Richtpreissenkung für Brotgetreide sei nicht akzeptabel – die Seeländer Bauern fordern Konsequenzen

Die Landwirtschaftliche Organisation Seeland (LOS) lehnt die Richtpreissenkung des SGPV heftig ab und fordert ihre Verbandsabgaben 2026 zurück. Sie wirft dem Verband mangelnde Standhaftigkeit vor.

Die Landwirtschaftliche Organisation Seeland (LOS) lehnt die vom Schweizerischen Getreideproduzentenverband (SGPV) beschlossene Senkung des Richtpreises für Brotgetreide entschieden ab. Der Verband habe den Grossverteilern entweder nicht standgehalten – oder stehe ihnen zu nahe, schreibt die LOS in einer Medienmitteilung.

Die Argumente gegen eine Preissenkung lägen auf der Hand, seien aber offensichtlich nicht mit der nötigen Konsequenz vertreten worden. Warum eine Richtpreissenkung falsch sei:

• Massiv gestiegene Produktionskosten: Energie und Dünger seien deutlich teurer geworden.

• Kleinere Ernte 2026: Die anhaltende Trockenheit werde die Inlandproduktion spürbar reduzieren.

• Jährlich wiederkehrende Lagerillusion: Kurz vor der Ernte seien die Lager angeblich voll. Im August heisse es dann, die weltweiten Brotgetreidevorräte reichten nur noch 70 bis 90 Tage. Von den steigenden Preisen würden die Lagerhalter profitieren.

• Fragwürdige Lagerbestände: Für 2026 sollen noch 130 000 Tonnen Brotgetreide an Lager sein. Das sei kaum plausibel, wenn die Ernten 2023 (373 000 t), 2024 (250 000 t) und 2025 (436 000 t) deutlich darunterlagen. Der langjährige Durchschnitt liegt bei rund 420 000 t. «Wer kontrolliert diese Zahlen?», fragt sich die LOS in der Mitteilung.

Es braucht mehr, nicht weniger

Im Weiteren stellt die LOS fest, dass die Nachfrage stabil sei und die Bevölkerung weiter wachse. Der Brotgetreideverbrauch sei seit 1985 stabil geblieben. Pro Kopf seien rund 50 kg Brotgetreide pro Jahr nötig. Allein von 2010 bis 2025 sei die Schweiz um 1,8 Mio. Menschen gewachsen. Damit brauche es 2025 rund 450 000 Tonnen Brotgetreide – also mehr, nicht weniger.

Fazit der LOS:

• Die Grossverteiler würden Schweizer Bauern vor allem als Werbeträger für Regionalität wollen, nicht als faire Partner.

• Der Anteil des Brotgetreides am Brotpreis betrage knapp 40 Rappen pro Kilo Brot. Wenn die Grossverteiler das Brot für 2 Franken verkaufen wollen, könnten sie das tun – aber nicht auf dem Buckel der Bauern.

• Gleichzeitig würden Teiglinge in grossen Mengen aus Osteuropa importiert, hier aufgebacken und als Schweizer oder gar regionale Produkte verkauft.

Die Abgaben zurückfordern

Diese Argumente müsste eigentlich der SGPV vertreten – dafür bezahlten die Bauern schliesslich Verbandsbeiträge. Da dies nicht geschehen sei, würden die Seeländer Bauern ihre Verbandsabgaben 2026 im Umfang der Preissenkung zurückfordern, heisst es weiter in der Mitteilung.