Gegen Mitte Mai stehen jedes Jahr die Eisheiligen im Kalender. Sie dauern vom 11. Mai, der dem heiligen Mamertus gewidmet ist, bis zum 15. Mai, der nach der heiligen Sophie oft auch „kalte Sophie“ genannt wird.
Heuer kein Frost
Die Eisheiligen haben ihren Namen von einer Bauernregel, die im ganzen deutschen Sprachraum verbreitet ist und nach der diese Tage berüchtigt für Frostnächte sind. Während in den letzten zwei Jahren diese Regel zumindest lokal eingetroffen ist, so zeigen sich die Eisheiligen dieses Jahr von der sommerlichen Seite.
Überschreitet die Tageshöchsttemperatur 25° C, so wird er meteorologisch als Sommertag klassifiziert. Dieses Jahr sind es die Tage vom 10./11. Mai, also der Beginn der Eisheiligen, an denen dieses Jahr erstmals verbreitet ein Sommertag registriert wurde. Mit Schauern, Gewittern und weiterhin milden Temperaturen erinnern dann auch Pankratius (12. Mai) und Servatius (13. Mai) eher an Sommerwetter als an Eis und Frost. Betrachtet man die Statistik, so zeigt sich ein zwiespältiges Bild. Einerseits kann man zwischen dem 11. und 15. Mai im Schweizer Mittelland keine besondere Häufung von Frosttagen oder Bodenfrost feststellen, anderseits werden praktisch jedes Jahr im Mai noch Frosttage verzeichnet, auch im Mittelland.
Mit Vorsicht zu geniessen
Dass im Mai also Frost oftmals noch ein Thema für die Vegetation und Landwirtschaft ist, ist durchaus berechtigt und wohl auch der Grund, wieso der Mythos der Eisheiligen immer noch sehr verbreitet und populär ist.
Da die Bauernregeln um die Eisheiligen meist noch aus dem Mittelalter stammen, ist es wie bei allen meteorologischen «Lostagen» jedoch wenig sinnvoll, diese auf den Tag genau interpretieren zu wollen – mit Kalenderreformen, Schaltjahren und so weiter stellt sich schon nur die Frage, welcher Tag denn nun genau gemeint ist.
Doch, ebenfalls wie bei allen «Lostagen», gibt es durchaus atmosphärische Prozesse, die diesen «Los- oder Stichtagen» eine gewisse Gültigkeit geben. Im Falle der Eisheiligen sind es gleich zwei Prozesse.
Veränderung im Mai
Einerseits kann man im Laufe des Monats Mai oft eine Umstellung der grossräumigen atmosphärischen Zirkulation beobachten. Während Anfang Mai noch viel Kaltluft über dem Nordatlantik und den polaren Gebieten liegt, die wegen des zunehmenden Sonnenstandes in Bewegung gerät und gerne mal weit nach Süden in Richtung Mitteleuropa vorstösst, nimmt das Kaltluft-Reservoir im Laufe des Monats meist rasant ab.
Damit werden Kaltluftausbrüche in den mittleren Breiten seltener oder sind weniger ausgeprägt und die Wahrscheinlichkeit für Frost nimmt ab. Anderseits nehmen auch bei uns die Tageslänge und der Sonnenstand im Mai rasant zu. Dadurch werden auch die Nächte kürzer – und je kürzer die Nächte, desto weniger Zeit hat die Luft, um sich zum Gefrierpunkt hin abzukühlen. Aus dieser Perspektive scheinen Bauernregeln wie «Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist» auch aus meteorologischer Sicht durchaus sinnvoll.
Ideales Heuwetter?
Doch mit dem aktuell sommerlichen Wetter ist es nicht unbedingt der Frost, der die Landwirtschaft akut beschäftigt, sondern mehr das Spekulieren auf günstige Tage zum Heuen oder Silieren. Hier ist das warme Wetter Fluch und Segen zugleich. Einerseits helfen die hohen Temperaturen, damit das Schnittgut nach dem Mähen rascher trocknet.
Anderseits bedeuten hohe Temperaturen meist auch, dass viel Energie in der Luftmasse steckt. Energie, die sich rasch in Quellwolken, Regenschauer und Gewitter umwandeln kann. Da der Sonnenstand im Mai wie bereits erwähnt immer noch am Steigen und die atmosphärische Schichtung noch frühlingshaft ist, ist es im Mai häufig schwieriger als im Hochsommer, ein entsprechend stabiles Fenster mit «Heuwetter» zu finden.
Dazu kommt erschwerend hinzu, dass auch heute die modernsten und besten Wettermodelle immer noch Mühe damit haben, die Entwicklung von kleinräumigen Regen- und Gewitterzellen richtig vorherzusagen. Immerhin scheint mit einem nächsten Hochdruckgebiet die Regenwahrscheinlichkeit ab diesem Samstag wieder für ein paar Tage abzunehmen.

