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Mähen und krümeln statt Gras tot spritzen

Im Obstbau gewinnt die mechanische Unkrautregulierung an Bedeutung. In Rain wurden entsprechende Geräte vorgestellt.

Der Pflanzenbau ist im Wandel: Die Liste der erlaubten Herbizide zur Unkrautbekämpfung wird immer kürzer. Als Ergänzung setzen sich zunehmend Geräte zur Bodenbearbeitung durch. Auf dem Obstbaubetrieb Estermann in Rain wurden Ende letzte Woche praxistaugliche Techniken vorgestellt. Im Zentrum standen der Krümler und der Fadenmäher sowie das X-Power-XPO-System, eine Maschine zur elektrischen Unkrautbekämpfung.

Krümeln mobilisiert

Der Krümler schneidet Gras und Beikraut mitsamt den Wurzeln aus und arbeitet sie als organischen Dünger mit in die Krümelstruktur ein. Das Verfahren trägt so zur Bodenverbesserung bei und mobilisiert zugleich Nährstoffe. Die Arbeitstiefe beträgt bis 8 Zentimeter. Damit werden gleichzeitig oberflächliche Gangsysteme von Mäusen zerstört.

Das Gerät eignet sich für Reihenabstände zwischen 1,8 und 4,5 Meter, Hanglagen und Dammbauten sind dabei kein Hindernis. Im Gegensatz zum Krümler schlägt der Fadenmäher die Unkräuter oberflächig ab, dies auch an schwierig zugänglichen Stellen. Er ist bei jeder Witterung einsetzbar.

Strom als Alternative

Die Fenaco-Tochter Agroline bietet mit dem X-Power XPO eine elektrische Alternative zur Unkrautbekämpfung an. Bei dieser Methode übertragen Elektroden eine Dosis elektrische Energie auf das Pflanzengewebe. Indem es Spross und Wurzelgewebe zerstört, erreicht das Electroherb genannte Verfahren die gleiche Wirkungstiefe wie Herbizide. Das Gerät arbeitet mit einer Stromspannung bis 8000 Volt und darf nur von entsprechend geschulten Personen bedient werden.

Betriebsspezifisch planen

Der X-Power wird seit 2020 im Kanton Thurgau in Feldversuchen getestet und laufend optimiert. Der Wirkungsgrad ist abhängig von der Feuchtigkeit und Höhe des Unkrauts, entspricht jedoch grundsätzlich jenem chemischer Mittel. Der Einfluss auf Bodelebewesen scheint vernachlässigbar. Dieser Punkt wird laut Obstbauberater Patrick Stefani noch vertieft geklärt, die Aussichten für eine Bio-Zulassung stünden allerdings gut.

Die Arbeitsgeschwindigkeit der Geräte liegt zwischen 1 und 7 km/h und beeinflusst die Kosten auf Stundenbasis. Ausser beim Vollverzicht auf Herbizide bietet sich eine Kombination von mechanischer und chemischer Unkrautregulierung an. Abhängig vom Wuchsstadium kommen unterschiedliche Geräte zum Einsatz. Und natürlich gilt es bei jeder Methode die Vor- und Nachteile abzuwägen.

Je nach Betrieb

An der vor Wochenfrist von rund 50 Personen besuchten Orientierung auf dem Betrieb Buechen wurde mehrfach betont, dass jeder Betrieb seine eigene Strategie entwickeln muss. Und zwar abhängig von Standortbedingungen, Bodeneigenschaften, Labelanforderungen und einigem mehr.

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