Der Präsident, Franz Hagenbuch, und Vorstandsmitglied Oliver Engeli blicken laut dem Mitgliedermagazin auf ein gutes Jahr mit einem sehr guten Markt für das Bankvieh zurück. «Der Marktpreis 2022 pendelte sich auf ein recht konstantes und akzeptables Niveau ein», heisst es in Swiss Beef Info. Auch beim Absatz gab es positive Neuigkeiten: der Konsum beim Rindfleisch hat sich gegenüber dem Vorjahr 2021 um 2,2 % und damit auf 11,56 kg pro Kopf erhöht.
Es mangelt an Kälbern
Ganz sorgenfrei sind die Munimäster aber nicht. Immer wieder wurde auf den Betrieben der Mangel an Kälbern angesprochen. Dies führt teilweise dazu, dass trotz guter Nachfrage die Ställe nicht ausgelastet werden können. Das Problem kennen auch die Kälber- und Weidemäster. Dazu tragen unter anderem der vermehrte Einsatz von gesextem Samen und die stagnierende bis abnehmende Zahl der Milchkühe bei.
Ein anderes Thema, das die Munimäster stark beschäftigt, ist die Massentierhaltungs-Initiative, die im September dieses Jahres zur Abstimmung kommt. Der Präsident von Swiss Beef Mittelland, Christian Glur, sprach sich im Namen des gesamten Vereins dezidiert gegen die Initiative aus und appellierte an die Mitglieder, diese geschlossen abzulehnen.
Rund 80 Mitglieder nahmen dieses Jahr am Ausflug auf drei Betriebe teil. Die Reiselust der Munimäster endet übrigens nicht an den Landesgrenzen. Ende August wird eine Exkursion nach Kanada organisiert.
Der QM-Stall von Roger Bosshard
Der Betriebsleiter Roger Bosshard bewirtschaftet einen 29 Hektaren grossen Betrieb in Oberembrach ZH. Auf dem Hof ist Platz für 86 Munis in Vormast und 164 Munis in Ausmast. Zwischen 250 und 300 Tiere sind im Durchschnitt auf dem Hof.
Im Jahr 2018 wurde ein neuer Stall gebaut,
«geplant war ein Labelstall, aber aufgrund der Marktlage haben wir dann einen QM-Stall gebaut»
Der Stall kann aber auf Label-Niveau umgebaut werden. Er hat keine tragende Wand und genug Abstand ausserhalb, um Liegeboxen zu bauen, sagt Roger Bosshard.

Der Betrieb ist vielseitig, neben der Munimast betreibt Bosshard mit einem Geschäftspartner eine «Güllnerei» inklusive Transport und Ausbringung. Dort vertreibt das Lohnunternehmen jährlich 15 000 m3 flüssiges Gärgut. Dazu kommen 20 000 m3 Kuhgülle zum Ausbringen. Diese Arbeit passe relativ gut in den Betrieb, «im Frühjahr sind es zwei Wochen, in denen wir permanent am Fahren sind, danach sind es zirka ein bis zwei Tage pro Woche», meint Bosshard.
Zweites Standbein im Lohnbetrieb mit seinem Geschäftspartner ist der Winterdienst am Flughafen Zürich. Dazu musste Bosshard vier seiner Traktoren hochrüsten, dies sei eine gute Einnahmequelle, so der Landwirt. Bei den Investitionen für den Winterdienst habe er immer darauf geachtet, dass dieser seinen Hauptbetriebszweig, die Munimast, nicht finanziell gefährdet.
Der neue Liegeboxenlaufstall von Lukas Keller
Der 37-Hektaren-Betrieb in Endingen AG von Lukas Keller bietet Platz für 60 Vormast- und 102 Ausmastmunis, dazu kommen 48 Tränkerplätze. Im Frühling 2019 wurde neben den bestehenden Kälberställen der grosse Liegeboxenlaufstall mit Hochsiloanlage und Güllelager gebaut. Jedes Tier hat darin einen eigenen Fress- und Liegeplatz. Der Stall ist 60 m lang, sagt Keller.
Er hatte zuvor einen anderen Landwirtschaftsbetrieb im Dorf und im Zuge der Übernahme des Munimastbetriebs den neuen Stall bauen lassen. Das Haus im Dorf wurde verkauft. Dank des vielen Platzes im Laufstall hat Keller wenig Probleme beim Auf- und Umstallen sowie der Tierkontrolle.
«Es braucht nur einen halben Tag und dann ist Ruhe in der Gruppe»
Lukas Keller, über die Erfahrungen in seinem neuen Liegeboxenlaufstall
Routine sei für ihn das Putzen der Gummimatten, so kann er jeden Muni beim Aufstehen und Gehen beobachten. Der grosse Stall sei auch praktisch beim Misten, der Mist wird einfach ebenerdig rausgeschoben. Ein anderer Betriebszweig sind die 120 Hochstammbäume. Diese werden über das Programm Landwirtschaft – Biodiversität – Landschaft (Labiola) des Kantons Aargau gefördert. Zurzeit bewirtschaften Lukas und Marlen Keller den Hof. Aber die nächste Generation steht schon in den Start-löchern. Sohn Manuel schliesst dieses Jahr die Landwirtschaftslehre ab.
«Ich bin sehr froh darüber, dass der Junior wieder heimkommt»
Lukas Keller über die Rückkehr seines Sohnes, nach der Lehre.

Der voll mechanisierter Stall von Roger Gröger
Der auf 700 m ü. M. liegende Betrieb der Familie Gröger liegt in Gempen SO. Auf 53 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche produziert Roger Gröger Futter für seine Tiere. 470 Mastplätze und 90 Aufzuchtplätze kann der Betrieb bereitstellen.
Der neue Stall wurde 2020 gebaut. Die Fütterung und die Einstreu (Tretmist) sind voll mechanisiert. Da das Wasser in Gempen SO sehr teuer ist, trinken die Munis aufbereitetes bzw. hygienisiertes Dachwasser, sagt Roger Gröger.
Im alten Stall von 1979 stehen die Kälber. Der Stall solle auch erneuert werden, sagt Gröger, aber alles im Betrieb müsse im gleichen Masse wachsen, «erst muss der Futterbau nachziehen, dann kann der Stall umgebaut werden». Das Luftvolumen ist Gröger dabei wichtig.
«Frische Luft hält Kälber gesund.»
Roger Gröger über Kälbergesundheit in seinem Stall

Das Management sei beim Aufstallen der Kälber entscheidend, er könne die Tierarztkosten inkl. Medikamente auf 16 Franken pro Tier und Jahr drücken. Um dies zu erreichen, brauche es eine gute Hygiene, vorgemischtes «Müsli» und eine grosse Tafel, wo alles Relevante in seiner Abwesenheit dokumentiert wird, sagt Gröger.
Neben der Munimast betreibt Gröger einen Lohnbetrieb mit verschiedensten Aufträgen, darunter Winterdienst, Drescharbeiten und das Silieren von Mais sowie Gras. Aber auch Transportaufträge gehören dazu. Jeanine, die Schwester des Betriebsleiters, führt den Hofladen.

