale auf einen weiteren Anstieg hin. Deshalb liege man mit der Erwartung auf einen Indexwert im Bereich von mindestens 82 Rp. ab Oktober 2022 richtig, so Hagenbuch. Für die Entscheidfindung müsse man nun aber noch etwas «den Markt wirken lassen».
Hier gebe es auch noch gewisse Unwägbarkeiten wie etwa die Entwicklung der Milchproduktion in Abhängigkeit von Trockenheit und Futterqualität sowie der Absatzentwicklung in den verunsicherten Exportmärkten.
Mooh: Export entscheidend
Mit seiner Erwartung steht Hagenbuch nicht alleine da, bei Mooh rechnet man mit einer Erhöhung des Richtpreises, «sofern es der Index zeigen wird», so Sprecherin Gabriela Küng auf Anfrage.
Bezüglich Umsetzbarkeit meint die Mooh-Sprecherin, dass diese in der Schweiz umgesetzt werden, «im Export stehen wir aber vor gewissen Fragezeichen, ob das klappen würde». Hier gebe es unterschiedliche Signale. Sie erwähnt die Themen Trockenheit und Konsumentenstimmung aufgrund des Krieges und der Inflation in Märkten wie Deutschland. «Wir spüren das insbesondere bei verschiedenen Sortenkäsen, wo bereits heute die Produktion eingeschränkt ist», so Küng.

