Sie bewirten gerne Gäste und nutzen die Gelegenheit, ihnen die Landwirtschaft näher zu bringen: Damit erklären Brunch-Anbieter aus der Region übereinstimmend, warum sie die grosse Arbeit am Bundesfeiertag auf sich nehmen, wie eine kleine Umfrage der BauernZeitung ergeben hat.

Treues Stammpublikum

Wie oft Familie Müller schon zum 1. August-Brunch auf ihren Hof nach Müswangen eingeladen hat, wissen sie nicht so genau: "Wir zählen nicht mehr", sagt Bernadette Müller. Eine Tradition ist es jedenfalls geworden, 90 Prozent der Gäste seien Stammpublikum, sagt die Bäuerin nach einem Blick auf die Liste mit den Anmeldungen. Die ist voll – Müllers sind Mitte Juli bereits ausgebucht.

Während einigen Jahren haben Josef und Bernadette Müller 400 Brunch-Plätze angeboten, mittlerweile haben sie auf 100 reduziert. Diese familiäre Grösse sei für alle angenehm. Gästebewirtung ist ein Standbein auf der Holzmatt in Müswangen und findet regelmässig statt. Bernadette Müller ist eine begeisterte Bäckerin, experimentiert gerne mit Brotsorten und beim Einmachen von Konfitüre und Sirup. Das schätzen denn auch ihre Gäste, "Konfi aus dem Grossverteiler muss ich nicht aufstellen".

Kalkulation ist verlässlich

Die gleiche Begeisterung, nur weniger Erfahrung zeigt Andrea Hochuli aus Küttigen. Auf die Mengenkalkulation des Bauernverbands verlasse sie sich dieses Mal, schmunzelt sie. Bei ihrem ersten 1. August-Brunch vor einem Jahr hatte sie die Vorgaben kräftig aufgerundet – und die Familie ass nachher noch eine Weile Rösti und andere Resten. "Nicht weiter schlimm", lacht die Bäuerin heute darüber und spricht von einem gelungenen Anlass. "Es ist ein super Gelegenheit zu zeigen, was wir machen. Nämlich alles das, was auf dem Teller liegt. Hier treffen wir die Menschen in einem gemütlichen Rahmen und ohne politischen Hintergrund und können ihnen unsere Arbeit erklären." Finanziell war der Brunch für die Gastgeber eine Nullrunde, gerade beim ersten Mal gab es doch einige Anschaffungen zu machen. Und doch war schnell klar, dass es eine Fortsetzung geben würde. Andrea Hochuli kommt aus der Gastronomie und hat Freude an der Gästebewirtung, die ansonsten keinen festen Platz hat auf dem Langacherhof in Küttigen mit Milchwirtschaft und Ackerbau.

100 Plätze sind auch für Familie Hochuli eine gute Grösse, die persönlichen Kontakt gewährleistet. Die Helferinnen und Helfer lassen sich gut aus dem Familien- und Bekanntenkreis aufbieten. "80 Plätze sind schon reserviert, die übrigen werden auch bald weg sein", sagt Andrea Hochuli. Während im ersten Jahr vor allem Menschen mit einem persönlichen Bezug zu Hochulis zum Brunch kamen, sind heuer Menschen aus der halben Schweiz angemeldet, die sie nicht kennen. "Spannend", findet die Bäuerin und freut sich auf die Gespräche.

"Die Leute melden sich immer kurzfristiger an", sagt Martina Meier vom Biohof Überwurf in Sattel SZ aus 15-jähriger Brunch-Erfahrung. Die Nachfrage nach dem Brunch sei eher sinkend, finden sie wie die übrigen Anbieter, mit denen die BauernZeitung gesprochen hat. Das ist aber kein Problem, denn die Nachfrage bleibt auf hohem Niveau. Auch Familie Meier hätte in der Vergangenheit immer mehr als die angebotenen 180 Plätze für ihren Bio-Brunch verkaufen können.

 

Bargeldlos brunchen

Im Vorjahr war der Aargau Pilotkanton für das bargeldlose Zahlungssystem "Twint". Heuer bieten dies Betriebe in der ganzen Schweiz an. Ansonsten bleibt der 1. August-Brunch wie gewohnt. Die Anzahl Anbieter sei recht stabil, berichtet Andrea Oldani vom Schweizerischen Bauernverband, «wenn einer aufhört, zieht meistens ein neuer Betrieb nach». Andere sind seit 20 Jahren dabei, teilweise schon unter der zweiten Generation. Die meistens seien ausgebucht, mit regionalen Unterschieden.