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Solarstrom vom Hof: Sinkende Vergütungen erhöhen den Druck auf Eigenverbrauch

Die Rahmenbedingungen für die Einspeisung von Strom ins Netz verschlechtern sich weiter. Solarbauern sind gefordert, auf neue Vermarktungsmodelle zu setzen.

Schön ist es, dass in der Schweiz und auch in der Landwirtschaft immer mehr Solarstrom produziert wird. Weniger schön ist, wenn die Produzenten für ihren Strom immer weniger Geld erhalten oder von den Energieabnehmern gar Negativpreise verfügt werden.

Zu viel Strom belastet das Netz

Auf nächstes Jahr verschlechtern sich die Bedingungen für die Einspeisung von Solarstrom ins Netz weiter. Dies aufgrund der deutlichen Zunahme von Solarstrom, welcher vor allem im Sommer und über die Mittagszeit das Netz zu stark belaste. «Es wird dann mehr Strom produziert, als benötigt wird», heisst es in der Mitteilung des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) von Mitte August. Deshalb wurde das Energiegesetz aktualisiert.

Das sieht ab 2027 vor, dass die Vergütung dynamisch viertelstündlich angepasst wird und sich nach dem aktuellen Wert des Stromes am Markt richtet. Dies gilt, sofern keine andere Vergütung vereinbart wurde. So bleibt die minimale Einspeisevergütung für kleinere Anlagen bis 30 kW Leistung weiterhin bei sechs Rappen. Für Anlagen von 30 bis 150 kW mit Eigenverbrauch sind es 1,2 bis 5,8 Rp/kWh, für solche ohne Eigenverbrauch 6,2 Rp/kWh.

Im CKW-Gebiet wird allerdings ab 2027 der zusätzlich ausbezahlte Herkunftsnachweis (HKN) von bisher 2 Rp/kWh gesenkt. Neu gibt es im Winterhalbjahr nur mehr 1 Rp, im Sommerhalbjahr noch 0,1 Rp, und in Stunden negativer Preise entfällt die HKN-Vergütung ganz. Für den Strombezug muss andererseits nächstes Jahr im CKW-Gebiet ein halber Rappen weniger bezahlt werden, der Preis sinkt im Schnitt auf 24,67 Rp/kWh. Das sei deutlich tiefer als der Median der Schweizer Energieversorger, heisst es in der Mitteilung von CKW Ende August.

Christian Wolf von MBR Solar weist auf den hohen Anteil an Solarstrom von Bauernhöfen hin. Grosse Anlagen kommen nächstes Jahr wegen der sinkenden Rückvergütung unter Druck, viele Anlagen werden bei Negativpreisen wohl abgestellt. (Bild: Josef Scherer)

Wert viertelstündlich wechselnd

Mit den neuen Vorgaben für die Vergütung von Solarstrom würden Anreize entstehen, Strom dann einzuspeisen, zu speichern oder selbst zu verbrauchen, wenn dies für das Stromsystem besonders sinnvoll sei, schreibt VSE. Künftig zähle, zu welchem Zeitpunkt Strom eingespeist werde. Wenn viel verfügbar sei, könne die Vergütung in dieser Viertelstunde tief oder negativ sein. In Phasen hoher Nachfrage und geringen Angebots sei die Vergütung besser.

«Batterien können mehr als nur den Eigenverbrauch optimieren.»

Simon Bolli von der Flecopower AG weist auf die Möglichkeiten am Regelenergiemarkt hin.

Bisher erhielten Solarstromproduzenten pro Quartal den fixen, vom Bund nachträglich festgelegten Referenzmarktpreis. Für das zweite Quartal 2026 lag der bei 3,9 Rp/kWh.

Strom selbst vermarkten

Auf dem Milchwirtschaftsbetrieb Hueb in Hagendorn produziert Vital Bircher auch viel Solarstrom auf den Dächern der Gebäude. (Bild: Josef Scherer)

Mit dem neuen Vergütungsmodell würden Energiemanagementsysteme auf den Produktionsbetrieben bedeutend. Die könnten automatisch steuern, wann Speicherbatterien gefüllt, Warmwasserspeicher erwärmt, Wärmepumpen betrieben oder Elektrofahrzeuge geladen würden. Empfohlen wird, Solarstrom auch selbst in der Nachbarschaft zu vermarkten. So über einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV oder ZEV) oder eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG).

Die Produktion abschalten lassen

Eine weitere Möglichkeit bietet neben anderen der Zentralschweizer Energieversorger CKW seit Anfang 2026 mit dem Flexibilitätsmarkt, für PV-Anlagen ab 150 kWp. Dabei wird die Produktion einer teilnehmenden Anlage vom Netzbetreiber automatisch unterbrochen, für wenige Minuten bis maximal zwei bis drei Stunden, wenn zu viel Strom im Netz ist.

«Wir werden Hunderte von Solaranlagen über den Mittag abstellen.»

Christian Wolf von MBR Solar über die Auswirkungen der dynamischen Preise nächstes Jahr.

CKW vergütet den entgangenen Strom mit einem Betrag, der über dem regulären Strompreis und der Rückliefervergütung liegt. Künftig wolle CKW die Eintrittsschwelle gar auf 10 kWp senken, sodass auch kleinere Produzenten von diesem Markt profitieren könnten.

Der Hof als Energiespeicher

Zum Umgang mit den neuen Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft fand am Samstag, 12. September 2026, auf dem Betrieb von Vital Bircher vom Huobhof in Hagendorn ZG eine Fachtagung «Der Hof als Energiespeicher» statt. Die wurde gemeinsam organisiert von MBR Solar, dem Maschinenring Zuger Berggebiet, der Buuregnossi Cham und der Flecopower AG.

Fachleute zeigten, wie mit Batteriespeichern der Eigenverbrauch erhöht, Lastspitzen reduziert und neue Erlösquellen erschlossen werden können. Erläutert wurden auch die neuen Möglichkeiten der Stromvermarktung wie ZEV, vZEV und LEG.

Buuregnossi finanziert

Landwirt Bircher bewirtschaftet mit seiner Familie 32 ha LN, davon sind 9 ha Silomais und 1,5 ha Extenso-Urdinkel. 75 Holstein-Kühe produzieren im Schnitt 10 800 kg Milch. Daneben werden noch 320 Legehennen gehalten. Eier und Fleisch von Mastrindern und Kühen werden direkt vermarktet.

Bedeutend ist die Energieproduktion: Auf den Dächern der zahlreichen Gebäude stehen Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 360 kWp. Investiert hat die Buuregnossi Cham, mit Erlösen aus Liegenschaften. Die betreibt inzwischen in der Region 33 Anlagen mit einer Leistung von über 4 MW, wie Geschäftsführer Reto Hübscher erklärte. Die Landwirte erhalten eine Entschädigung für die Dachnutzung und können den selbst benötigten Strom zu Gestehungskosten beziehen, bei Bircher sind das unter drei Rappen/kWh. Wegen der sinkenden Vergütungspreise beim regionalen Energieabnehmer WWZ setzt die Gnossi künftig auf Batteriespeicher, LEG und «optimierte dynamische Preise», das heisst Abstellen der Anlagen bei negativen Preisen und Einspeisung bei höheren Preisen.

Speichern statt steuern

Auch Vital Bircher hat einen grossen Batteriespeicher von 215 kWh installiert, und finanzierte die rund 56 000 Franken selbst, bekam dafür dann aber fast die Hälfte Fördergelder. So konnte er den Eigenverbrauchsanteil deutlich steigern.

Das ist auch der Aufruf von Christian Wolf von MBR Solar für Anlagen über 150 kWp auf Landwirtschaftsbetrieben, welche von den künftig viel tieferen und dauernd schwankenden Vergütungen besonders betroffen seien: Entweder mit Batterien den Eigenverbrauch erhöhen oder die Leistung bei tiefen Preisen abriegeln und gar keinen Strom mehr einspeisen. «MBR wird künftig Hunderte von Anlagen über die Mittagszeit abstellen, wenn die Preise negativ sind.»

Speicher richtig dimensionieren

Das Potenzial, den Stromverbrauch auf Bauernhöfen zu optimieren, sei beschränkt. Allenfalls sei dies bei der Boilersteuerung und E-Fahrzeugen möglich, nur beschränkt bei Fütterung, Melken, Kühlung, Lüftung und Gülletechnik. «Es macht keinen Sinn, Tausende von Franken in eine Steuerung zu investieren, wenn nur wenige Prozesse steuerbar sind.»

Da sei ein Speicher oft günstiger, wobei auf eine optimale Dimensionierung zu achten sei. Die Formel lautet: Gesamtverbrauch von kWh pro Jahr : 365 Tage × 0,6 (60 Prozent des Tagesbedarfes).

Wolf gab aber zu bedenken, dass allein die Speicherung fünf bis zehn Rappen pro kWh kostet. Dazu kommen die Gestehungskosten für den Solarstrom von vier bis acht Rappen. Eigener Strom aus der Batterie ist somit für 10 bis 20 Rappen zu haben, während der Strombezug vom Netz noch häufig über 25 Rp/kWh kostet. «Das Einspeisen über Nacht ins Netz kann nächstes Jahr ein Thema werden.»

Zusatzertrag im Regelenergiemarkt

Simon Bolli von der  Flecopower AG, einer Tochter von MBR Solar, ging auf die Flexibilitätsvermarktung am Regelenergiemarkt ein. Sowohl die Bereitstellung der elektrischen Flexibilität als auch die Lieferung oder der Bezug von Regelenergie werde zur Netzstabilisierung von Swissgrid lukrativ vergütet. Flecopower fokussiere auf das Pooling von vielen Speichern und die Vermarktung der sogenannten Restflexibilität. «Batterien können mehr als nur den Eigenverbrauch optimieren.» Dabei liege das durchschnittliche zusätzliche Ertragspotenzial für einen Speicher mit 100 kVA Ausgangsleistung bei jährlich 3000 bis 5000 Franken. «Während Energiekrisen waren es auch schon 45 000 Franken.»

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