«Ich habe keine Angst vor Herausforderungen und wenn etwas Freude macht, ist die Arbeit nur halb so schwer», sagt Elisabeth Grünenwald überzeugt. Die Ehefrau, Mutter, Bäuerin, Landfrau, Wirtin, Gemeinderätin und aktive Allrounderin ist eine waschechte Zweisimmerin.
Mit Jahrgang 1968 wuchs sie im Simmental im Kanton Bern als Bauernmädchen auf. Sie half auf dem grossen Pachtbetrieb der Familie in Boltigen BE, machte ein landwirtschaftliches Haushalts-Lehrjahr und absolvierte die kaufmännische EFZ‑Ausbildung. Als Berufsfrau war sie in der Landi Zweisimmen BE im Bürobereich angestellt.
Mit Vollgas in der Landwirtschaft tätig
Nach ihrer Heirat mit Niklaus wurde Elisabeth Grünenwald während 33 Jahren eine aktive Bäuerin. «Wir waren mit Vollgas in der Landwirtschaft tätig. Milchwirtschaft, ein Alpbetrieb mit Alpkäse-Produktion, dazu Saanenziegen, da blieb nicht viel Freizeit», erinnert sich Elisabeth Grünenwald. Der Betrieb wurde von 17 auf 32 Kühe vergrössert. Dazu gründete das junge Ehepaar eine Familie mit drei Kindern.
«Ich hatte gar keine Zeit, mir viele Zukunftsgedanken zu machen, es war täglich genug Arbeit vorhanden», sagt Elisabeth Grünenwald mit einem feinen Lächeln. Als die beiden Buben ihre Skifahrer-Karriere starteten, wurden sie oft von der Mutter an den gewünschten Ort chauffiert. Dazu kam ein Engagement von Elisabeth Grünenwald bei den Landfrauen. Sie startete im Verein gleich als Präsidentin, um junge Frauen zum Mitmachen zu begeistern. Während 14 Jahren stand sie an vorderster Front beim Landfrauenverein Zweisimmen.
Neuer Blickwinkel und neue Energie
Ausserhalb der Landwirtschaft noch etwas zu machen, gab einen anderen Blickwinkel und neue Energie. «Ich habe Leute kennengelernt, kam an viele Veranstaltungen und neue Orte, was sehr spannend war», stellt Elisabeth Grünenwald fest. Als im Laufe der Jahre klar wurde, dass keines der eigenen Kinder den Landwirtschaftsbetrieb übernehmen wollte, machte sich das Ehepaar Grünenwald frühzeitig Gedanken, wie es weitergehen könnte.
«Mutter, du musst auch einmal das Chillen lernen.»
Einer der Söhne von Elisabeth Grünenwald riet ihr dazu und sie lernte, «Nein» zu sagen.
Ein Kurs am Inforama Hondrich zum Thema Hofübergabe und konkretes Nachfragen brachten sie zur Plattform der Kleinbauernvereinigung Schweiz, Anlaufstelle für ausserfamiliäre Hofübergabe. «Innerhalb eines Jahres konnte alles geregelt werden. Eine junge Familie führt den Hof nun weiter und wir sind aus dem Bauernhaus weggezogen», hält Elisabeth Grünenwald fest. Niklaus Grünenwald ist noch auf dem Betrieb angestellt.
Loslassen und Nein-Sagen – beides will gelernt sein
«Man muss loslassen können und Verantwortung abgeben, ebenso lernen zu schweigen, dann geht es einem selbst gut», sagt Elisabeth Grünenwald bestimmt. Sie weiss auch: «Mit dem Kopf durch die Wand zu gehen und daraus zu lernen, gehört zum Jungsein.» Solche Erfahrungen hat sie in ihrem Leben selbst gemacht.
Wenn ein Vorhaben gelang, stieg das Selbstwertgefühl und es wurde jeweils klar: «Ich kann auch etwas.» Ein weiterer Pluspunkt im Leben für Elisabeth Grünenwald war, dass sie lernte, «Nein» zu sagen. Sich nicht ständig im festen Rad zu drehen, benötigt aber viel Kraft und Mut. Denn es sollte nicht vergessen werden, an sich selbst zu denken.
«Mutter, du musst auch einmal das Chillen lernen», sagte einer der Söhne zu Elisabeth Grünenwald. Der eigenen Person die nötige Sorge zu tragen, ist für viele Menschen sehr schwierig, aber eben wichtig.
Den Menschen gerne Freude machen
Was mit den Landfrauen begann, ging für Elisabeth Grünenwald in der Politik weiter. Seit fünf Jahren ist sie Gemeinderätin in Zweisimmen und führt das Ressort Volkswirtschaft. «Diese Aufgabe liegt mir, ich organisiere gerne, mache den Menschen gerne eine Freude und gebe etwas an andere weiter», sagt die Politikerin. So gehört unter anderem der 1. August zu den anstrengenden, aber schönen Tagen im Jahr von Elisabeth Grünenwald. Und manchmal hat die aktive Frau gemerkt, dass die Dinge einfach laufen und es nur zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Anschub benötigt.
Positives Denken hilft dabei sehr und nicht zu viel zu hinterfragen, spart viel Kraft und Energie. Dies ist die Erkenntnis im Leben von Elisabeth Grünenwald.
Als die Hofnachfolge geregelt war, kam die Gastronomie dazu. Im Gemeinderat war die eventuelle Schliessung des Restaurants «Fang» ein Thema. Der Besitzer erreichte das Pensionsalter und hatte im Sinn, kürzer zu treten. «Man sollte schauen, dass der Fang nicht zugeht», sagten die Leute im Dorf, so erinnert sich Elisabeth Grünenwald.
Darum hatte sie im Sommer 2025 auf einmal keine Zeit für anderes, sondern lernte für die Wirte-Prüfung, die sie erfolgreich bestand. «Ab November sind wir in die Wintersaison gestartet und da ging die Post richtig ab», sagt Elisabeth Grünenwald mit einem Schmunzeln. Aber getreu ihrem Lebensmotto «Machen und nicht zu viel studieren» gelang auch diese Herausforderung. Ausserdem ist die fröhliche Frau an Arbeit gewöhnt und kann auch mal eine Sieben-Tage-Woche problemlos überstehen.
Manchmal gehen Träume in Erfüllung
Durch den Umzug weg vom Bauernhaus kann das Ehepaar Grünenwald aktuell im gleichen Haus wie die Grosskinder wohnen. Dies erleichtert das gerne gemachte Hüten der jungen Schar um einiges. «Mit dieser Wohnsituation ging für mich auch ein Traum in Erfüllung. Ich besorgte früher während zehn Jahren bei diesem Haus die Geissen und wünschte mir schon damals, einmal hier zu leben», sagt Elisabeth Grünenwald dankbar.
In ihrer Art kann sie sich gut abgrenzen und ist nicht nachtragend. Das hilft auch in der Politik. «Ich bin sehr zufrieden mit meiner Situation. Ich habe in meinem Leben bisher schon viel gemacht und einiges erreicht. Ich schaue weiterhin vorwärts und bin positiv eingestellt», erklärt sie. Mit dieser Grundhaltung ist es für die vielseitige Frau möglich, ihre Familie, die beruflichen Herausforderungen und öffentliche Ämter unter einen Hut zu bringen.
Das ist der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband
Der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) macht sich seit 1932 stark für die berufliche, wirtschaftliche und soziale Stellung der Bäuerin und der Frau vom Land. Als deren Netzwerk erhalten rund 50 000 Landfrauen aus allen Kantonen und Sprachregionen eine Stimme. Auf der Website www.landfrauen.ch sind für aktive und auch schwierige Situationen viele wertvolle Adressen und hilfreiche Tipps zu finden.

