Horizontaler oder vertikaler Futtermischwagen? «Wenn die richtige Maschine auf dem richtigen Betrieb steht, kommt es gut», sagte Nathan Losenegger von der Odermatt Landmaschinen AG am Silohöck Ende August. Auf dem Betrieb von Philipp und Michelle Furrer in Kleinwangen LU erklärte der Verkaufsberater die Unterschiede anhand zweier Modelle in der Praxis.
Vertikaler Mischwagen braucht meist ordentlich PS
Der vertikale Siloking Trialed Line compact ist ein sogenannter V-Mischer. Das sei unter anderem interessant, weil der Betrieb eine schwere Mischung habe, sagte Nathan Losenegger.
Der V-Mischer hat eine kleinere Schnecke und braucht daher weniger PS als andere vertikale Mischer. Zudem rutscht das schwere Futter immer wieder in die unteren Messer nach. Der vertikale Mischwagen arbeite im untersten Meter der Wanne, dort erziele er seine Schnittleistung, erklärte der Fachmann. Diese Schnittleistung entsteht, wenn die Messer in die Nähe der Gegenschneiden gelangen. Damit das Futter geschnitten werden kann, muss es also nach unten in den Mischwagen gelangen. Eine schwere Mischung wie bei Furrers in Kleinwangen sei besser geeignet, weil eine leichte Ration – zum Beispiel mit viel Heu – nicht bis in diesen untersten Meter des Mischwagens falle, wo die Schnittleistung passieren sollte.
Nathan Losenegger betonte aber auch, dass es bei anderen vertikalen Mischsystemen senkrechte Aussenwände und Behälter mit grösserem Volumen im Verhältnis zur Schnecke gebe, die dann auch in leichteren Heumischungen zu besseren Schnittergebnissen führten. Ein vertikaler Mischwagen brauche jedoch immer relativ viele PS, er schaffe Kraftspitzen, wenn Stücke einer Siloballe feststeckten und stauten. So müsse im Verhältnis immer mit einem grösseren Traktor gearbeitet werden, damit diese Kraftspitzen überwunden werden könnten.
Wenn die Gegenschneiden und die Messer in der engsten Situation 10–15 cm Distanz hätten, gebe es bei weitem kein exaktes Schnittergebnis, weil das Futter nach unten und oben entweichen könne. «Denn diese Maschine arbeitet nur gegen die Masseträgheit des Futters.»

Unterschiede in der Schnittleistung
Die Variante des horizontalen Mischwagens vertrat an dem Abend der Boxer MT von der Marke Storti. Dieses Modell hat zwei Schnecken, die gegeneinander drehen, und mehrere verschieden platzierte Gegenschneiden. Laut Nathan Losenegger geht jedes Messer dreimal pro Schneckenumdrehung an einer Gegenschneide‑Messersituation vorbei. Das gebe ganz eine andere Schnittleistung, sagte er im Vergleich zum vertikalen Mischer.
Das Futter müsse geschnitten und könne so nirgendwo aufgewickelt werden. Dazu komme, dass man mit tendenziell PS‑schwächeren Traktoren arbeiten könne. Die Maschine arbeite gleichmässiger, weil das Futter gleichmässiger heruntergezogen werde. So gebe es nicht solche Kraftspitzen zu überwältigen. Die Odermatt Landmaschinen AG beobachte in den letzten fünf Jahren erhöhte Nachfragen nach horizontalen Mischern, verriet der Fachmann.

Die Wahl ist vom Betrieb abhängig
Nathan Losenegger betonte, dass die Definition des vertikalen Mischers ein «Misch- und Verteilwagen» sei, während man die horizontal arbeitende Variante als «Schneid- und Mischwagen» definiere. Auf einem Betrieb mit einem kleinen Heuanteil, bei dem der Rest der Ration gehäckselt aus dem Silo kommt – wo es also nur um das Mischen und Verteilen geht –, lasse sich mit dem vertikalen Modell ein sehr gutes Ergebnis erzielen.
Das Ziel sei es, 365 Tage im Jahr die gleiche homogene Mischung abzuladen. Für Losenegger ist die Mischung dann homogen, wenn eine rangniedrige und eine ranghohe Kuh nebeneinander stehen und gleichmässig fressen. Es gebe keine Rangeleien, weil die Kühe wüssten, dass überall dasselbe Futter liege.
Beide Varianten ähnlich komplex
Auf dem Betrieb von Familie Furrer wurde die Arbeit mit beiden erwähnten Maschinen komplett berechnet und die Resultate einander gegenübergestellt. In einer sehr guten Ausrüstung gerechnet, landeten die Offerten für beide ungefähr am selben Ort.
Nathan Losenegger erklärte, dass ein horizontaler Mischer meistens gleich viele Komponenten enthalte wie ein vertikaler – er lasse sich nur schlecht «abspecken». Es brauche rechts und links ein Förderband und eine aufwendigere Wanne, bei der die Schweissarbeiten zeitintensiver und komplexer seien. Es seien auch immer zwei Schnecken verbaut, die Maschine sei allgemein aufwendiger konstruiert.
«Wenn jetzt aber jemand nur einen zehn Kubikmeter grossen Mischer und Verteiler sucht, lässt sich ein Vertikaler extrem abspecken.» Es brauche nur links und rechts einen Schieber, unter Umständen brauche es nicht einmal eine Bremsachse. Und so sei die Maschine sehr einfach und im Verhältnis zum Horizontalen deutlich günstiger. Beide Maschinen jedoch, mit gleicher Ausstattung, befinden sich in der gleichen Preisklasse. «Es kommt immer darauf an, auf welchem Betrieb es welche Maschine braucht.»

Automatisieren – aber ohne Qualitätseinbussen
Nathan Losenegger wollte den Besucherinnen und Besuchern des Silohöcks noch eine wichtige Botschaft ans Herz legen: «Ich sehe, dass auf so manchen Betrieben sehr viel Geld in die Fütterung investiert wird. Aber es sind sehr wenige Systeme und Betriebe, die komplett automatisieren können, ohne einen Kompromiss mit der Mischungsqualität einzugehen.»
Wer sich mit dem Thema automatische Fütterung beschäftige, solle der Mischungsqualität die nötige Aufmerksamkeit schenken, sensibilisierte der Fachmann sein Publikum. Bei einem automatischen Fütterungssystem, das zehnmal pro Tag eine Mischung mache, könne auch zehnmal ein Fehler passieren. Bei einem System, das nur eine Mischung mache, sei die Fehlerquote folglich viel tiefer.

