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Kartoffelbranche reagiert, um die Folgen der Trockenheit abzufangen

Die wenigen Kartoffeln der Ernte 2026 soll möglichst gut genutzt werden. Dafür passt die Branche Übernahmebedingungen an und setzt die Richtpreise am oberen Ende des Preisbandes.

Angesichts des Extremsommers 2026 war es zu erwarten und die Ertragserhebungen von Swisspatat bestätigen: Die Kartoffelernte fällt in diesem Jahr unterdurchschnittlich aus. Die Branchenorganisation beziffert den Ertragsrückgang mit 25 Prozent gegenüber dem Zeitraum 2020–2025. So belaufen sich die Bruttoerträge heuer – gemäss der Erhebung basierend auf rund 1000 repräsentativen Mustern der relevanten Sorten – auf durchschnittlich 322 kg/a. Bei einem mittleren Speiseanteil von 80 Prozent resultieren Nettoerträge über alle Sorten von 259 kg/a.

Weniger, dafür mit wenig Mängeln gute Backqualität

Hingegen falle die Qualität der Kartoffeln gut aus, teilt Swisspatat mit. Die Knollen seien zwar kleinfallend, wiesen aber wenig Mängel auf. Als Hauptmängel werden Schorf und Drahtwürmer genannt. Darüber hinaus überzeugen die Verarbeitungskartoffeln mit einem um 1 Prozent höheren Stärkegehalt von 15,4 Prozent und erfreulicher Backqualität.

Im Bio-Bereich sieht es ähnlich aus. Die Ernte 2026 ist zwar ebenfalls unterdurchschnittlich, der Ertragsrückgang gegenüber dem Fünfjahresschnitt beträgt hier aber 13 Prozent. Der Bruttoertrag liegt bei 259 kg/a, was bei einem durchschnittlichen Speiseanteil von 77 Prozent einen Nettoertrag von 198 kg/a bedeutet. Gemäss Swisspatat sind auch die Bio-Kartoffeln von guter Qualität.

76 000 t weniger Kartoffeln in der diesjährigen Ernte

Man geht von einer Gesamternte (konventionell und Bio) von 335 000 t für dieses Jahr aus. Zwar wurden gegenüber dem Vorjahr auf 2,5 Prozent mehr Fläche – oder zusätzlichen 270 ha – Kartoffeln angebaut. Bei Bio ist ein leichter Rückgang um 23 ha zu verzeichnen. Jedoch liegt die geschätzte Gesamternte heuer deutlich unter dem Mittel der Jahre 2020–2025 von 411 000 t. Innerhalb der Segmente gab es eine Verschiebung von weniger festkochenden Speisesorten und Chipskartoffeln hin zu mehr Fritessorten. «Alle Segmente sind in dieser Kampagne auf zusätzliche Importe angewiesen, um die Versorgung sicherzustellen», so Swisspatat.

Für die Produzenten angepasst

Zugunsten der Produzenten habe man angesichts der extremen Witterung in diesem Jahr ein ausserordentliches Massnahmenpaket geschnürt, teilt die Branchenorganisation mit. Es wurde demnach Folgendes beschlossen:

Speisekartoffeln: Preisbänder werden um 2 Fr./100 kg geöffnet. Dadurch erhöhen sich die Richtpreise für Speisekartoffeln ebenfalls um 2 Fr./100 kg. Die untere Kalibergrenze liegt neu bei 25 mm für festkochende und 35 mm für mehligkochende Kartoffeln (per 1. September 2026).

Veredelungskartoffeln: Einmaliger Solidaritätszuschlag von 2 Fr./100 kg.  Für die branchenvereinbarte Sofortverarbeitung gilt dieser rückwirkend auf den 1. August 2026. Die feste Toleranz für die Überschreitung der Kalibervorgaben steigt auf 10 Prozent für die Frites- bzw. auf 15 Prozent für die Chipskartoffeln (per 1. September 2026).

«Damit trägt die gesamte Wertschöpfungskette die Folgen der herausfordernden Produktionsbedingungen im Sommer 2026 mit», schreibt Swisspatat. Die Preisaufschläge entlang der Wertschöpfungskette sollen per sofort erfolgen – die ausserordentlichen Bedingungen liessen es in diesem Jahr nicht zu, die normalen Vorlaufzeiten einzuhalten. Für die Abnehmer würden die obigen Massnahmen die Rohstoffkosten um 4,50 Fr./100 kg verteuern.

Kleineres Angebot und stabile Nachfrage wirken auf den Preis

Die Basis für die Produzentenrichtpreise bilden bei den Speisekartoffeln das im letzten Herbst festgelegte Preisband, die Ergebnisse der Ertragserhebungen und die Kartoffelnachfrage. «Aufgrund der tiefen Erträge und der stabilen Nachfrage liegen die Produzentenrichtpreise für konventionelle Kartoffeln in diesem Jahr am oberen Ende des Preisbandes», fasst Swisspatat die Lage zusammen.

Festkochende Sorten: 62,15 Fr./100 kg

Mehligkochende Sorten: 57,85 Fr./100 kg

Bio: Richtpreise für fest- und mehligkochend ebenfalls am oberen Ende des Preisbandes bei 106,15 Fr./100 kg.

Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Erhöhung der Richtpreise um 9,20 Fr./100 kg (konventionell) bzw. 14 Fr./100 kg (für bio). Für Veredelungskartoffeln gelten die verhandelten Fixpreise inklusive des erwähnten Solidaritätszuschlags.

Mehr Spielraum bei den Übernahmebedingungen

Bereits klar war, dass bei dieser Ernte mechanische Schäden wieder als Mängel taxiert werden. Die übrigen Lockerungen aus dem Vorjahr führt die Branche weiter. Gegenüber 2025 gelten folgende Anpassungen bei den Kalibern:

Festkochend: neu 25–60 mm (bisher 30–60 mm)

Mehligkochend: neu 35–70 mm (bisher 42,5–70 mm)

Industriesorten: neu feste Toleranz von 10 Prozent (Frites) bzw. 15 Prozent (Chips), neu 15 Prozent statt 10 Prozent als Schwelle für eine Annahmeverweigerung bei Grössenabweichung von Fritessorten.

Frischverfütterung ab sofort möglich

Ab sofort und bis zum 31. Dezember 2026 können Kartoffeln der Frischverfütterung zugeführt werden. Der Mindestspeiseanteil beträgt heuer 30 Prozent, wobei Unterkaliber und Auswuchs nicht berücksichtigt werden und für Bio kein Mindestspeiseanteil gilt. Die verfütterten Sorten müssen auf der «Liste der zugelassenen Kartoffelsorten» von Swisspatat aufgeführt sein. Der Beitrag für die Frischverfütterung wurde auf 20 Fr./ 100 kg Speiseanteil festgelegt. Gesuche lassen sich entweder direkt an den offiziellen Qualiservice-Kontrolleur aus der Region oder an die Qualiservice-Geschäftsstelle richten.

Übernahmebedingungen, Richtpreise und zugelassene Kontrolleure: www.kartoffel.ch/markt

Übersicht über die Produzentenrichtpreise. (Bild: Swisspatat)

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