Mit dem Monatswechsel vom Oktober zum November hat sich auch der Wettercharakter deutlich geändert. Nachdem der Oktober deutlich trockener und sonniger ausgefallen ist als der klimatologische Durchschnitt, waren die ersten Novembertage doch definitiv auf der grauen Seite und die Schneefallgrenze sank so tief wie noch nie in der aktuellen Herbst- respektive Wintersaison – und eine alte Bauernregel sagt: «Bringt Allerheiligen einen Winter, so bringt Martini einen Sommer». Bestätigen die aktuellen Prognosen diese Bauernregel?

Wintereinbrüche im Oktober

Bereits im Oktober gab es wiederholt kurze Wintereinbrüche, die vorübergehend ein deutliches Absinken der Schneefallgrenze mit sich brachten. In jedem dieser Fälle erfolgte jedoch mit der einfliessenden Kaltluft ein rascher Druckanstieg und aus Westen weitete sich bald das nächste Hochdruckgebiet Richtung Alpen aus, so dass die Wintereinbrüche nur kurze Episoden in einem sonst hochdruck-bestimmten Wettermuster darstellten.

Die aktuelle Schlechtwetterphase zum Novemberbeginn zeigt ein ähnliches Muster. Zwar bewegt sich das zentrale Tief, das diese Phase verursacht, langsamer und die Kaltluft, die Mitteleuropa erreicht, ist ausgeprägter und umfangreicher als die Kaltluftvorstösse im Oktober, aber über dem Atlantik befindet sich das Azorenhoch weiterhin relativ weit im Nordosten und es zeigt weiterhin die Tendenz, sich Richtung Mitteleuropa auszuweiten. Das bedeutet, dass sich bereits zum ersten Novemberwochenende hin ein neuer Druckanstieg und zumindest ansatzweise das nächste Hochdruckgebiet Richtung Mitteleuropa etabliert.

Gutes Wetter am Martinstag

Ein Hochdruckgebiet in der ersten Novemberhälfte bringt oft Wetter, das in der Schweiz als Martini-Sommer bekannt ist. Wie der Altweibersommer im September und Oktober ist auch der Martini-Sommer ein Witterungsregelfall: Eine mehrtägige Schönwetterperiode, die mit erhöhter Wahrscheinlichkeit in der ersten Novemberhälfte, meist um den Martinstag am 11. November, auftritt.

Das Hoch, dass sich aktuell Richtung Europa ausweitet, muss jedoch nicht zwingend einen Martini-Sommer bringen. Es hat nämlich einen Gegenspieler, der das Hochdruckwetter etwas trüben könnte: ein Mittelmeertief. Dieses Tief ist eine Folge des aktuellen Wintereinbruchs. Die Kaltluft, die bei uns für das Absinken der Schneefallgrenze verantwortlich ist, ist nämlich im Alpenraum nur auf der Durchreise. Sie fliesst weiter nach Süden, wo sie sich im Lee der Alpen über das warme Mittelmeer ergiesst. Dieser Kontrast von kalter Polarluft über warmem Meerwasser führt dazu, dass sich ein neues Tiefdruckgebiet über dem Mittelmeer bildet. Ein Problem solcher abgeschnittenen Tiefdruckgebieten ist, dass sie nur schwer prognostizierbar sind.

Instabile Luft bringt Regen

Ein weiteres Problem: Je nach Position des Mittelmeertiefs kann es aus Süden, Südosten oder Osten feuchte und teils auch instabile Luft in die Schweiz führen. Oft führt das zur sogennanten «Schwarzen Bise»: Eine Bisenlage mit hochreichender Feuchtigkeit und dementsprechend trübem Wetter und gelegentlichem Niederschlag – trotz relativ hohem Luftdruck auf der Alpennordseite.

Das Tief als Spielverderber

Die Voraussetzungen für einen Martini-Sommer sind auchdieses Jahr gegeben. Allerdings könnte das Mittelmeertief als unberechenbares Element und somit als Spielverderber wirken. Es kann also sein, dass zumindest zeitweise eine «Schwarze Bise» oder eine Schwächung des Hochs auftreten können. Entscheidend für die erste Novemberhälfte ist also das Geschehen über dem Mittelmeer.

Somit ist es recht unsicher, welches Szenario sich schlussendlich durchsetzt. Bei beiden Szenarien fallen hingegen die Niederschlagsmengen auf der Alpennordseite eher gering aus. Die Wahrscheinlichkeit für eine eher trockene erste Novemberhälfte ist also relativ gross.