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Landfrau Claudia Kilchmann: «Der Garten gibt das Menü vor»

Die 39-jährige Claudia Kilchmann kocht lieber, als sie putzt. Mit ihrer bodenständigen Küche verpflegt sie ihre fünf Kinder und ihren Mann Ruedi. Wenn sie nicht kocht, backt oder im Stall anpackt, krault sie ihre Geissen.

Die Geiss Shaivana setzt Huf vor Huf. Gekonnt balanciert sie auf dem Baumstamm. Sie schnuppert am schwarzen Shirt von Claudia Kilchmann. «Du bist schon immer neugierig.» Und genau deshalb seien Geissen ihre Lieblingstiere. Die 39-Jährige streckt ihre Finger nach der kleinen Nase von Shaivana aus. In ihren Armen hält sie das weisse Zicklein namens Lisa, das im trockenen Sommer 2026 zur Welt kam.

Als Kilchmann vor 15 Jahren aus dem Bernbiet nach Kriens LU zog, erwarteten sie schon ihre Geissen. «Rüedi schenkte mir drei Zwerggeissen. Er baute den Stall selbst. Er wollte, dass ich mich auf dem Hof sofort zu Hause fühle.» Fünf Kinder und einige Jahre später ist es immer noch ihr Lieblingsort.

Zurück zu den Wurzeln

Claudia Kilchmann kümmert sich Vollzeit um den Betrieb, ihre Kinder und ihre eigene Backstube. Janis (12), Nico (10), Finn (8) und Anik (7) sind gerade in der Schule. Nur die Jüngste, die vierjährige Sara, turnt auf dem Hofplatz herum. Claudia schickt sie zu ihrem Mann Ruedi.

Im Stall fühlt sich Kilchmann genau so wohl, wie in der Küche. (Bild: SRG SSR/Marion Nitsch)

Claudia Kilchmann drückt mit den Händen auf den Rand des Silowagens. Sie lehnt sich nach vorn. Ihre Füsse heben sich vom Boden. Das Vorderrad des Silowagens hebt sich. Die grossen Augen der Braunviehkühe verfolgen sie. Kilchmanns bewirtschaften 42 Hektare Land und halten 90 Tiere – Milchvieh mit eigener Aufzucht. Dazu verrichten ihr Mann Hansruedi und ihr Schwiegervater noch Lohnarbeit für die Nachbarbauern.

Kilchmann schiebt den Kühen Biertreber zu. Dieser stamme von der Brauerei Eichhof gleich um die Ecke. Obwohl die Küche ihr Hauptgebiet ist, scheut sie sich keinesfalls vor Stallarbeit. «Ich liebe die Arbeit mit den Tieren. Grundsätzlich die Arbeit mit der Natur», sagt die gelernte Tierarztpraxisassistentin (TPA).

Bevor sie ihre Lehre antrat, machte sie ein Sozialjahr in einer psychiatrischen Klinik. «Nach meiner Lehre zog es mich zu den Menschen zurück», sagt Kilchmann. Danach schloss sie die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit ab. Diesem Beruf ging sie auch nach ihrem Umzug nach Luzern nach: Sie arbeitete in einem Blindenheim in Horw LU. «Bis Finn kam, arbeitete ich 30 bis 50 Prozent auf der Nachtwache.» Erst mit dem grossen Scheunenumbau 2019 veränderte sich ihre berufliche Situation.

Steckbrief

Name: Claudia Kilchmann

Alter: 39 Jahre

Beruf: Ausgebildete Tierpraxisassistentin, ausgebildete Pflegefachfrau

Landwirtschaftliche Nutzfläche: 42 Hektare

Tierbestand: 90 Milchkühe mit eigener Aufzucht, Hühner, Zwergziegen und einen Hofhund

Voll auf dem Betrieb engagiert

Im Jahr 2019 entschied sich die Familie, den Anbindestall in einen Laufstall umzubauen. «Ich hatte zwei Monate lang bis zu 14 Personen am Tisch. Mit Znüni und Zvieri kommt da ganz schön viel Arbeit zusammen. Der Betrieb brauchte mich voll zu Hause.»

Obwohl sie es sich auch vorstellen könnte, wieder in den Beruf einzusteigen, sei sie unglaublich dankbar für die Arbeit mit den Tieren, der Natur und den Kindern. Zudem hat sie sich ein zweites Standbein aufgebaut: Claudia Kilchmann backt einmal in der Woche auf Bestellung frisches Brot, Züpfe oder Süssgebäck.

Claudia Kilchmann vermarktet ihr Bort über ihren Social-Media-Kanal. Dort gibt sie auch Einblicke in ihr Leben. (Bild: SRG SSR/Marion Nitsch)

Die Backwaren vermarktet sie über Social Media. Ihre Kuh Eibe, die ihr siebtes Kalb gebärt, Ihre Kinder beim Mosten, das Rezept für eine Joghurtbombe und in den Storys die Angebote ihrer Backstube: Unter dem Handle @landfieber zeigt sie ihr Leben ganz ungeniert. Claudia Kilchmann möchte den Menschen die Landwirtschaft wieder näherbringen.

«Früher hatte irgendwie jeder einen Grossvater oder einen Onkel, der bauert. Heute ist die Distanz zur Landwirtschaft gross und so das Verständnis auch viel kleiner.»

Der Geissenpfad

Obwohl sie selbst nicht aus einer bäuerlichen Familie stammt, ist sie im ländlichen Wahlendorf BE aufgewachsen. Sie fühlt sich auf dem Betrieb völlig zu Hause. Ihr Heimatgefühl trägt Hörner und meckert: «Geissen begleiten mich schon mein ganzes Leben.»

Als Kind überredete Claudia Kilchmann ihre Eltern, ihr eine Geiss zu kaufen, da ein Pferd nicht drin lag. «Ich ging mit meinem Zwergziegenbock spazieren und spielte ihm Gitarre vor.»

Deshalb ist die Antwort auf die Frage, wo sie sich in ihrem strengen Alltag mit Betrieb, Küche und fünf Kindern erholt, ganz klar. Das Geissengehege ist ihr Rückzugsort.

Fünf Fragen an Claudia Kilchmann

Mein Lieblingsessen als Kind:

Kartoffelschnitze mit Bratkügelchen und Apfelmus.

Das esse ich (heute) nicht gerne:

Meeresfrüchte.

Meine Küchenwunderwaffe:

Meine Kreativität und dass ich gut improvisieren kann.

Meine Lieblingsarbeit in der Küche:

Ganz klar das Abschmecken. Oder einfach das Verfeinern.

Diese Küchenarbeit finde ich öde:

Den Geschirrspüler und die Küche aufräumen.

Claudia Kilchmann kauert neben dem Beet. Mit der rechten Hand packt sie die Rande. In der linken hält sie einen Schnitzer. Noch in der Luft befreit sie die Rande vom grössten Dreck.

Mit dem Wort «bodenständig» beschreibt sie ihre Küche. «Der Garten und das eigene Fleisch in der Gefriertruhe geben das Menü vor.» Essen sei für die Familie wichtig. «Im hektischen Alltag kommen wir dann alle zusammen», sagt die Bäuerin, grinst und packt die Randen in eine Schale.

Kilchmanns Menüplan gibt der Garten vor. (Bild: SRG SSR/Marion Nitsch)

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