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Porträt: «Es gilt, vorauszuplanen»

Nicole Schmid begeistert sich für Landtechnik und liebt es, zu organisieren. Beim Deutz-Traktorentreffen konnte sie beides kombinieren.

Geschickt manövriert Nicole Schmid die Obstauflesemaschine um die Hochstammobstbäume. Bei einem Bestand von 380 Bäumen, die den Hof im Weiler Buch bei Märwil TG säumen, ist rationelle Arbeit nötig. Bei der örtlichen Sammelstelle der Landi Märwil wird zurzeit an drei Wochentagen Obst angenommen. »Wir liefern an einem Tag unsere Birnen, am zweiten Tag die Äpfel. Die Obstanlieferungen werden auf Anmeldung angenommen, da gilt es, auf dem Betrieb vorauszuplanen», sagt die Biobäuerin.

Sie melkt selbständig

Für Nicole Schmid sind die Schwiegereltern eine wichtige Stütze des Betriebs. Sie helfen gerne mit und wohnen in einem Einfamilienhaus im gleichen Dorf. Für Nicole und ihren Mann Matthias Schmid hat die Milchwirtschaft mit 30 Milchkühen und Kälbern grossen Stellenwert: «Seitdem wir einen Laufstall und einen einfachen Melkstand haben, melke ich selbständig. Mein Schwiegervater ermutigte mich dazu. Das Melken lernte ich von ihm.» Zusammen mit ihrem Mann bespricht die Bäuerin nach der Stallarbeit die Eindrücke zum Gesundheitszustand der Tiere. Wenn eine Kuh beispielsweise auffallend weniger Milch ausweist, beobachten Schmids den Allgemeinzustand des Tiers und setzen zunächst Mittel aus der ho-möopathischen Stallapotheke ein.

Die Familie baut Mais für die Fütterung der eigenen Tiere an. Aus der Kundenmosterei des Schwiegervaters gibt es, nebst dem Süssmost, auch Trester, eine willkommene Ergänzung in den Futterrationen.

Es muss kein Studium sein

«Ich schätze es an meiner Arbeit als Bäuerin sehr, dass ich von zuhause aus arbeiten kann», erläutert Nicole Schmid. Mit den drei lebhaften Buben Florian, Dominic und Alex, die im Alter zwischen sechs und zwölfjährig sind, laufe immer viel. Die Wohnlage, leicht abseits von dicht befahrenen Strassen, biete Spielplätze vor dem Haus, so dass die Buben eigenständig Aktivitäten entwickeln können. «Mein Mann und ich vermitteln ihnen den Wert praktischer Arbeit. Wir denken, um im Leben erfolgreich zu sein, muss man nicht zwangsläufig ein Studium haben», meint sie. Die Eltern beziehen ihre Buben in die Arbeit mit ein, z. B. helfen diese beim Füttern im Stall und bei der Heu- und Obsternte mit.

Gesund und ausgewogen essen

Nicole Schmid ist seit einigen Jahren im örtlichen Landfrauenverein im Präsidium: «Im Frühjahr 2020 würde ich dieses Amt gerne weitergeben, da ich für andere Projekte mehr Freiräume möchte.» Seit Kurzem lernt sie, Schwyzerörgeli spielen: «Als Teenager spielte ich zuerst Saxofon und Posaune. Nun hat mich die Begeisterung für dieses traditionsreiche Instrument erfasst.» Einmal im Jahr tritt sie an einer «Stubete» auf. So liesse sich dieses Hobby gut mit ihren übrigen Verpflichtungen vereinbaren.

Als Bäuerin und Landfrau geniesst gesunde, ausgewogene Ernährung und Selbstversorgung einen grossen Stellenwert bei ihr. Nicole Schmid konserviert unter anderem Williamsbirnen in Einmachgläsern. «Ich habe keinen grossen Garten, aber wenn ich Salate benötige, hilft mir meine Schwiegermutter aus», ergänzt sie. Die Familie hält jeweils zwei Schweine für den Eigenbedarf an Fleisch. Im Gehege vor dem Haus hält sie einige Hühner mit Hahn, eine Gans und Enten. «Es fügt sich für mich ideal, dass ich die Eier zur Kollegin ins benachbarte Affeltrangen bringen kann. Sie hat sich auf die Herstellung von handgemachten Teigwaren spezialisiert.»

Ein Stadtkind wird zur Bäuerin

Nicole Schmid wuchs in Gossau SG in einem nicht-bäuerlichen Elternhaus auf. Nach einer Ausbildung zur Hotelfachassistentin arbeitete sie einige Jahre bei der Migros Ostschweiz im Fleischeinkauf und lernte ihren Ehemann Matthias, gelernter Landwirt und Maurer, kennen: «Wir sind seit 2002 ein Paar und wohnen seit 2005 zusammen. Als ‹Stadtkind› wuchs ich sukzessive in die Aufgaben einer Bäuerin hinein.»

Freude an der Landtechnik

Als Nicole und Matthias Schmid 2007 das erste Kind bekamen, traf die Bäuerin die für sie passende Entscheidung, nun ausschliesslich auf dem Betrieb mitzuarbeiten. 2009 plante das Paar gemeinsam den Bau des neuen Laufstalls. «Ich organisiere gerne, dabei sind mir die Kenntnisse aus früheren Ausbildungen von Nutzen.»

Ihr Organisationstalent war unter anderem beim Deutz-Traktoren-Treffen in diesem Sommer gefragt. Weit über 300 Traktoren- und Landtechnikfreunde aus verschiedenen Kantonen und aus dem angrenzenden Ausland reisten für den Anlass an. Sie wirkte als OK-Präsidentin, es galt, zahlreiche Helfer zu rekrutieren und vor Ort die Aufgaben zu delegieren. «Dieser Anlass vereinte nicht nur Landtechnikfreunde, sondern war auch für den Zusammenhalt im Dorf förderlich.» Mit ihrer Familie besucht Nicole Schmid regelmässig und gerne die unterschiedlichsten Anlässe, an denen Landtechnik im Zentrum steht.

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