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Nicht alle Arbeiten sind verhandelbar

Wie entsteht die Arbeitsteilung auf dem bäuerlichen Familienbetrieb? Diese Frage untersuchten zwei HAFL-Forscherinnen.

Die Diskussion um die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau ist allgegenwärtig. Auch in der Politik geht einiges. So fordert zum Beispiel der Schweizerische Bäuerinnen und Landfrauenverband, dass auch Bäuerinnen einen Lohn erhalten. Rund die Hälfte der Bäuerinnen arbeitet noch immer gratis auf dem Betrieb und ist dadurch im Alter und im Scheidungsfall schlecht abgesichert.

Kein Lohn ohne Arbeit

Damit eine Arbeit entlohnt werden kann, muss sie aber zuerst überhaupt als solche wahrgenommen werden. Doch nicht alle Menschen nehmen dieselben Tätigkeiten als Arbeit wahr. In einer Studie untersuchten Christine Jurt und Isabel Häberli, zwei Forscherinnen der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen BE, wie Bauernfamilien die Arbeit auf dem Hof verteilen und was darauf einen Einfluss hat.

Der Kontext dieser Forschung bildete das neue Planungstool "Labourscope" von Agroscope, mit welchem man den Artbeitszeitaufwand für sämtliche Arbeiten auf dem Bauernbetrieb, neuerdings auch diejenigen im Haushalt, berechnen kann (mehr dazu im Kasten).

Vater bringt Kinder ins Bett

So fanden die beiden Forscherinnen heraus, dass die vorhandenen Muster landwirtschaftlicher Arbeitsteilung stark geschlechtlich geprägt sind. Dabei gibt es eine klare Trennung zwischen Haushalt/Familie und Betrieb. In allen sechs untersuchten Fällen gibt es für jeden Bereich eine hauptverantwortliche Person. Fürs Waschen und Putzen sind in allen Fällen die Frauen verantwortlich und in den meisten Fällen der Mann für die Betriebsführung. Eine klare Regelung der Verantwortung ist sehr wichtig für die Arbeitsorganisation. Dies betonten die Teilnehmer an der Untersuchung. "Es ist wichtig, dass man sich abspricht, wer wo den Lead trägt. Sonst kommt es zu ständigen Leerläufen", so eine Landwirtin.

Trotz sehr klarer Trennung von Haushalts- und Betriebsarbeiten gibt es eine Schnittstelle: die Kinderbetreuung. Es ist verbreitet, dass der Vater am Abend die Kinder zu Bett bringt oder sie tagsüber zu Schul- und Freizeitaktivitäten bringt oder davon abholt. Das empfanden die Interviewpartner, sowohl Männer als auch Frauen, als positiv.

Mutter ist die Hauptverantwortliche

Die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung liegt aber, genauso wie beim Haushalt, in allen Fällen bei der Mutter. Eine davon erzählte, dass ihr Mann viel mit der Tochter mache und sie auch am Abend ins Bett bringe. "Aber wenn es um die schwierigeren Sachen geht, wie etwa darum, ob sich die Tochter gut für die bevorstehende Prüfung vorbereitet hat, dann bin ich gefragt", sagt die Bäuerin. "Ich bin auch immer die Böse, also die die eher sagt, jetzt wird aber Trompete geübt. Das macht zeitlich vielleicht nicht so viel aus, aber stressmässig immens." Es geht also nicht nur um den zeitlichen Aufwand, sondern auch um die Intensität der Aufgabe, die eine Arbeitsbelastung erhöhen kann.

Eine zweite Schnittstelle ist das Kochen. Die Hauptverantwortung liegt zwar auch hier bei den Frauen. Wenn diese aber nicht zu Hause sind, springen die Männer oft ein. In einem Fall, wo die Frau auch in Feld- und Stallarbeiten eingebunden ist, geht das Paar nach der Stallarbeit gemeinsam ins Haus und teilt ein wer sich um das Abendessen, das Baden und ums zu Bett bringen der Kinder kümmert.

Frauen helfen im Stall

Die Büroarbeiten für den Betrieb erledigt meist der Mann. In zwei der sechs Fälle wird sie jedoch von den Frauen übernommen. In beiden Fällen haben die Frauen eine höhere Ausbildung als ihr Mann und arbeiten sowohl im Stall als auch auf dem Feld mit. Bezüglich der Stallarbeit teilen sich einige Paare die Arbeit in Unterbereiche auf. So erledigt eine Frau vor allem die Arbeit mit den Jungtieren (Kälber tränken). Im zweiten Fall übernimmt die Frau das professionelle Herdenmanagement, weil dies ihrer Ausbildung als Agronomin entspricht.

Bei der Aussenwirtschaft, also den Feldarbeiten, liegt die Verantwortung bei den Männern. In vier Fällen führen die Männer, allenfalls der Lehrling oder Vater, alle Arbeiten aus. Eine Frau hilft sporadisch bei Erntearbeiten mit und eine zweite arbeitet regelmässig auf dem Feld. Abends werden vorwiegend Arbeiten im Haus erledigt, wie die Küche aufräumen, Wäsche zusammenlegen oder Büroarbeiten. Diese abendlichen Arbeiten nehmen zu, wenn jemand auf dem Betrieb noch auswärts arbeitet.

Überschneidungen entstehen

Alle sechs Betriebsleiterpaare haben Angestellte oder Aushilfen. Lehrlinge und Praktikanten bieten aber nicht nur Erleichterung, sondern auch Mehraufwand. Unterstützung holten sich die Betriebsleiter auch durch Reinigungskräfte, Lohnunternehmer oder Treuhänder.

Die Forscherinnen der HAFL haben zudem untersucht, wie die Arbeitsteilung auf den untersuchten Betrieben entsteht. Sie fanden heraus, dass den Arbeitsteilungen stark geschlechtsbezogene Rollenmodelle zugrunde liegen. Diese hat bereits die Elterngeneration des Betriebsleiters schon so gelebt und wurde praktisch gleich übernommen.

Die Untersuchung hat gezeigt, dass es Bereiche gibt, die verhandelbar sind und andere weniger. Zu den verhandelbaren Bereichen gehören: Kinderbetreuung, Kochen, Büroarbeiten, Futterbau, Stallarbeiten, Herdenmanagement und Direktvermarktung. Nicht verhandelbar waren Reinigungsarbeiten, Maschinenreparaturen oder Holzerarbeiten. Dies sind Hinweise darauf, dass Neuaushandlungen stattgefunden haben und sich die geschlechtliche Prägung der Arbeitsteilung langsam aufweicht. Jasmine Baumann

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