Einen so lebhaften Marktbetrieb hatte die Klosterinsel im zürcherischen Rheinau schon lange nicht mehr erlebt. Über 5000 Besucherinnen und Besucher zog es am 3./4. September 2022 an den Vielfaltsmarkt «1001 Gemüse», der erstmals seit 2018 wieder stattfand.
Gezeigt wurde auch die genetische Vielfalt
Das Publikum erwartete ein buntes Angebot: Besonders verlockend kamen die zahlreichen Stände daher, an welchen es selbst hergestellte Produkte von süss bis salzig aus der ganzen Schweiz zu probieren gab. Zum Beispiel beim Start-up Fabas aus dem zürcherischen Dietikon, welches einheimischen Bio-Hummus herstellt. Dabei stammen sowohl die Hauptzutat Kichererbse wie auch weitere pflanzliche Ingredienzen von lokalen Produzenten.

Mit Infoständen vertreten waren auch verschiedene Organisationen. Darunter mehrere, die sich der Förderung der genetischen Vielfalt verschrieben haben, wie etwa Pro Specie Rara, der Verein Gen Au Rheinau sowie die Getreidezüchtung Peter Kunz (GZPK). Zudem gab es Führungen durch die Zuchtgärten und das neue Betriebsgebäude der Sativa Rheinau AG sowie über den Landwirtschaftsbetrieb Gut Rheinau. Zur Vielfalt trug auch die Ausstellung mit über 100 Gemüsesorten bei.
Die Veranstaltung, die jeweils vom Verein Gen Au Rheinau und der Mitgliederorganisation Bio Zürich und Schaffhausen organisiert wird, fokussierte diesmal auf das Sonderthema «Solidarische Landwirtschaft». Gemeint ist damit eine Strategie, wonach Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben werden, sondern in einen eigenen, durchschaubareren Wirtschaftskreislauf fliessen, der von den Konsument(innen) mit organisiert und finanziert wird. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von landwirtschaftlichen Betrieben oder Gärtnereien mit einer Gruppe privater Haushalte.
Eine Strategie für Engagierte?
Um die Solidarische Landwirtschaft genauer zu beleuchten, wurden verschiedene Vorträge angeboten. So etwa von Matthias Binswanger, der an der Fachhochschule Nordwestschweiz und an der Universität St. Gallen Volkswirtschaft lehrt. Er kam auf die Marktzusammenhänge zu sprechen: «Die Bauern gelangen zunehmend in eine Tretmühle», so Binswanger. «Sie müssen immer mehr produzieren, während die Produzentenpreise sinken.» Bei direkter Zusammenarbeit zwischen Bauern und Konsumenten dagegen könne die Wertschöpfung wieder auf den Bauernhof zurückgeholt werden.
Das bringe jedoch oftmals auch ein höheres Risiko für die Konsument(innen) mit sich, wandte der Ökonom ein, etwa, wenn mit Ernteausfällen zu rechnen ist. Unter Umständen müsse der Landwirt mit privaten Direktzahlungen unterstützt werden. Es frage sich, ob Solidarische Landwirtschaft vor allem eine Nischenlösung für Engagierte sei.
Den Besucher(innen) des Vielfaltmarkts wurden konkrete Projekte präsentiert, welche die Idee der Solidarischen Landwirtschaft in die Praxis umsetzen, zum Beispiel die kooperative Käserei Basimilch aus Dietikon. Deren Genossenschafter(innen) beziehen im Rahmen eines Abos Käse und andere Produkte aus Bio-Rohmilch. Dazu haben sie Anteilsscheine bezogen und leisten ausserdem Arbeitseinsätze für die Genossenschaft.

