Wiesen und Weiden sind braun, die Nerven liegen vielerorts blank. Fabian Gut, Präsident des schweizerischen Raufutterverbands, ruft dazu auf, einen kühlen Kopf zu bewahren. Nach wie vor sei die Raufutterernte in Europa im Gange. Auch gebe es keinen Importstopp.
Zölle werden angepasst
Wie der Schweizer Bauernverband (SBV) schreibt, wurde auf seinen Antrag der Zoll für Raufutter aufgehoben. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) habe auch beim Silomais Zollsenkungen vorgenommen. Für weitere Zollsenkungen für Maispflanzen zu Futterzwecken gab es laut SBV noch eine Vernehmlassung.
Neben finanziellen bleiben andere Hürden für den Kauf von Futter aus dem Ausland bestehen: Die Logistik sei am Anschlag, sagt Fabian Gut. Er betont aber auch, Futter sei verfügbar – wenn auch nicht so rasch, wie es teilweise nötig wäre. «Braucht zuerst von dem, was ihr noch habt, auch von den Wintervorräten, bis das Futter aus dem Ausland da ist», so sein Appell.
Fabian Gut spricht von einer sehr schwierigen Situation, auch für die Händler. Mehrfachbestellungen seien nicht dienlich, das Hamstern von Futter treibe die Preise zusätzlich in die Höhe. Dem stimmt auch Toni Estermann zu. Der Geschäftsführer und Inhaber des Futtermittelhändlers KHG in Rickenbach LU schildert: «Der Markt ist zwar im Moment überhitzt, doch Futter ist grundsätzlich verfügbar.»
Gut warnt, dass aktuell vermehrt Betrüger unterwegs seien, die sich an der Situation zu bereichern versuchten. Er betont, dass seriöse Händler keine Vorauskasse verlangen und die Qualität des Futters offen kommuniziert werden sollte.
Vereinfachtes Bewilligungsverfahren bei Bio Suisse
Bio Suisse teilt in einer Mitteilung vom 3. August 2026 mit, dass die Bewilligungspraxis für den Futtermittelzukauf gelockert wird: Ab sofort können bis zu 50 % des Jahresgesamtbedarfes an Raufutter in EU-Bioqualität bewilligt werden. Zudem wird die Vorgabe aufgehoben, wonach Ertragsausfälle bei Raufutter nur durch Futtermittel der gleichen Qualität ersetzt werden dürfen. Das bedeutet beispielsweise, dass ein Ertragsausfall von Heu auch durch Luzerne ersetzt werden kann.
Für eine Bewilligung müssen Bio-Suisse-Produzentinnen und -Produzenten zurzeit lediglich das ausgefüllte Formular bei der Zertifizierungsstelle einreichen. Eine Bestätigung der Nichtverfügbarkeit von Schweizer Futter ist in der aktuellen Situation nicht erforderlich.
«Solidarität zeigt sich im Handeln»
Sowohl die kantonalen Bauernverbände als auch Bio Suisse rufen zur Solidarität auf. Ackerbaubetriebe sollen nach Möglichkeit eine Zwischenfrucht statt Gründüngungen anbauen, um so noch Futter zu produzieren und weiterzugeben. Der Luzerner Bauernverband ruft Getreideproduzenten dazu auf, Zwischenfutter zu produzieren: «Solidarität zeigt sich im Handeln. Gemeinsam können wir dazu beitragen, die Folgen der Trockenheit abzufedern.»
Plattformen sollen dazu dienen, regional die Bauern besser zu vernetzen und verfügbares Futter direkt in der Region zu vermitteln. Die Plattformen von Bio Suisse, Biomondo sowie vom Maschinenring sind etabliert und bieten ebenfalls Futtermittel an.

