Wind aus dem Westen wirkt aufs Wetter

Der Westwind ist aktuell der entscheidende Faktor für unser Wetter. Die Niederschlagsmengen fallen unterschiedlich aus.

Während die erste Novemberhälfte durch trockenes und vor allem mildes Hochdruckwetter geprägt war, ist seit der Monatsmitte der Westwind das dominante Wetterelement.

Gürtel durch Europa

Der Westwind führt immer wieder Frontalzonen in die Schweiz. Diese Fronten sind zwar oft nicht besonders niederschlagsreich, trotzdem können sich auch viele kleine Regenmengen summieren – ein Muster, das sich grundlegend vom letzten Monat unterscheidet.

Westwindwetter kann im Alpenraum ganz unterschiedliche Auswirkungen haben. Einerseits ist der Name Westwindwetter ein Überbegriff für ein sehr breites Spektrum von unterschiedlichen Wetterlagen, anderseits führt der Alpenbogen mit seiner speziellen Form je nach Anströmungsrichtung zu ganz unterschiedlichen Wechselwirkungen zwischen Gelände und Wetter.

Der Begriff Westwindwetter wird verwendet, wenn der Westwindgürtel nach Mitteleuropa reicht und Luftmassen vom Atlantik heranführt. Gesteuert wird der Westwind einerseits von der Position der grossräumigen Druckgebilde, insbesondere des subtropischen Azorenhochs und des nordatlantischen Islandtiefs, anderseits auch vom Verlauf des Jetstreams und auch von der Druckverteilung über dem östlichen Teil des europäischen Kontinents.

Je nachdem, wie und wo diese Druckzentren zueinander stehen, kann der Westwindgürtel etwas nach Norden oder nach Süden abgelenkt werden. In der aktuellen Wetterlage wird der Westwindgürtel durch ein Tief knapp südlich von Island und ein klassisches Azorenhoch angetrieben, während sich ein Hoch über Nordskandinavien befindet, wodurch der Westwindgürtel eher nach Süden abgelenkt wird. Da der Westwindgürtel auch die Trennung zwischen milder Luft im Süden und kühler Luft im Norden darstellt, liegt die Schweiz durch den aktuellen, eher südlichen Verlauf des Westwindgürtels oft auf der Seite der kühleren Luftmasse, was zu verhältnismässig tiefen Temperaturen führt.

Gleichzeitig ist damit aber auch der Bereich mit dem grössten Feuchtigkeitstransport und somit mit den grössten Niederschlagsmengen nach Süden verschoben, weshalb die aktuelle Lage in der Schweiz zwar häufigen, aber oft nur wenig ergiebigen Niederschlag erhält – im Gegensatz zu West- und Südeuropa.

Der Einfluss der Berge

Aber auch die Berge der Alpen haben einen wichtigen Einfluss auf die Niederschlagsverteilung bei Westwind. So wird die Luft, die aus Westen herangeführt wird, zum Aufsteigen gezwungen, sobald sie den Alpenbogen erreicht – bei Westwind ist das im Bereich der Savoyer Alpen, des Chablais und der Waadtländer Alpen der Fall. Beim Aufsteigen muss sich die Luft in diesen Regionen «ausregnen», weshalb die Niederschlagsmengen in den Westschweizer Alpen aktuell grösser sind als gegen Osten hin.

Weiter haben die Alpen den Effekt, dass sie die Windströmung durch ihr raues Gelände etwas bremsen. Es entsteht ein Geschwindigkeitsunterschied zwischen Alpen und Nordschweiz. Dieser Geschwindigkeitsunterschied reisst die Frontalzonen, die über die Schweiz ziehen, auseinander – und auseinandergerissene Fronten verlieren rasch an wetterwirksamkeit, sie werden schwächer, und die Niederschlagsaktivität nimmt ab. Auch dies führt dazu, dass die Niederschlagsmengen über der West- und Nordschweiz eher grösser ausfallen als in der Zentralschweiz oder entlang der Voralpen, wo dieses Auseinanderreissen stärker ausgeprägt ist.

Mal drunter, mal drüber

Diese Muster zeigen sich auch in den bisherigen Monatssummen des Niederschlags. Obwohl es kaum richtige Starkniederschlagsereignisse gab, haben die Regensummen durch den steten Tropfen seit Monatsmitte beispielsweise in Basel, Bern oder Pully das Monats-Soll beinahe erreicht oder sogar bereits überschritten – während Messstationen am Alpennordhang wie Adelboden, Engelberg oder Davos erst etwa die Hälfte der durchschnittlichen November-Niederschlagsmenge verzeichnet haben.

Die Dynamik geht verloren

Für den restlichen Monat scheint sich die Wetterlage aber wieder etwas zu ändern. Voraussichtlich verschiebt sich das Azorenhoch etwas Richtung Norden. Mittelfristig wird der Westwindgürtel dadurch leicht abgeklemmt, und das Wettergeschehen über Mitteleuropa verliert an Dynamik. Als Folge könnte sich zumindest vorübergehend eine Zunge mit kühler Luft über Mitteleuropa festsetzen – was weiterhin zu schwachen, aber wiederholten Niederschlägen mit eher niedrigen Temperaturen führen würde. Aber wie so häufig liegt die Situation für die Schweiz auf der Kippe: Verschiebt sich das Azorenhoch etwas weniger gegen Norden und hat dafür etwas mehr Drang gegen Osten, so wird aus der erwarteten eher kühlen Witterung mit tiefem Luftdruck rasch eine trockene und milde Hochdrucklage.