Mythos Mischwagen: Was Schüttelbox-Tests wirklich beweisen – und was nicht

Ein Praxistest zeigt klare Unterschiede zwischen vertikalen und horizontalen Futtermischwagen: bessere Durchmischung, kürzere Mischzeit, tieferer Energiebedarf. Doch der Tester warnt vor voreiligen Schlüssen.

In der BauernZeitung vom 14. August ging es um Strohfütterung bei Jungvieh, und am Rande fiel dabei auch ein Wort zur Schneidleistung vertikaler Mischwagen. Solche Nebensätze bringen in der Mischwagen-Branche gerne Bewegung in die Diskussion – schliesslich lässt sich Schneid- und Mischqualität heute mit einer Methode objektiv vergleichen, die eigentlich für die Fütterungsberatung entwickelt wurde: der Schüttelbox.

Wie aussagekräftig ein solcher Vergleich tatsächlich ist, zeigt ein Praxistest von Roger Zulliger von der Agro-Technik Zulliger AG in Hüswil LU, die Strautmann-Mischwagen in der Schweiz vertreibt. Zusammen mit einem Fütterungsberater hat er den Strautmann Verti-Mix mit einer sogenannten IMS-Mischschnecke in der neuen «Hay Edition» getestet – einer Ausführung, die speziell auf Heu und langfaseriges Futter ausgelegt ist. Verglichen wurde er mit einem Futtermischwagen eines Mitbewerbers, der mit zwei horizontalen Schnecken arbeitet.

Wie der Praxistest im Detail ablief

Der Versuch fand auf einem Schweizer Milchwirtschaftsbetrieb statt. Beide Mischwagen wurden unter anderem mit Heu und Wasser beladen. Anschliessend wurden Misch- und Schneidqualität, Mischzeit sowie Leistungsbedarf verglichen. Als Messinstrument diente eine Schüttelbox – im Fachjargon auch Penn State Particle Separator genannt, benannt nach der US-Universität, an der das Gerät entwickelt wurde. Dabei wird eine Futterprobe durch mehrere übereinandergestapelte Siebe mit unterschiedlicher Maschenweite geschüttelt. Je nachdem, wie viel Material auf welchem Sieb liegen bleibt, lässt sich ablesen, wie die Partikelgrössen in der Ration verteilt sind – also ob viele lange Fasern übrig geblieben sind oder ob alles fein zerkleinert wurde.

Im Zulliger-Test schnitt der Strautmann mit IMS-Mischschnecke besser ab: gleichmässigere Durchmischung, weniger Restfutter im Wagen, rund zehn Minuten kürzere Mischzeit als beim horizontalen Vergleichsmodell und ein tieferer Energiebedarf pro Tonne. Auf den Fotos der Schüttelbox-Auswertung ist zudem sichtbar, dass beim Horizontalmischer deutlich mehr überlange Futterpartikel zurückbleiben.

Zahlen, die für sich sprechen – möchte man meinen. Genau hier beginnt aber die eigentlich interessante Frage.

Warum gute Zahlen noch kein gutes Urteil sind

Roger Zulliger selbst warnt vor einem Kurzschluss, den Hersteller, Händler und mitunter auch Berater gerne ziehen: dass ein besseres Schüttelbox-Ergebnis automatisch einen «besseren» Mischwagen bedeutet. «Was man nicht behaupten sollte, wenn man Mischwagen testet: Mischwagen A ist besser als Mischwagen B», sagt er. Die Siebergebnisse zeigten zunächst nur, dass die erzeugte Partikelverteilung unterschiedlich sei. «Ob das besser oder schlechter ist, hängt von der Zielration, Tiergruppe und Futteraufnahme ab.» Erzeugten zwei Mischwagentechnologien unterschiedliche Ergebnisse in den Siebboxen, produzierten sie automatisch auch unterschiedliche Faserlängen und Futterstrukturen. Die Auswirkungen auf Futteraufnahme, Wiederkauaktivität und Tierleistung müssten anschliessend aber auf dem jeweiligen Betrieb bewertet werden.

Eine Handvoll der gemischten Ration aus dem Praxistest: Gut erkennbar ist die feine, gleichmässige Zerkleinerung des Futters. (Bild: Agro-Technik Zulliger)

«Die Schüttelbox bewertet nicht den Mischwagen. Sie bewertet das Ergebnis», bringt es Zulliger auf den Punkt. Einen bildhaften Vergleich hat er dafür parat: «Die Schüttelbox ist für Mischwagen ungefähr das, was die Milchprobe für die Kuh ist. Sie misst nicht den Prozess, sondern dessen Ergebnis.» Ob dieses Resultat für den jeweiligen Betrieb tatsächlich vorteilhaft ist, zeigt sich erst am Tier – an Wiederkauaktivität, Futteraufnahme und letztlich an der Leistung.

Für die Praxis heisst das: Ein pauschales «Mischwagen A ist besser als Mischwagen B» hält der wissenschaftlichen Betrachtung nicht stand, so verlockend eine solche Zuspitzung für die Vermarktung auch sein mag.

Was das bei der Investitionsentscheidung bedeutet

Damit steht die Branche vor einem vertrauten Dilemma. Messwerte aus der Schüttelbox liefern Fakten, die für die Fütterungsberatung wertvoll sind – aber erst die Interpretation macht daraus eine Aussage, die einem Betrieb wirklich weiterhilft. Wird diese Interpretation übersprungen, droht eine kleine Dystopie der Zahlengläubigkeit: Ein Messinstrument, entwickelt zur Einordnung von Futterstruktur, wird zum vermeintlichen Beweis für die generelle Überlegenheit einer Maschine umgedeutet – unabhängig davon, ob diese Maschine überhaupt zur Ration, zur Tiergruppe oder zum Betrieb passt.

Für Landwirtinnen und Landwirte, die vor einer Investitionsentscheidung stehen, heisst das: Schüttelbox-Resultate eines Herstellers oder Händlers sind ein Anhaltspunkt, aber kein Urteil. Wer wissen will, ob ein Mischwagen zum eigenen Betrieb passt, kommt um einen eigenen Praxistest – im Idealfall begleitet von einer unabhängigen Fütterungsberatung – kaum herum.

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